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Sehnenstelzfuß (Rind)

Version vom 26. März 2021, 13:23 Uhr von Patrick Messner (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Neuromyodysplasia congenita (NMDC), Beugesehnenverkürzung
Englisch: flexural deformities

1 Definition

Als Sehnenstelzfuß bezeichnet man eine unphysiologisch gebeugte Haltung der distalen Gliedmaße beim Rind. Die Erkrankung ist von der Arthrogrypose zu trennen.

2 Ätiologie

Für den Sehnenstelzfuß werden Verkürzungen der Sehnen und/oder Muskeln der Beuger verantwortlich gemacht. Gleichzeitig ist ein zu schnelles Knochenwachstum an der Krankheitsentstehung verantwortlich. Die genauen Ursachen sind jedoch noch (2021) nicht bekannt.

Zusätzlich werden erbliche Defekte, Veränderungen im zentralen Nervensystem sowie fütterungs- und umweltbedingte Schädigungen vermutet. Virusinfektionen während der fetalen Entwicklung stehen ebenso zur Diskussion.

3 Epidemiologie

Kälber der Rasse Deutsches Fleckvieh scheinen häufiger betroffen zu sein als andere Rassen. Ein gesicherter Nachweis liegt jedoch nicht vor, jedoch kann eine höhere Penetranz bei männlichen Tieren nachgewiesen werden.

4 Pathogenese

Aufgrund unterschiedlicher Auslöser kommt es zu einer konstanten Beugehaltung der distalen Gliedmaße(n). Häufig sind die Vorderbeine betroffen, wobei die stärkste Flexion meistens im Fesselgelenk vorliegt. Der Grad der Beugehaltung kann unterschiedlich stark ausgebildet sein, sodass entweder nur geringe Winkelabweichungen bis hin zu massiven Fehlstellungen auftreten.

5 Klinik

Betroffene Kälber weisen bereits bei der Geburt eine Verkrümmung der Gliedmaßen auf. In den meisten Fällen sind beide Vordergliedmaßen symmetrisch betroffen.

Aufgrund der unterschiedlich starken Ausprägung variiert das klinische Bild stark. Anhand der Ausprägung können drei Grade unterschieden werden:

  • NMDC Grad I: Leichte Winkelabweichungen führen nur zu einer Klauenspitzenfußung. Binnen weniger Wochen wächst die Fehlstellung selbständig aus.
  • NMDC Grad II: Die Kälber können nicht mehr auf den Klauen fußen, weshalb sie nach vorne umknicken. Die Fehlstellung lässt sich häufig mit mäßigem Druck berichtigen, jedoch können die Tiere die Haltung nicht selbstständig korrigieren.
  • NMDC Grad III: In ausgeprägten Fällen ist die Beugestellung so stark, dass die Kälber auf dem dorsalen Fesselgelenk fußen - in Extremfällen sogar auf der Dorsalseite des Karpus.

Durch die Fehlbelastungen entstehen Wunden, sodass Bakterien eindringen und schmerzhafte Entzündungen sowie eitrige Arthritiden verursachen können.

6 Diagnose

Das klinische Bild ist pathognomonisch. Bei Unklarheiten können bildgebende Verfahren (z.B. Röntgen) die Diagnose sichern.

7 Therapie

Die Therapie richtet sich nach dem Grad der Fehlstellung. Grundsätzlich ist eine konservative von einer chirurgischen Behandlung zu unterscheiden.

Geringgradige Beugehaltungen (Grad I) heilen meistens spontan. Um den Genesungsverlauf jedoch positiv zu beeinflussen, ist das Kalb regelmäßig zu bewegen (täglich mehrmals führen). Parallel dazu ist die Gliedmaße mehrmals täglich manuell zu strecken. Um bleibende Schäden zu vermeiden, ist die Behandlung sofort und konsequent durchzuführen. Bei mittelgradigen Fehlstellungen (Grad II) ist das Kleben eines "Klauenbrettchens" indiziert. Hierfür wird ein ca. 60 x 80 mm großes und etwa 8 mm dickes Hartholz so an die Klaue geklebt, dass es ca. 3 bis 4 cm nach vorne über die Klauenspitze hervorragt. Durch diese Maßnahme können die Kälber eigenständig stehen, ohne umzuknicken. Durh den ständigen Zug and en Beugesehnen infolge der Hebelwirkung kommt es zu einer allmählichen Streckung. Parallel dazu sind umfangreiche und regelmäßig ausgeführte physiotherapeutische Übungen notwendig. In ausgeprägten Fällen kann das Anlegen eines Stütz- bzw. Streckverbandes hilfreich sein.

Hochgradige Fehlstellungen (Grad III) lassen sich häufig nur mehr chirurgisch behandeln. Bei diesen Tieren wird eine Tenotomie der oberflächlichen sowie tiefen Beugesehne in sedierung und unter Lokalanästhesie (IVSTAN) empfohlen. Medikamentelle Therapieversuche mit Oxytetrazyklin sind obsolet.

8 Prognose

Grad I- und II-Fehlstellungen weisen eine günstige Prognose auf, wohingegen eine drittgradige Beugestellung vorsichtig betrachtet werden muss.

9 Quellen

  • Klee W, Metzner M. 2016. Ausgewählte Kapitel aus dem Gebiet der Inneren Medizin der Wiederkäuer Lehrmaterialien der Klinik für Wiederkäuer der LMU München (abgerufen am 23.03.2021)
  • A.Univ.-Prof. Dr. Johann Kofler Dipl.ECBHM. Skriptum - Orthopädische Erkrankungen & Orthopädische Operationen bei Wiederkäuern. Neu überarbeitet im Jänner 2015. Klinik für Wiederkäuer, Vetmeduni Wien.

Diese Seite wurde zuletzt am 26. März 2021 um 13:23 Uhr bearbeitet.

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