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Schwangerschaftsdiabetes

Version vom 29. September 2018, 16:49 Uhr von Fabian Locquet (Diskussion | Beiträge)

Synonym: SS-Diabetes, Gestationsdiabetes, Gestationsdiabetes mellitus (GDM)

Englisch: gestational diabetes

1 Definition

Der Schwangerschaftsdiabetes ist eine Störung des Glucosestoffwechsels, die erstmals während einer Schwangerschaft diagnostiziert wird. Der Begriff bezieht sich auf den Zeitpunkt der Erstdiagnose und umfasst verschiedene Diabetesformen. Davon abzugrenzen ist der Diabetes mellitus während der Schwangerschaft, der vorher schon bestand.

Nach ICD 10 wird "Diabetes mellitus, während der Schwangerschaft auftreten, inklusive gestationsbedingtem Diabetes mellitus ohne nähere Angabe" unter der Ziffer "O24.4" kodiert.

2 Epidemiologie

Der Gestationsdiabetes mellitus ist eine weltweit zunehmende Erkrankung. Er ist relativ häufig und tritt (je nach Definition) in bis zu 20% aller Schwangerschaften auf. Daher ist ein konsequentes Screening aller Schwangeren erforderlich.

3 Risikofaktoren

Ein hohes Risiko für die Entstehung eines Gestationsdiabetes haben Schwangere mit Übergewicht, familiärer Diabetesbelastung, gestörter Glukosetoleranz in der Vorgeschichte, Glukosurie, Makrosomie des ersten Kindes und deutlicher Gewichtszunahme in der vorangegangenen Schwangerschaft. Für diese Gruppe ist ein frühestmögliches Glukosescreening angezeigt.

4 Pathogenese

Durch die Hormonveränderung in der Schwangerschaft verändert sich der gesamte Metabolismus. Die Zellen werden resistenter gegen Insulin.

Dies wird durch folgende Hormone bewirkt: Östrogen, Progesteron, plazentares Laktogen, HCG, Prolaktin, Kortisol und proinflammatorische Signale, zum Beispiel TNF-a.

Um die Insulinresistenz auszugleichen, muss der Körper die Insulinsekretion erhöhen. Wenn eine latente Störung der Beta-Zellen besteht, wird dies durch die erschwerte Situation sichtbar.

5 Klinik

5.1 Symptome

Wichtig ist vor allem der auffällige Screening-Test, da die typischen Symptome für Diabetes nur sehr mild ausgeprägt sind. Auffälligkeiten während der Schwangerschaft können Hinweise auf den Gestationsdiabetes sein:

  • Der Gestationsdiabetes stört das intrauterine Millieu und die vermehrte Zuckerausscheidung begünstigt häufige Harnwegsinfekte oder Scheidenentzündungen.
  • Die Fruchtwassermenge kann erhöht sein (Polyhydramnion).
  • Durch die vermehrte Zuckerzufuhr kann ndas ungeborene Kind übermäßig schnell an Gewicht und Größe zunehmen.
  • Häufig wird der Gestationsdiabetes von Bluthochdruck begleitet.
  • Das Risiko für Präeklampsie und Eklampsie ist erhöht.

5.2 Folgen

  • bei der Geburt: erhöhte Rate an Kaiserschnitten und vaginal-operativen Entbindungen mit Saugglocke oder Zange
  • Langzeitfolgen für die Schwangere: erhöhtes Risiko für Glukosetoleranzstörung bei erneuter Schwangerschaft, erhöhtes Risiko für die spätere Entwicklung eines Diabetes mellitus II
  • Schwerste Komplikation eines unbehandelten Gestationsdiabetes ist der plötzliche intrauterine Fruchttod.
  • Folgen für das Kind: Durch den erhöhten Blutzucker im Blut der Schwangeren, welches das Kind versorgt, hypertrophieren und hyperplasieren die Beta-Zellen des Kindes. Es werden vermehrt Wachstumsfaktoren ausgeschüttet, was zu einer Makrosomie des Kindes führt. Des Weiteren gibt es bei den Kindern gehäuft Schulterdystokien, Hypokalzämien, Polyglobulien, Hyperbilirubinämien und Atemnotsyndrome. Außerdem gewöhnt sich der Organismus des ungeborenen Kindes daran, vermehrt Insulin auszuschütten, sodass es nach der Entbindung durch die plötzlich verminderte Glukosezufuhr zu gefährlichen Hypoglykämien kommen kann.
  • Langzeitfolgen für das Kind: Die Kinder können eine Fehlsteuerung gegenüber Stoffwechselreizen entwickeln, sodass ihr Risiko für Diabetes und Übergewicht erhöht ist.

6 Diagnostik

  • Die Diagnose erfolgt über ein gezieltes Screening, erfolgt dies nicht, bleibt der Gestationsdiabetes oft unerkannt.
  • In der Regel wird zwischen der 24 und 28. Schwangerschaftswoche ein oraler Glucose-Screening-Test. Hierbei werden 75g oder 50g Glukose in 200 ml Wasser aufgelöst und getrunken. Eine Stunde später wird Blut abgenommen und die Glukose gemessen. Je nach Ergebnis kann die Diagnose gestellt werden oder es erfolgt eine weitere Abklärung durch einen oralen Glukosetoleranztest. Der Uringlukosewert ist als Screeningparameter weniger sensitiv und gilt deshalb als überholt.
  • Die Diagnose wird gestellt bei einer Nüchternglukose von über 126 mg/dl im venösen Plasma, einem HbA1C von über 6,5% oder einer Zufallswert von über 200 mg/dl mit Bestätigung.
  • Wenn ein Risikoprofil besteht, sollte der Glukosetoleranztest sofort bei Bekanntwerden Schwangerschaft erfolgen.

7 Therapie

  • Für die Einstellung des Blutzuckers gibt es Zielwerte: nüchtern 65-95 mg/dl, 1h nach dem Essen <140 mg/dl, 2h postprandial <120 mg/dl
  • Allgemeinmaßnahmen, in Absprache mit den behandelnden Ärzten: Schulung und Aufklärung über die Krankheit, Ernährungsumstellung, Sport, Selbstkontrolle der Blutzuckerwerte
  • Medikamentöse Behandlung: Orale Antidiabetika sind bei Schwangeren, sowie in der Stillzeit kontraindiziert, es wird nur mit Insulin behandelt. Die Indikation zur Insulinbehandlung sollte unter Ausschöpfung der konservativen Maßnahmen zügig innerhalb von zwei Wochen gestellt werden. Sie besteht, wenn pro Woche an mindestens zwei Tagen mindestens zwei Werte prä- oder postprandial erhöht sind.
  • Bei Schwangeren mit Gestationsdiabetes empfiehlt sich ein monatlicher Ultraschall, um eine Makrosomie des Kindes frühzeitig zu entdecken. Des Weiteren soll die Indikation zur Gabe von Kortison zur Lungenreifung und Beta-Mimetika zur Tokolyse enger gestellt werden.
  • Bei der Mutter ist verstärkt auf Anzeichen für Harnwegs- und Vaginalinfekte und Hypertonus und Präeklampsie zu achten.
  • Nach der Geburt muss das Neugeborene besonders im Hinblick auf Atemnot und Hypoglykämien überwacht werden

8 Prophylaxe

Frauen mit Kinderwunsch sollten bereits vor der Schwangerschaft für ein normwertiges Gewicht, und normale Blutwerte, sowie einen normalen Blutdruck sorgen. Dies lässt sich durch ausgewogene Ernährung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr und Bewegung positiv beeinflussen.

9 Prognose

Zumeist kommt es nach der Schwangerschaft zu einer Normalisierung der Stoffwechselsituation.

10 Nachsorge

Das Risiko der Frau später an einem Diabetes mellitus zu erkranken ist erhöht, weswegen sich eine Kontrolle der Blutzuckerwerte empfiehlt.

11 Quellen

http://www.icd-code.de

Diabetes und Schwangerschaft, 2. Auflage, Springer, 2012, Simone Claudi-Böhm, Bernhard O. Böhm

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Oktober 2018 um 17:26 Uhr bearbeitet.

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