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Schlaganfall

Version vom 23. Oktober 2008, 10:40 Uhr von 217.6.212.150 (Diskussion)

Synonyme: Apoplex, Apoplexia cerebri
Englisch: stroke, apoplexy

1 Definition

Als Schlaganfall bezeichnet man die Folge einer in der Regel "schlagartig" auftretenden Durchblutungsstörung im Gehirn, die zu einem regionalen Mangel an Sauerstoff (O2) und Nährstoffen (Glukose) und damit zu einem Absterben von Gehirngewebe führt.

Mögliche Ursachen für einen Schlaganfall sind:

2 Epidemiologie

Die Inzidenz des Schlaganfalls beträgt in Deutschland ca. 180/100.000. Nach Herzerkrankungen und Krebsleiden ist der Schlaganfall die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und die häufigste Ursache für Langzeitbehinderung.

3 Ätiologie

3.1 Hirninfarkt

Zu einem Hirninfarkt kommt es durch Gefäßverschlüsse der versorgenden Hirnarterien und eine daraus resultierende Ischämie des abhängigen Hirngewebes. Hirninfarkte können auftreten bei:

siehe auch: Hirninfarkt

3.2 Hirnblutung (Hämorrhagie)

Hämorrhagien sind Folge von geplatzten und eingerissenen Gefäßen. Blut, das die Nervenzellen eigentlich mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen soll, tritt ins Hirngewebe aus. Die Nervenzellen werden dabei nicht nur durch die verminderte Blutversorgung, sondern häufig auch durch den Druck des ausgetretenen Blutes geschädigt.

4 Pathologie

Ein vollständiger Infarkt eines Gewebebezirks im Gehirn führt zu einem Absterben des Gewebes (Kolliquationsnekrose) mit einer Hirnerweichung (Enzephalomalazie). Man unterscheidet:

5 Klinik

5.1 vorübergehende Minderdurchblutung ohne richtigen Schlaganfall (TIA)

Oft (mindestens bei jedem 3. Patienten) treten im Vorfeld eines Schlaganfalls vorübergehende neurologische Ausfälle auf. Diese werden auch als transitorisch-ischämische Attacke (TIA) bezeichnet, wenn sich die Symptomatik innerhalb von 24h wieder zurückbildet.

Bei neueren Konzepten geht die Tendenz dahin, eine TIA nur noch als flüchtige zerebrale oder retinale Dysfunktion mit einer Symptomdauer von meist unter 1h und fehlendem Infarktnachweis aufzufassen. Die früher verwendeten Begriffe "PRIND" und "RIND" (für prolongierte ischämisch-neurologische Defizite) sind nicht mehr zeitgemäß.

Alle vorübergehenden Ausfälle sind äußerst ernst zu nehmende Warnzeichen!

5.2 Schwerwiegende Minderduchblutung und Symptome beim Schlaganfall

Die klinische Symptomatik eines Schlaganfalls ist stark abhängig von der Lokalisation und Ausprägung des Gefäßverschlusses bzw. davon, welches Gehirnareal wie stark betroffen ist.

Sehr häufig kommt es bei einem Apoplex zu:

  • halbseitigen Lähmung (Hemiparese): plötzlich auftretende Schwäche oder Lähmung auf nur einer Körperseite (insbesondere eines Armes, eines Beines oder einer Gesichtshälfte)
  • Sprachstörungen (motorische Aphasie): Sprachschwierigkeiten in Verbindung mit Lähmung einer Körperseite (zumeist der rechten Seite)
  • Schwierigkeiten (sensorische Aphasie): Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen

Weitere Symptome können sein:

  • Sehstörungen: halbseitiger Ausfall eines Gesichtsfelds (homonyme Hemianopsie), vorübergehender Visusverlust (i.d.R. nur auf einem Auge), Doppelbilder, verschwommenes Sehen
  • Gleichgewichtsverlust, Koordinationsprobleme, Schwindel, Gangunsicherheit
  • plötzlich auftretende Eintrübung des Bewusstseins, bis zur Bewusstlosigkeit!
  • Verwirrtheit
  • Übelkeit (mit oder ohne Erbrechen)
  • schlagartig auftretender starker Kopfschmerz

Bei Schlaganfällen im Bereich des Hirnstammes treten charakteristischerweise Alternans-Syndrome auf.

6 Diagnostik

Da nur in den ersten Stunden nach Auftreten der Symptome eine Therapie möglich ist ("time is brain"!), muss der Schlaganfallpatient umgehend in eine geeignete Klinik (mit "stroke unit") gebracht werden. Dort kann mittels CT oder MRTdas Ausmaß festgestellt werden.

6.1 CT

Aufgrund ihrer breiten Verfügbarkeit ist die CT der Standard in der Schlaganfall-Akutdiagnostik. Mit der CT des Kopfes (CCT) kann man in der Akutphase unterscheiden, ob der Schlaganfall durch eine Blutung (hämorrhagisch) oder durch eine Gefäßverschluss (ischämischer Hirninfarkt) bedingt ist.

  • einfache "native" CT (NECT): wird konventionell zuerst durchgeführt

Ergänzen kommen heute (2007) in vielen Krankenhäusern zwei weitere Verfahren zur Schlaganfall-Diagnostik hinzu. Diese sind:

Durch die CTA und die PCT ist besser erkennbar welches Gefäß verschlossen ist, und welcher Teil des Gehirns wie stark minderversorgt ist.

6.2 MR

In vielen Zentren steht mittlerweile auch MRT zur Schlaganfalldiagnostik zur Verfügung. Diese kann weitere nützliche Informationen über Ursachen und zum Verlauf der Gewebeschädigung beim Schlaganfall liefern. Zusätzlich können im Vergleich zur CT mit der MRT viel besser kleine Infarkte (Lakunen), ältere Infarkte oder zerebrale Mikroangiopathien dargestellt werden. Eine Gefäßdarstellung (MR-Angiographie) und eine semiquantitative Durchblutungsmessung (Perfusions-MR) ist ebenfalls zuverlässig möglich. Vorteil der MR ist auch, dass sie keine Strahlenbelastung für den Patienten darstellt.

6.3 Angio, Doppler, EKG, Echo

  • Angiographie: In manchen Fällen ist eine Angiographie nötig. Hierbei wird dem Patienten über einen Katheder ein Kontrastmittel gespritzt und anschließend Röntgenaufnahmen des Kopfes (bzw. zuführender Gefäße) gemacht. Mit der digitalen Subtraktions-Angiographie (DSA) sind die Gefäße am besten darstellbar.
  • Doppler-Sonographie: Mit der Doppler-/Duplexsonographie der hirnversorgenden Gefäße kann man Kalk und arteriosklerotische Ablagerungen nachweisen, die zu Stenosen (Verengungen) der Arterien bzw. Thrombosen führen können. Je höher der Grad der Stenose, desto größer ist die Gefahr, einen Apoplex zu erleiden. Mit der transkraniellen Doppler- und Duplexsonographie (TCD) können neuerdings auch Gefäße im Schädelinneren dargestellt werden.
  • EKG, Herz-Echo: Bei Verdacht auf eine kardiogene Embolie-Quelle sollte mit EKG und Sonographie des Herzens ("Herz-Echo") überprüft werden, ob evtl. Herzrhythmusstörungen für eine Thrombenbildung (mit Embolie-Gefahr) verantwortlich sein können.

7 Therapie

7.1 Basismaßnahmen

Zunächst gehören die Sicherung und Stabilisierung der Vitalfunktionen und physiologischen Parameter (Blutdruck, Puls, O2, Blutzucker, Temperatur, Elektrolyte,...) zu den Basismaßnahmen. Nötige medikamentöse Therapie. Ggf. muss eine Krampfanfall-Therapie durchgeführt werden. Diese Maßnahmen sind auch wichtig um das Auftreten eines weiteren (zusätzlichen, noch größeren) Schlaganfalls zu verhindern!

Im möglichst rasch durchzuführenden CT oder MRT zeigt sich, ob noch eine Chance besteht, Hirngewebe zu retten oder ob es bereits zu spät ist, das vom Schlaganfall betroffene Hirngewebe zu retten. Bei einem ischämischen Infarkt können manchmal verschlossene Gefäße durch eine Thrombolyse-Therapie wieder-eröffnet werden. Die Chancen dafür sind dann verhältnismäßig günstig, wenn Symptome sofort bemerkt wurden und der Patient sofort ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Jede Lyse birgt jedoch ein nicht geringes Blutungsrisiko in sich.

7.2 Thrombolyse

Das Zeitfenster für eine intravenöse Lyse-Therapie (mit rtPA) ist eng. Bisher war sie in der Regel in einem Zeitraum von 3h nach Auftreten der Symptome indiziert, neuerdings entscheidet aber nicht mehr nur alleine die vergangene Zeit über die sinnvolle Anwendung der Lysetherapie, sondern auch die Größe des Kerninfarkts sowie die Größe des umliegenden in Mitleidenschaft gezogenen Hirngewebes "tissue at risk" (Penumbra).


7.3 Hemicraniektomie und OP

Bei Hirnblutungen ist eine Lysetherapie nicht indiziert. Sie kann ggf. operativ behandelt werden. Bei zu großer Blutung oder Ödem nach Hirninfarkt kann eine Hirndruck-Entlastung Abhilfe verschaffen. Zur Druckentlastung kann ein Teil des knöchernen Schädeldachs entfernt werden (Hemicraniektomie, das später wieder aufgesetzt werden kann.

8 Risikofaktoren

8.1 Beeinflussbare Faktoren

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:

8.2 nicht beeinflussbare Faktoren

Zusätzliche, nicht beeinflussbare Risikofaktroen sind:

  • hohes Alter: Meist treten Schlaganfälle eher im Alter auf. Jedoch können auch junge Menschen einen Schlaganfall erleiden. Jeder zweite Betroffene ist noch im erwerbsfähigen Alter. Ca. 5% der Patienten sind sogar jünger als 40 Jahre.
  • genetische familiäre Disposition: Personen, bei denen Verwandte einen Schlaganfall erlitten haben, haben ein erhöhtes Risiko, da bestimmte Schlaganfall-Risikofaktoren erblich sind und folglich familiär gehäuft auftreten

9 Prävention

Die beste Möglichkeit, einem Schlaganfall vorzubeugen, ist eine gesunde Lebensweise. Dazu gehört:

  • gute Ernährung: hoher Anteil an Obst, Gemüse; wenig fett- und zucker
  • ausreichende Flüssigkeitsaufnahme (besonders auch bei älteren Menschen)
  • regelmäßige Bewegung und Sport
  • Stress-Vermeidung
  • Gewichtsabnahme
  • Raucherentwöhnung

10 Links

Zahlen und Fakten: siehe Erlanger Schlaganfallregister [1]

Diese Seite wurde zuletzt am 19. Mai 2021 um 13:48 Uhr bearbeitet.

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