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Schistosomiasis

Version vom 18. November 2015, 18:10 Uhr von Manuel R. Harfmann (Diskussion | Beiträge)

nach dem deutschen Arzt Theodor Maximilian Bilharz (1825-1862)
Synonym: Bilharziose, Blutharnruhr
Englisch: schistosomiasis, bilharzia

1 Definition

Als Schistosomiasis bezeichnet man Erkrankungen, die durch Infektion mit Parasiten der Gattung Schistosoma (Pärchenegel) verursacht werden.

2 Erreger

Schistosoma gehören zu den Plathelminthen. Sie kommen in Süßwassergewässern vor und dringen durch die Haut in den Körper ein um mehrere Entwicklungsstadien zu durchlaufen.

Beim Menschen sind 5 Arten von pathogenen Schistosomen beschrieben:

3 Epidemiologie

Nach Schätzungen der WHO sind weltweit etwa 250 Millionen Menschen mit Schistosomen infiziert, vornehmlich in tropischen und subtropischen Ländern. Besonders stehende Gewässer (z.B. Stauseen) stellen Risikogebiete dar.

4 Pathogenese & Symptomatik

4.1 Infektion & Ausbreitung

Schistosomen dringen über die intakte Haut als Zerkarien in den Körper ein. An der Eindringstelle kann es zu einer wechselnd stark ausgeprägten Hautreaktion kommen.

Mit dem Strom des Blutes und der Lymphe gelangen die Schistosomen zunächst in die Lunge (eventuell Pneumonie) und schliesslich über die Vena portae in das Pfortadernetz der Leber. In der Leber entwickeln sich die Schistosomen zu der adulten Form.

4.2 Akute Schistosomiasis

Nach 3-10 Wochen erreichen die adulten Würmer die Geschlechtsreife und beginnen mit dem Ablegen ihrer Eier. Dabei legen Schistosomen etwa 300 bis 3000 Eier pro Tag.

In diesem Stadium reagiert der Körper heftig auf die Fremdkörper. Es kommt zu Fieber, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit. Allergische Reaktionen (z.B. Urtikaria) sind ebenfalls häufig, in ihrer Extremform werden sie als Katayama-Syndrom zusammengefasst.

4.3 Organspezifität

Jede Schistosoma-Art legt ihre Eier in den Venolen bevorzugten Regionen ab. Daher lassen sich prinzipiell drei Formen der Schistosomiasis unterscheiden:

  • Urogenitale Schistosomiasis
  • Intestinale Schistosomiasis
  • Hepatolienale Schistosomiasis

Dabei werden die Eier beispielsweise im Fall der urogenitalen Schistosomiasis im venösen Geflecht der Blase abgelegt und wandern hindurch bis in das Blasenlumen. Ähnlich verhält es sich bei den anderen Formen.

Bei der Durchwanderung des Gewebes laufen Immunreaktionen des Körpers gegen den Erreger ab. Es kommt zur Ausbildung von Granulomen.

Die speziellen Symptome sind von der Form der Schistosomiasis abhängig. Im Allgemeinen kommt es zu Blutungen aus der Blase (Hämaturie) bzw. Darm (Teerstuhl, Gastrointestinalblutung) oder zur Entwicklung einer Leberzirrhose (Vorstufe Hepatosplenomegalie) mit portaler Hypertonie.

Prinzipiell können jedoch alle Organe des Körpers befallen sein.

5 Diagnostik

Wegweisend ist die Reiseanamnese. In Westeuropa sind vor allem Abenteuerreisende und Entwicklungshelfer aus Gebieten mit Schistosoma-Vorkommen betroffen.

Im Blutbild lässt sich eine Eosinophilie nachweisen. Die Diagnose kann durch den Nachweis von Wurmeiern in Urin oder Stuhl gesichert werden. Der Nachweis ist mit speziellen Anreicherungsverfahren möglich, jedoch erst nach 5-10 Wochen positiv. Alternativ können Biopsien einer verdächtigen Schleimhaut auf Würmer untersucht werden.

Der Nachweis spezifischer Antikörper gelingt wesentlich schneller. Bei einem begründeten Verdacht und erhöhtem Titer ist von einer Infektion auszugehen.

6 Therapie

Die Therapie einer Schistosomiasis sollte so früh wie möglich erfolgen. Dabei ist das Medikament Praziquantel die erste Wahl und hilft zuverlässig die Würmer zu eliminieren.

7 Prävention

Auf Reisen in Schistosomagebieten sollte jeglicher Kontakt (Baden, Barfußlaufen) mit Süßwasergewässern gemieden werden. Wasser aus solchen Gewässern sollte nicht ohne weiteres getrunken werden. Erst nach Chlorierung oder Erhitzen sterben die Zerkarien ab.


Diese Seite wurde zuletzt am 25. Januar 2018 um 15:04 Uhr bearbeitet.

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