Sauerstoffgabe im Rettungsdienst

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Synonym: Sauerstoffabgaberichtlinie im Rettungsdienst

1 Definition

Die Sauerstoffgabe im Rettungsdienst ist situationsbedingt und v.a. krankheitsbezogen geregelt und festgelegt. Die Richtwerte unterliegen den aktuellen Studien der Notfallmedizin und müssen deshalb regelmäßig geschult und angepasst werden.

2 Hintergrund

Medizinischer Sauerstoff ist ein Notfallmedikament. Die Anwendung am Patienten setzt daher die Mindestqualifikation "Rettungssanitäter" voraus. Die Notwendigkeit zur Sauerstoffgabe ergibt sich aus der Patientenbeurteilung (ABCDE-Schema, SAMPLE-Schema) oder dem Notfallbild (Polytrauma).

Mit Hilfe der Pulsoxymetrie kann man die Sauerstoffsättigung nichtinvasiv messen, sodass die Sauerstoffgabe an die Messwerte angepasst wird. Bei einfachen Pulsoxymetern, die nur zwei Wellenlängen messen, kann es im Falle einer Kohlenmonoxidvergiftung zu Fehlmessungen kommen, da diese Geräte die Art der Hämoglobinsättigung nicht unterscheiden können.

3 Abgabemengen

In der Praxis wird die Abgabemenge von Sauerstoff in drei Fälle untergliedert, wobei sich diese auf das Vorhandensein einer Pulsoxymetrie beziehen:

3.1 Sauerstoffgabe ohne SpO2-Monitoring

Indikation: Sauerstoffabgabemenge:
alle Notfallpatienten aller Altersklassen 6-8 l/min
z.N. Rettung aus vergifteter Atmosphäre 15 l/min
Schädel-Hirn-Trauma 15 l/min
Thoraxtrauma 15 l/min
Polytrauma 15 l/min
akute Atemwegsbehinderung mit Zyanose 15 l/min
schwere Atemnot mit Zyanose 15 l/min
Tauchunfall 15 l/min
Hyperventilation kein Sauerstoff!

3.2 Sauerstoffgabe mit SpO2-Monitoring

3.2.1 Patient mit Atemnot

In der Notfallmedizin wird meistens schon beim Ersteindruck oder bedingt durch das Notfallgeschehen häufig entschieden, dass der Patient 15 l/min Sauerstoff benötigt (Indikationen siehe Tabelle oben). Gleichzeitig leitet eine schwere Atemnot, spätestens bei Beurteilung des "B" beim ABCDE-Schema dazu, 15 l/min Sauerstoff zu verabreichen. Hier erfolgt eine unverzügliche Sauerstoffgabe, wobei erst im Anschluss ein Pulsoxymeter angelegt wird.

3.2.2 Patient ohne Atemnot

Nach dem Eintreffen der Sanitäter wird der Patient sofort über das ABCDE-Schema beurteilt, wobei parallel die apparative Diagnostik beginnt. Da das Anlegen des Fingersensors rasch erfolgen kann, sollte dies als erstes erledigt werden. Anhand des SpO2-Wertes wird die Sauerstoffmenge so eingestellt, dass der angestrebte Zielwert (Tabelle unten) erreicht wird. Kann der Zielwert ohne zusätzliche Sauerstoffgabe erreicht werden (z.B. durch Anleitung richtiger Atmung), wird auf die Sauerstoffgabe verzichtet.

Indikationen: SpO2-Messergebnisse Zielwerte:
alle Patienten 94-98%
Patienten mit einem akuten Koronarsyndrom (ACS) 94-96%
Patienten mit bekannter COPD/Asthma ohne Zyanose, nach einer erfolgreichen Reanimation 88-92%

4 Kontraindikation

Auch wenn viele Patienten im präklinischen Bereich keinen Sauerstoff benötigen, ist nach derzeitiger Lehrmeinung (2016) eine Oxygenierung nur bei einer Intoxikation mit Paraquat kontraindiziert. Selbst beim COPD-Patienten (mit Zyanose), der unter Sauerstoffgabe atemdepressiv wird, ist diese Komplikation als geringer anzusehen als eine anhaltende Hypoxie.

5 Sonderfälle

Es muss unbedingt beachtet werden, dass bei der Pulsoxymetrie auch Messfehler auftreten können. Auslöser für falsche Werte können sein:

Erscheint die erfolgte Messung nicht zuverlässlig, sollte Sauerstoff immer so verabreicht werden, als würde kein Pulsoxymeter zur Verfügung stehen!

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Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Sauerstoffgabe_im_Rettungsdienst

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