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Sauerstoffgabe im Rettungsdienst: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 27. August 2015, 18:06 Uhr

Synonym: Sauerstoffabgaberichtlinie im Rettungsdienst

1 Definition

Die Sauerstoffabgabe im Rettungsdienst ist situationsbedingt und v.a. krankheitsbezogen geregelt und festgelegt. Die Richtwerte unterliegen den aktuellen Studien der Notfallmedizin und müssen deshalb regelmäßig geschult und angepasst werden.

2 Allgemein

Medizinischer Sauerstoff stellt das Notfallmedikament in der sanitätshilflichen Versorgung für Rettungssanitäter dar. So ergibt sich die Sauerstoffabgabe grundsätzlich aus der klassischen Patientenbeurteilung (ABCDE-Schema, SAMPLE-Schema).

Mit Zuhilfenahme der Pulsoxymetrie wird eine sehr verlässliche Messung der Sauerstoffsättigung ermöglicht, sodass die Sauerstoffabgabe an die Messwerte angepasst werden.

3 Abgabemengen

In der Praxis wird die Abgabemenge von Sauerstoff in drei Säulen untergliedert, wobei sich diese auf das Vorhandensein einer Pulsoxymetrie beziehen:

3.1 Sauerstoffabgabe ohne SpO2-Monitoring

Indikation: Sauerstoffabgabemenge:
alle Notfallpatienten aller Altersklassen 6-8 l/min
z.N. Rettung aus vergifteter Atmosphäre 15 l/min
Schädel-Hirn-Trauma 15 l/min
Thoraxtrauma 15 l/min
Polytrauma 15 l/min
akute Atemwegsbehinderung mit Zyanose 15 l/min
schwere Atemnot mit Zyanose 15 l/min
Tauchunfall 15 l/min
Hyperventilation kein Sauerstoff!

3.2 SpO2-Monitoring

  • Patient mit Atemnot bzw. verpflichtend 15 l/min:
    In der Notfallmedizin wird meistens schon beim Ersteindruck oder bedingt durch das Notfallgeschehen häufig entschieden, dass der Patient 15 l/min Sauerstoff benötigt (Indikationen siehe Tabelle oben). Gleichzeitig leitet eine schwere Atemnot, spätestens bei Beurteilung des "B" beim ABCDE-Schema dazu, 15 l/min Sauerstoff zu verabreichen. Hier erfolgt eine unverzügliche Sauerstoffgabe, wobei erst im Anschluss ein Pulsoxymeter angelegt wird.
  • Patient ohne Atemnot:
    Nach dem Eintreffen des Sanitäterteams wird der Patient sofort über das ABCDE-Schema abgefragt, wobei nebenbei (ein zweiter Sanitäter) parallel die apparative Diagnostik beginnt. Da das Anlegen des Fingersensors rasch erfolgen kann, sollte dies als erstes erledigt werden. Anhand des SpO2-Wertes wird die Sauerstoffabgabemenge so eingestellt, dass der angestrebte Zielwert (Tabelle unten) erreicht wird. Kann der Zielwert ohne zusätzliche Sauerstoffgabe erreicht werden (z.B. durch Anleitung richtiger Atmung), wird auf die Sauerstoffgabe verzichtet.
Indikationen: SpO2-Messergebnisse Zielwerte:
alle Patienten 94-97%
Patienten mit bekannter COPD/Asthma, im Rahmen eines ACS und nach einer erfolgreichen Reanimation 88-92%

4 Sonderfälle

Es muss unbedingt beachtet werden, dass bei der Pulsoxymetrie auch Messfehler auftreten können. Auslöser für falsch Werte können sein:

  • Bei einer bestehenden Zentralisation (z.B. Unterkühlung, Schock) werden periphere Körperteile schlecht durchblutet. Aufgrund dieser Tatsache kann es zum Ausfall der Messung kommen bzw. falsch-negative Werte angezeigt werden.
  • Nagellack, künstliche Fingernägel, Schmutz, Blut oder Handcreme können ebenso das Messergebnis verfälschen oder zu gar keinem Ergebnis führen.
  • Leidet der Patient unter einer Kohlenmonoxidvergiftung, zeigt das Gerät i.d.R. falsch-positive Werte an.
Erscheint die erfolgte Messung nicht zuverlässlig, sollte Sauerstoff immer so verabreicht werden, als würde kein Pulsoxymeter zur Verfügung stehen!

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