Sarcoptes-Räude (Hund)

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Synonyme: Sarcoptesräude, Sarkoptesräude, Sarcoptes-Infektion

1 Definition

Die Sarcoptes-Räude ist eine Parasitose beim Hund, die durch Milben der Gattung Sarcoptes verursacht wird.

2 Erreger

Sarcoptes scabiei var. canis ist eine Grabmilbe, die zur Familie der Sarcoptidae innerhalb der Ordnung Astigmata (Sarcoptiformes) gehört. Sie ist zwischen 200 und 500 µm groß, hat kurze Beine und lange, ungegliederte Prätarsi mit kleinen Haftglocken. Die Parasiten weisen zwar eine deutliche Wirtspräferenz für Hunde und Füchse auf, können jedoch auch andere Tierarten sowie den Menschen befallen.

Sarcoptes scabiei ist ein permanenter und stationärer Ektoparasit, dessen Entwicklungszyklus ausschließlich auf dem Wirt stattfindet und zwischen 2 und 3 Wochen andauert. Weibchen graben bis zu einem Zentimeter lange Länge in die Epidermis, wo sie dann ihre Eier ablegen. Hier schließt die weitere Entwicklung von der Eizelle über die Larve, Proto- und Tritonymphe bis hin zur adulten Milbe an. Die Milben bevorzugen hierfür vor allem dünn behaarte Körperstellen, wie z.B. die Haut von Kopf, Nacken und Ohrmuscheln. Von hier aus erfolgt letztendlich die Ausbreitung in andere Körperregionen.

3 Epidemiologie

Sarcoptes scabie ist weltweit verbreitet. Die Parasiten befallen in Mitteleuropa bevorzugt Hausschweine und nur selten Hunde.

4 Pathogenese

Die Sarcoptes-Räude ist eine hoch kontagiöse Ektoparasitose. Die Übertragung erfolgt vorwiegend durch direkten Kontakt mit infizierten Hunden oder Füchsen. Da die Milben auch mehrere Wochen abseits des Wirts überleben können, ist eine Infektion auch aus der Umgebung möglich. Die Parasiten halten sich dabei bevorzugt an Schlafplätzen und Bürsten auf.

5 Klinik

Typisch für einen Befall mit Sacroptes scabiei ist ein ausgeprägter und meist wenig auf Medikamente ansprechender Juckreiz.

Der Befall bzw. die Symptome beginnen meist am Kopf und verteilt sich dann parasitentypisch im ventralen Körperbereich (Unterbauch, Brustpartie und Gliedmaßen). Deutlich seltener sind die dorsalen Körperregionen betroffen. Die Parasitose tritt initial mit erythematösen Papeln in Erscheinung, die später zu generalisierten Erythemen und Krustenbildungen führen. Aufgrund des hochgradigen Juckreizes kommt es zu intensivem Kratzen, was wiederum ausgeprägte Exkoriationen und Alopezie begünstigt. An den Ohrrändern sowie an den Ellenbogen und Tarsen sieht man eine starke Schuppenbildung.

Unbehandelt geht die Sarcoptes-Räude in einen chronischen Krankheitsverlauf über. In weiterer Folge entstehen Hautverdickungen, Hyperkeratosen, Hyperpigmentierungen, Lichenifikationen und starke Abmagerung. Aufgrund der ausgeprägten Automutilation kommt es häufig auch zu sekundären Pyodermien.

6 Differenzialdiagnose

Da das klinische Bild der Sarcoptes-Räude dem eines allergischen Hundes gleicht, muss vor allem eine atopische Dermatitis ausgeschlossen werden.

7 Diagnose

Die Bestätigung einer Diagnose erfolgt entweder durch den direkten Nachweis von Milben oder ihrer Eier im Hautgeschabsel oder nach erfolgreicher diagnostischer Therapie mit geeigneten Ektoparasitika.

8 Therapie

Die Therapie kann mit systemisch wirkenden Akariziden durchgeführt werden. Hierfür können entweder Moxidectin (z.B. in Form eines Spot-ons), Ivermectin (z.B. in Tablettenform) oder Milbemycinoxim (z.B. in Tablettenform) verwendet werden.

Da die Milben auch 2 bis 3 Wochen abseits des Wirts in der Umgebung überleben können, sollten stets auch die Liegeplätze sowie Utensilien für die Körperpflege mit behandelt werden (z.B. mit Permethrin-haltigen Sprays).

9 Zoonotische Bedeutung

Die Krätze wird beim Menschen durch Sarcoptes scabiei var. hominis verursacht. In seltenen Fällen und bei ausreichend engem Kontakt mit einem infizierten Tier können auch andere Sarcoptes-scabiei-Varianten vom Tier auf den Menschen übertreten und zu einer lokalen und temporären Dermatitis führen.

Da der Mensch als Fehlwirt dieser Milben gilt, findet keine weitere Vermehrung statt, sodass die Symptome häufig selbstlimitierend sind.

10 Quellen

  • Niemand HG (Begr.). Suter PF, Kohn B, Schwarz G (Hrsg.). 2012. Praktikum der Hundeklinik. 11., überarbeitete und erweiterte Auflage. Stuttgart: Enke-Verlag in MVS Medizinverlag Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1125-3.
  • Eckert J, Friedhoff KT, Zahner H, Deplazes P. 2008. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Stuttgart: Enke Verlag in MVS Medizinverlage Stuttgart GmbH & Co. KG. ISBN: 978-3-8304-1072-0

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Quelle: https://flexikon.doccheck.com/de/Sarcoptes-R%C3%A4ude_(Hund)

Diese Seite wurde zuletzt am 16. Februar 2021 um 19:50 Uhr bearbeitet.

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