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Rotavirus

Version vom 17. Dezember 2017, 13:07 Uhr von Darius Schäfer-Bashtdar (Diskussion | Beiträge)

von lateinisch: rota - Rad
Englisch: Rotavirus

1 Definition

Das Rotavirus ist ein lineares Doppelstrang-RNA-Virus aus der Familie der Reoviridae. Es ist der häufigste Verursacher von Gastroenteritiden bei Kindern.

2 Name

Der Name Rota leitet sich vom mikroskopisch erkennbaren radähnlichen Aussehen des Virus ab. Diese Struktur entsteht durch Proteinbrücken und Kanäle zwischen dem äußeren und inneren Kapsid und ist bei TEM-Aufnahmen bei Negativkontrastierung deutlich zu erkennen.

3 Struktur

Das Genom des Rotavirus besteht aus einer doppelsträngigen RNA, welche aus zehn bis zwölf Segmenten besteht und 16-27 Kilobasenpaare enthält. Das Viruskapsid weisst eine Ikosaederform auf, eine Hülle ist nicht vorhanden. Die Größe des Virus beträgt etwa 80-85 nm.

4 Epidemiologie

Das Virus kommt weltweit vor. Die Übertragung erfolgt fäkal-oral (Schmierinfektion), eine aerogene Infektion konnte bisher jedoch nicht ausgeschlossen werden. Das Virus wird in großen Mengen mit dem Stuhl des Patienten ausgeschieden (1010 bis 1012 Partikel pro Gramm Stuhl). Die Kontagiosität des Virus ist besonders hoch.

Am meisten sind von einer Rotavirusinfektion Kinder unter 2 Jahren betroffen. Danach nimmt das Erkankungsrisiko mit zunehmendem Lebensalter ab. Ein zweiter Erkrankungsgipfel besteht im fortgeschrittenen Lebensalter. Auch Patienten mit geschwächtem Immunsystem sind bevorzugt betroffen.

In Entwicklungsländer ist die durch Rotaviren verursachte Gastroenteritis eine der häufigsten Todesursachen bei Kleinkindern.

5 Pathogenese

Nach oraler Inokulation infiziert das Virus ausschließlich die Spitze der Enterozyten der Mikrovilli, nicht jedoch die der Krypten. In den Enterozyten führen sie zunächst zu einer starken Vakuolisierung und leztendlich zur Zytolyse. Die Enterozyten lösen sich aus ihrem Zellverband, folglich nimmt die Länge und Anzahl der Mikrovilli ab. Dies führt zu einer Resorptionsstörung mit konsekutiver Diarrhoe.

6 Symptome

Nach einer Inkubationszeit von ein bis 3 Tagen treten wässrige bis schleimige, farblose bis gelbbraune Durchfälle auf, welche mit Erbrechen und mäßigem Fieber einhergehen können. Blutbeimengungen im Stuhl sind nicht typisch und weisen auf eine andere Ursache hin.

Wird nicht ausreichend Flüssigkeit substituiert, kommt es zur Dehydratation.

7 Immunantwort

Der Körper bildet nach der Inkubationszeit Antikörper gegen das Virus, zunächst IgM, später auch IgG. Die Antikörper sind für die Rekonvaleszenz von entscheidender Bedeutung und eliminieren das Virus binnen 7-14 Tagen. Die Mikrovilli werden im Anschluss durch kryptische Enterozyten vollständig wieder aufgebaut.

Eine Zweitinfektion ist möglich, sie verläuft in der Regel aber asymptomatisch.

8 Diagnostik

Bei Verdacht auf eine Rotavirusinfektion kann zum einen der Nachweis spezifischer Antikörper (IgM, IgG), sowie der direkte Virusnachweis mittels ELISA oder Elektrophorese erfolgen.

9 Therapie

Eine kausale antivirale Therapie existiert nicht. Der Fokus der Therapie sollte auf ausreichender Flüssigkeitszufuhr liegen, da die Patienten durch die wässrigen Durchfälle große Mengen Flüssigkeit verlieren können.

10 Prophylaxe

Die Rotavirusinfektion lässt sich durch das Einhalten allgemeiner Hygienemaßnahmen vermeiden. Kinder mit einer Rotavirusinfektion sollten keine öffentlichen Einrichtungen wie Kindergärten besuchen, um eine Epidemie zu vermeiden.

11 Impfungen

Die Rotavirus-Impfung ist eine sog. Schluckimpfung, bei der ein attenuierter Lebendimpfstoff oral appliziert wird. Die Wahl des Impfstoffes hängt vom Alter ab. Mit einem Mindestabstand von 4 Wochen können ab einem Alter von 6 Wochen 2 Dosen Rotarix® bzw. drei Dosen RotaTeq® verabreicht werden, deren Erstgabe aber spätestens bis zur 12. Woche gegeben worden sein sollte. Spätere Gaben sind unter anderen Bedingung jedoch möglich. Eine potenzielle Nebenwirkung der Impfstoffe stellt die Invagination von Darmabschnitten dar, die in den ersten 7 Tagen nach Applikation auftreten kann. Die Gefahr für eine Invagination steigt mit zunehmendem Lebensalter des Säuglings, daher ist eine frühe Impfung zu präferieren.[1]

12 Quellen

  1. [1]

Tags:

Fachgebiete: Kinderheilkunde, Virologie

Diese Seite wurde zuletzt am 14. Dezember 2020 um 23:40 Uhr bearbeitet.

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