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Riluzol stellt in Deutschland aktuell das einzig zugelassene [[Medikament]] in der Behandlung der ALS dar. In [[Randomisierte kontrollierte Studie|randomierten placebokontrollierten Studien]] konnte die klinische [[Wirksamkeit]] festgestellt werden. Durch die Therapie wird einerseits die Zeit bis zu einer nötigen [[Tracheotomie]] und mechanischen [[Beatmung]] hinausgezögert. Riluzol verlängert darüber hinaus das [[Mittleres Überleben|mediane Überleben]] bei ALS-Patienten um ca. zwei bis drei Monate.  
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Riluzol ist in Deutschland aktuell (2020) das einzig zugelassene [[Medikament]] zur Behandlung der ALS. In [[Randomisierte kontrollierte Studie|randomierten placebokontrollierten Studien]] konnte die klinische [[Wirksamkeit]] festgestellt werden. Durch die Therapie wird einerseits die Zeit bis zu einer nötigen [[Tracheotomie]] und mechanischen [[Beatmung]] hinausgezögert. Riluzol verlängert darüber hinaus das [[Mittleres Überleben|mediane Überleben]] bei ALS-Patienten um ca. zwei bis drei Monate.  
  
 
==Chemie==
 
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Version vom 8. Oktober 2020, 16:20 Uhr

Handelsname: Rilutek®
Englisch: riluzole

1 Definition

Riluzol ist ein Arzneistoff aus der Gruppe der Benzothiazole. Durch seine antiglutamaterge Wirkung spielt er eine wichtige Rolle in der Therapie der amyotrophen Lateralsklerose (ALS).

2 Hintergrund

Riluzol ist in Deutschland aktuell (2020) das einzig zugelassene Medikament zur Behandlung der ALS. In randomierten placebokontrollierten Studien konnte die klinische Wirksamkeit festgestellt werden. Durch die Therapie wird einerseits die Zeit bis zu einer nötigen Tracheotomie und mechanischen Beatmung hinausgezögert. Riluzol verlängert darüber hinaus das mediane Überleben bei ALS-Patienten um ca. zwei bis drei Monate.

3 Chemie

Bei Riluzol handelt es sich um ein Benzothiazol, das als wasserunlösliches weiß-gelbliches Pulver vorliegt. Die Summenformel lautet: C8H5F3N2OS. Die molare Masse beträgt 234,2 g/mol.

4 Wirkmechanismus

Es wird angenommen, dass der exzitatorische Neurotransmitter Glutamat eine wichtige Rolle in der Pathogenese der ALS spielt, insbesondere im Prozess der Apoptose der Nervenzellen. Der genaue Wirkmechanismus von Riluzol ist noch (2020) unbekannt. Es wird jedoch vermutet, dass Riluzol als Glutamat-Antagonist agiert, indem er durch Hemmung präsynaptischer spannungsgesteuerter Natriumkanäle den Calciumeinstrom und somit die Glutamatfreisetzung hemmt.

5 Pharmakokinetik

Nach oraler Gabe wird die maximale Plasmakonzentration von Riluzol innerhalb 60 - 90 Minuten erzielt. Der Steady State wird bei Gabe von 50 mg Riluzol zweitäglich nach weniger als 5 Tagen erreicht. Die mittlere absolute Bioverfügbarkeit beträgt 42 - 78 %.

Riluzol passiert die Blut-Hirn-Schranke. Im Körper liegt es zu 97 % proteingebunden vor (v.a. an Serumalbumin und Lipoproteinen). Durch das Isoenzym Cytochrom P450 wird Riluzol zum aktiven Hauptmetaboliten N-Hydroxy-Riluzol umgewandelt, welcher anschließend glukuronidiert wird.

Die Ausscheidung erfolgt vor allem über den Urin. Riluzol weist eine Eliminationshalbwertszeit von 9 - 15 Stunden auf.

6 Indikation

Riluzol ist indiziert bei Patienten mit amyotropher Lateralsklerose (ALS).

Darüber hinaus wird in der Literatur der mögliche Einsatz bei psychiatrischen Erkrankungen diskutiert.

7 Darreichungsform

Riluzol ist als kapselförmige, weiße Filmtablette à 50 mg erhältlich. Der Arzneistoff wird oral eingenommen.

8 Dosierung

Die empfohlene Tagesdosis beträgt 100 mg. Die Gabe sollte täglich auf zwei Einzeldosen à 50 mg im Abstand von 12 Stunden und nüchtern erfolgen. Eine weitere Dosissteigerung bringt keine wesentlichen Vorteile mit sich.


Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

9 Nebenwirkungen

Als häufigste Nebenwirkungen in Zusammenhang mit der Einnahme von Riluzol treten Übelkeit, erhöhte Serumkonzentrationen der Alanin-Aminotransferase (ALT) und Asthenie auf. Weiterhin sind Kopfschmerzen, Benommenheit, Schläfrigkeit, Tachykardien und gastrointestinale Symptome (Übelkeit, Diarrhö, Bauchschmerzen, Erbrechen) möglich.

Die Einnahme von Riluzol stellt weiterhin grundsätzlich einen Riskofaktor für das Auftreten einer Hepatitis und/oder Pankreatitis dar. Bei Auftreten von Fieber muss zudem eine mögliche Neutropenie ausgeschlossen werden.

Es werden ebenfalls Fälle von interstitiellen Lungenerkrankungen berichtet, die sich z.B. mit trockenen Husten oder Dyspnoe manifestieren.

10 Kontraindikationen

Riluzol ist Kontraindiziert bei:

Aufgrund von fehlenden oder begrenzten Daten wird eine Anwendung bei eingeschränkter Nierenfunktion sowie bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren nicht empfohlen.

11 Zulassung

Riluzol ist seit 1996 in Deutschland zugelassen. Initial entwickelt wurde das Medikament von dem Hersteller Sanofi‐Aventis. Aktuell wird es durch verschiedenste Hersteller vermarktet.

12 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Oktober 2020 um 16:40 Uhr bearbeitet.

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