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Rett-Syndrom

Version vom 24. Oktober 2014, 21:39 Uhr von Tina Maxa (Diskussion | Beiträge)

Englisch: Rett's syndrome

Klassifikation nach ICD-10
F84.2 Rett-Syndrom
ICD-10-GM online (Version 2011)

1 Definition

Das Rett-Syndrom ist eine neurologische Entwicklungsstörung, die nur bei Mädchen beschrieben worden ist. Es handelt sich um eine frühkindliche beginnende und progressive Enzephalopathie, die über einen X-Chromosomal dominanten Erbgang vererbt wird.

2 Prävalenz

Das Rett-Syndrom ist relativ selten. Die Prävalenz liegt zwischen 1:15.000 und 1:10.000.

3 Ursache

In über 90% der Fälle ist die Ursache eine Mutation im Methyl-CpG-Bindeprotein 2 (MECP2)-Gen oder eine Deletion dieses Gens. Die restlichen Fälle werden mit MECP2-Duplikationen in Verbindung gebracht oder werden durch Mutationen in CDKL5 (Cyclin-dependent kinase-like 5) oder FOXG1 (Forkhead box protein G1) verursacht.

4 Symptome

Charakteristisch für das Rett-Syndrom sind die Stereotypien der Hände, die sogenannten "washing movements". Betroffene Kinder zeigen desweiteren ein teilweises autistisches Verhalten, Demenz und ein verringertes Kopfwachstum. Später treten vermehrt epileptische Anfälle und Spastiken auf. Es kommt zur Apraxien, Muskelschwund und Symptomen, die vom Extrapyramidalmotorischen System ausgehen. Hierbei handelt es sich unter anderem um Bewegungsstörungen im Bereich des Thorax. Das Sozialverhalten und die Spieleentwicklung solcher Kinder sind stark gehemmt, während hingegen das Sozialinteresse weiter besteht.

5 Verlauf und Prognose

Betroffene Mädchen entwickeln sich scheinbar normal. Zwischen dem 6. und 18. Lebensmonat kommt es jedoch zu einem Stillstand und sogar zu einer Rezession in der Entwicklung. Dies bedeutet, dass bereits erlernte Fähigkeiten, wie z.B. das Benutzen der Hände, verlernt werden. Die Lebenserwartung ist nicht verändert.

Es gibt eine weltweit anerkannte Einteilung des Rett-Syndroms in vier Stadien nach Hagberg und Witt-Engerström:

5.1 Stadium 1: Verlangsamungsstadium (6.-18. Lebensmonat)

Die motorische Entwicklung verlangsamt sich und kommt irgendwann komplett zum Erliegen. Das autistische Verhalten äußert sich in einem Desinteresse an der Umwelt, seltenerem Blickkontakt, und einer Abnahme der Aktivitäten. Der Kopfumfang wächst langsamer als bei gleichaltrigen Kindern.

5.2 Stadium 2: schnelles Destruktiv-Stadium (1-4. Lebensjahr)

In diesem Stadium kommt es nun zu der bereits beschriebenen Regression in der Entwicklung. Das bedeutet, dass bereits erlernte Fähigkeiten wieder vergessen werden. Besonders betrifft dies die Sprache und den Gebrauch der Hände. Hier treten nun erstmalig die sogenannten "washing movements" auf. Das Sozialverhalten der Kinder nimmt stark ab; sie isolieren sich. Es kann zu plötzlich einsetzenden Schreiphasen kommen.

5.3 3. Stadium: Plateau- oder pseudostationäre Phase (2.–10. Lebensjahr)

Die dritte Phase ist gekennzeichnet durch ein Abklingen der Symptomatik. Die autistischen Verhaltensweisen treten in den Hintergrund und die Sozialkompetenz der Kinder verbessert sich leicht. Epileptische Anfälle, Apraxien und Stereotypien treten jedoch weiterhin auf bzw. können sich sogar leicht verstärken. Auffällig wird ein unsicheres Gehen.

5.4 4. Stadium: spätes motorisches Verschlechterungsstadium (ca. ab dem 10. Lebensjahr)

In dem letzten Stadium verbessert sich das Sozialverhalten der Mädchen weiter; sie werden kontaktfreudiger. Es kommt seltener zu Anfällen und es zeigen sich kognitive Fortschritte. Entgegengesetzt verhält es sich mit der Grobmotorik. Diese verschlechtert sich so rapide und stark, dass ein Großteil der Patientinnen an den Rollstuhl gefesselt sind.

6 Therapie

Zur Zeit (2011) ist keine Therapie des Rett-Syndroms bekannt. Mit verschiedenen Therapieformen, wie Musiktherapie, Hippotherapie, Ergotherapie oder Physiotherapie können jedoch eine Verbesserung der Lebensqualität sowie eine positive Beeinflussung des Krankheitsverlaufes erreicht werden.

#1 Korrekt. Die Formulierung war nicht ganz sauber. Fixed.
#4 am 01.02.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Soweit nachvollziehbar, handelt es sich tatsächlich um die Prävalenz. Die Inzidenz dürfte deutlich kleiner sein.
#3 am 01.02.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
Außerdem ist mir gerade aufgefallen, dass das Verhältnis von 1:10000 - 1:15000 wohl eher die Inzidenz als die Prävealenz ist.
#2 am 25.02.2015 von Gast (Student/in der Humanmedizin)
Gast
"Durch die X-chromosomale Vererbung sind nur weibliche Nachfahren betroffen, da männliche Nachfahren das X-Chromosom der Mutter erhalten. 5 Symptome" ...das stimmt meines Wissens nach so leider nicht. Wie schon beschrieben handelt es sich im Großteil der Fälle um eine de novo Mutation. Von welchem Elternteil die ausgeht ist vollkommen gleichgültig. Viel eher sind keine bis seltens männliche Nachkommen betroffen, da bei ihnen die Krankheit so stark ausfällt, das die meisten vorgeburtlich versterben, bzw. gar nicht erst zur Welt kommen. LG
#1 am 25.02.2015 von Gast (Student/in der Humanmedizin)

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