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Psoroptes: Unterschied zwischen den Versionen

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==Definition==
 
==Definition==
Als '''Psoroptes''' bezeichnet man eine Gattung der [[Milbe]]n (Acari) innerhalb der [[Ordnung]] [[Sarcoptiformes]]. Sie sind die [[Erreger]] der [[Räude (Veterinärmedizin)|Räude]] bei verschiedenen [[Haussäugetier]]en.
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'''Psoroptes''' ist eine Gattung der [[Milbe]]n (Acari) innerhalb der [[Ordnung]] [[Sarcoptiformes]]. Sie sind die [[Erreger]] der [[Räude (Veterinärmedizin)|Räude]] bei verschiedenen [[Haussäugetier]]en.
  
 
==Taxonomie==
 
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==Morphologie==
 
==Morphologie==
Psoroptes-Milben sind zwischen 560 und 820 [[Mikrometer|µm]] ([[Weibchen]]) bzw. 380 und 570 µm lang und deutlich größer als Milben aus den Gattungen [[Sarcoptes]] und [[Chorioptes]]. Die Milben besitzen ein längliches und spitzes [[Gnathosoma]] sowie lange Beine mit langen, 3-gliedrigen Prätarsen (Haftstiel, abgesonderte Struktur am letzten Tarsenglied) und trompetenförmigen Haftglocken. Beim Weibchen fehlen die Prätarsi am 3. und beim Männchen am kurzen 4. Beinpaar.
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Psoroptes-Milben sind zwischen 560 und 820 [[Mikrometer|µm]] ([[Weibchen]]) bzw. 380 und 570 µm ([[Männchen]]) lang und deutlich größer als Milben aus den Gattungen [[Sarcoptes]] und [[Chorioptes]]. Die Milben besitzen ein längliches und spitzes [[Gnathosoma]] sowie lange Beine mit langen, 3-gliedrigen Prätarsen (Haftstiel, abgesonderte Struktur am letzten Tarsenglied) und trompetenförmigen Haftglocken. Beim Weibchen fehlen die Prätarsi am 3. und beim Männchen am kurzen 4. Beinpaar.
  
 
<dcportalpicture url="https://www.doccheck.com/de/detail/photos/39424-psoroptes-sp-1-2" showtitle="true" width="580" title="Psoroptes sp." />
 
<dcportalpicture url="https://www.doccheck.com/de/detail/photos/39424-psoroptes-sp-1-2" showtitle="true" width="580" title="Psoroptes sp." />
  
 
==Arten==
 
==Arten==
Die Gattung Psoroptes besteht aus mehreren Arten, wobei die hohe Variabilität der [[Morphologie|morphologischen]] Merkmale sowie die sehr geringen [[genetisch]]en Unterschiede untereinander nur für eine bzw. zwei Arten sprechen:
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Die Gattung Psoroptes besteht aus mehreren Arten. Da die hohe Variabilität der [[Morphologie|morphologischen]] Merkmale sowie die sehr geringen [[genetisch]]en Unterschiede untereinander nur für eine bzw. zwei Arten sprechen, unterscheidet man zwischen:
 
* [[Psoroptes ovis]]
 
* [[Psoroptes ovis]]
 
* [[Psoroptes natalensis]]
 
* [[Psoroptes natalensis]]
 
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Verschiedene Autoren beschreiben darüber hinaus [[Psoroptes cuniculi]] als gesonderte Art.
Verschiedene Autoren beschreiben [[Psoroptes cuniculi]] ebenso noch als gesonderte Art.
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==Entwicklung==
 
==Entwicklung==
Die weiblichen Milben leben im Durchschnitt etwa 2 Wochen (zwischen 11 und 42 Tage) und legen in dieser Zeit zwischen 30 und 80 große und ovale [[Eizelle|Eier]] (ca. 250 µm lang). Aus den Eiern schlüpfen nach maximal 10 Tagen die [[Larve]]n, die sich nach einer [[Häutung]] und zwei [[Nymphe]]nstadien ([[Protonymphe|Proto-]] und [[Tritonymphe]]) zu den [[Adult]]i weiter entwickeln. Der gesamte Entwicklungszyklus einer Generation dauert ca. 3 Wochen.
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Die weiblichen Milben leben im Durchschnitt etwa 2 Wochen (zwischen 11 und 42 Tagen) und legen in dieser Zeit zwischen 30 und 80 große und ovale [[Eizelle|Eier]], die etwa 250 µm lang sind. Aus den Eiern schlüpfen nach maximal 10 Tagen die [[Larve]]n, die sich nach einer [[Häutung]] und zwei [[Nymphe]]nstadien ([[Protonymphe|Proto-]] und [[Tritonymphe]]) zu den [[Adult]]i weiter entwickeln. Der gesamte Entwicklungszyklus einer Generation dauert ca. 3 Wochen.
  
Die Milbenpopulation verdoppelt sich etwa im Wochenrythmus, wobei alle Stadien [[Nahrung]] aufnehmen. Dazu stechen sie mit ihren Mundwerkzeugen die [[Epidermis]] an, um [[Gewebe|Gewebsflüssigkeit]] sowie gelegentlich auch [[Blut]] zu saugen. Die [[Parasit]]en sind auch in der Lage das [[Exsudat]] auch ohne den Stechakt aufzunehmen.
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Die Milbenpopulation verdoppelt sich etwa im Wochenrhythmus, wobei alle Stadien [[Nahrung]] aufnehmen. Dazu stechen sie mit ihren Mundwerkzeugen die [[Epidermis]] an, um [[Gewebe|Gewebsflüssigkeit]] sowie gelegentlich auch [[Blut]] zu saugen. Die [[Parasit]]en sind auch in der Lage, das [[Exsudat]] auch ohne den Stechakt aufzunehmen.
  
Die einzelnen Milben (abhängig von den Arten und des infestierten [[Wirt]]es) bevorzugen für ihren Saugakt unterschiedliche Körperstellen: entweder sie parasitieren an der Innenseite der [[Ohr (Veterinärmedizin)|Ohrmuschel]] sowie des [[Äußerer Gehörgang (Veternärmedizin)|äußerer Gehörgangs]] (bei [[Kaninchen]], [[Ziege]]n und [[Pferd]]en) oder sie befallen unterschiedliche Abschnitte des Rumpfes.
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Die einzelnen Milben bevorzugen für ihren Saugakt unterschiedliche Körperstellen: entweder sie parasitieren an der Innenseite der [[Ohr (Veterinärmedizin)|Ohrmuschel]] sowie des [[Äußerer Gehörgang (Veterinärmedizin)|äußerer Gehörgangs]] (bei [[Kaninchen]], [[Ziege]]n und [[Pferd]]en) oder sie befallen unterschiedliche Abschnitte des Rumpfes.
  
 
==Vorkommen==
 
==Vorkommen==
Psoroptes-Milben infestieren [[Wiederkäuer]], [[Equidae|Equiden]] und [[Kaninchen]] und sind weltweit verbreitet. Bei [[Rind]]ern tritt die Psoroptes-Räude hauptsächlich in Mastbeständen auf. Die Psoroptes-Räude der [[Schaf]]e gilt in vielen Ländern als getilgt (z.B. Australien, Neuseeland, USA, Kanada), kommt jedoch in vielen Ländern Europas, Asiens und Afrikas sowie in Lateinamerika noch immer häufig vor. Psoroptes-Milben verursachen bei [[Ziege]]n eine Ohrräude, die weltweit auftritt. In Mitteleuropa tritt zudem noch häufig die Psoroptes-Räude bei Kaninchen auf.
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Psoroptes-Milben infestieren [[Wiederkäuer]], [[Equidae|Equiden]] und [[Kaninchen]] und sind weltweit verbreitet. Bei [[Rind]]ern tritt die Psoroptes-Räude hauptsächlich in Mastbeständen auf. Die Psoroptes-Räude der [[Schaf]]e gilt in vielen Ländern als getilgt (z.B. Australien, Neuseeland, USA, Kanada), kommt jedoch in vielen Ländern Europas, Asiens und Afrikas sowie in Lateinamerika noch immer häufig vor. Psoroptes-Milben verursachen bei [[Ziege]]n eine Ohrräude, die weltweit auftritt. In Mitteleuropa kommt zudem häufig noch die Psoroptes-Räude der Kaninchen vor.
  
 
==Epidemiologie==
 
==Epidemiologie==
Psoroptes-Milben können abseits vom Wirt noch etwa 2 bis 3 Wochen lang überleben und infektiös bleiben. Eine Übertragung der Milben erfolgt hauptsächlich durch direkte Kontakt der [[Tier]]e untereinander, wobei die Erreger auch aus einer [[Kontamination|kontaminierten]] Umgebung oder Gegenständen auf die Tiere übergehen können (z.B. Stallungen, Fahrzeuge, Bürsten, u.ä.). Zu den häufigsten Ansteckungsquellen zählen [[inapparent]] infestierte Tiere aus dem eigenen oder aus einem fremden Bestand, die dann durch Zukauf in eine gesunde Herde eingebracht werden. Die Milben können dabei in Rückzugsgebieten (z.B. am Ohrgrund oder in der Infraorbital- oder Interdigitalgegend) mindestens ein Jahr lang überleben.
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Psoroptes-Milben können abseits vom Wirt noch etwa 2 bis 3 Wochen lang überleben und infektiös bleiben. Eine Übertragung der Milben erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt der [[Tier]]e untereinander, wobei die Erreger auch aus einer [[Kontamination|kontaminierten]] Umgebung oder von Gegenständen auf die Wirte übergehen können (z.B. Stallungen, Fahrzeuge, Bürsten, u.ä.). Zu den häufigsten Ansteckungsquellen zählen [[inapparent]] infestierte Tiere aus dem eigenen oder aus einem fremden Bestand, die dann durch Zukauf in eine gesunde Herde eingebracht werden. Die Milben können dabei in Rückzugsgebieten (z.B. am Ohrgrund oder in der Infraorbital- oder Interdigitalgegend) mindestens ein Jahr lang überleben.
  
Bei einem Befall einer Schafherde kann es binnen kurzer Zeit zu einer epidemischen Ausbreitung der Psoroptes-Milbe kommen. Ausbrüche sind zu jeder Jahreszeit möglich, treten jedoch gehäuft im Winter während der Schafwanderung oder im Winter während der Stallhaltung auf. Da Psoroptes ovis äußerst [[Wirtsspezifität|wirtsspezifisch]] ist, findet unter natürlichen Haltungsbedingungen nur selten bis gar keine Übertragung zwischen Schafen und Rindern statt. Ein Übertritt der Milben zwischen Schafen und Ziegen wurde ebenso nicht beobachtet, wohl aber zwischen Kaninchen und Ziegen.
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Bei einem Befall einer Schafherde kann es binnen kurzer Zeit zu einer epidemischen Ausbreitung der Psoroptes-Milbe kommen. Ausbrüche sind zu jeder Jahreszeit möglich, treten jedoch gehäuft im Herbst während der Schafwanderung oder im Winter während der Stallhaltung auf. Da Psoroptes ovis äußerst [[Wirtsspezifität|wirtsspezifisch]] ist, findet unter natürlichen Haltungsbedingungen selten bis gar keine Übertragung zwischen Schafen und Rindern statt. Ein Übertritt der Milben zwischen Schafen und Ziegen wurde ebenso nicht beobachtet, wohl aber zwischen Kaninchen und Ziegen.
  
 
Die Psoroptes-Räude der Rinder tritt regional verschieden auf. In Mitteleuropa wird die [[Parasitose]] vor allem durch den Tierhandel weit verbreitet. Ausbrüche sind besonders in den Wintermonaten bei Mastbullen im Stall zu beobachten. Milchbetriebe sind seltener betroffen.
 
Die Psoroptes-Räude der Rinder tritt regional verschieden auf. In Mitteleuropa wird die [[Parasitose]] vor allem durch den Tierhandel weit verbreitet. Ausbrüche sind besonders in den Wintermonaten bei Mastbullen im Stall zu beobachten. Milchbetriebe sind seltener betroffen.
  
 
==Immunologie==
 
==Immunologie==
Psoroptes-Milben verursachen beim Rind sowie anderen befallenen Tieren initial eine oberflächliche [[perivaskulär]]e, [[exsudativ]]e [[Dermatitis (Veterinärmedizin)|Dermatitis]]. [[Histologisch]] gleicht diese [[Entzündung]] dem Bild einer [[Allergie|allergischen]] Reaktion: hochgradig [[Ödem|ödematisierte]] [[Haut (Veterinärmedizin)|Haut]] sowie [[Infiltration]]en mit [[Eosinophiler Granulozyt|eosinophilen Granulozyten]], [[Mastzelle]]n und [[Plasmazelle]]n. Es wird angenommen, dass diese Veränderungen auf eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Milbenallergene zurückzuführen ist.
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Psoroptes-Milben verursachen beim Rind sowie anderen befallenen Tieren initial eine oberflächliche [[perivaskulär]]e, [[exsudativ]]e [[Dermatitis (Veterinärmedizin)|Dermatitis]]. [[Histologisch]] gleicht diese [[Entzündung]] dem Bild einer [[Allergie|allergischen]] Reaktion: hochgradig [[Ödem|ödematöse]] [[Haut (Veterinärmedizin)|Haut]] sowie [[Infiltration]]en mit [[Eosinophiler Granulozyt|eosinophilen Granulozyten]], [[Mastzelle]]n und [[Plasmazelle]]n.
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Es wird angenommen, dass diese Veränderungen auf eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Milbenallergene zurückzuführen ist.
  
 
==Klinik==
 
==Klinik==
In der [[Pathogenese]] spielen neben den allergischen Prozessen weitere Faktoren wie z.B. [[bakteriell]]e [[Sekundärinfektion]]en eine erhebliche Rolle. Die Psoroptes-Räude manifestiert sich bei den einzelnen [[Tierart]]en in unterschiedlichen Bildern:
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Die Symptomatik wird neben den allergischen Prozessen durch weitere Faktoren wie z.B. [[bakteriell]]e [[Sekundärinfektion]]en bestimmt. Die Psoroptes-Räude manifestiert sich bei den einzelnen [[Tierart]]en in unterschiedlichen Bildern:
* Schaf: Hautläsionen an den dicht bewollten Körperregionen (Nacken, Schultern, Rücken, Flanken) - zuerst [[Papel]]n, dann [[serös]]es Exsudat mit Bildung trockener, gelblicher Krusten, die von einem entzündeten Rand umgeben sind; Vliesaufhellung, fleckig-flächenhafter Wollausfall und allmähliche Hautverdickung sowie Faltenbildung; starker [[Juckreiz]], [[Unruhe]], ständiges Scheuern, Beißen und Kratzen mit dem [[Hintergliedmaße (Veterinärmedizin)|Hinterbein]] führt zu [[Exkoriation]]en; Gewichtsverlust und auch [[Tod]] möglich.
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* Schaf: Hautläsionen an den dicht bewollten Körperregionen (Nacken, Schultern, Rücken, Flanken). Zuerst treten [[Papel]]n auf, dann [[serös]]es Exsudat mit Bildung trockener, gelblicher Krusten, die von einem entzündeten Rand umgeben sind. Vliesaufhellung, fleckig-flächenhafter Wollausfall und allmähliche Hautverdickung sowie Faltenbildung folgen. Starker [[Juckreiz]], [[Unruhe]], ständiges Scheuern, Beißen und Kratzen mit den [[Hintergliedmaße (Veterinärmedizin)|Hinterbeinen]] führen zu [[Exkoriation]]en und Gewichtsverlust, gelegentlich zum Tod der Tiere.
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* Rind: Anfangs Papeln und Krusten an [[Widerrist]], Nacken, [[Schwanz (Veterinärmedizin)|Schwanzansatz]], Rücken und Flanken mit Tendenz zur Ausbreitung. Die Krusten sowie ausgefallene Haare lassen sich leicht flächenhaft ablösen - darunter befinden sich meist massenhaft Milben, Es bestehen hochgradiger Juckreiz, Unruhe, Scheuern und vermehrtes Lecken. Aufgrund der [[Läsion]]en sind die Tiere geschwächt und verlieren stark an [[Gewicht]]. Sie können bei hochgradigem Befall (> 40 % der Hautoberfläche) verenden.
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* Ziege: Meist Ohrräude auf der Ohrmuschel und am Ohrgrund, selten auf andere Körperregionen ausgebreitet; tritt vor allem bei langhaarigen Ziegenrassen auf (z.B. Angora).
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* Kaninchen: Meist Ohrräude mit teils massiver Krustenbildung (blätterteigähnlich, gelb-bräunlich) im Gehörgang und an der Ohrmuschelinnenseite. Es besteht ein massenhafter Milbenbefall, selten eine Ausbreitung auf die Außenseite des Ohres oder auf das Mittel- und Innenohr.
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* Pferd: Die Läsionen beginnen meist im Langhaarbereich (Mähne, Schwanz), dann breiten sie sich über die Sattellage, Schulter und Kruppe aus. Gelegentlich kommt es auch zur Ohrräude.
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==Diagnose==
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Der Milbennachweis erfolgt mittels [[Lichtmikroskop|lichtmikroskopischer]] Untersuchung von Krusten oder [[Hautgeschabsel (Veterinärmedizin)|Hautgeschabsel]] unter Zuhilfenahme der [[KOH-Methode]]. Bei Schafen und Ziegen kann für die Herdendiagnostik ein [[ELISA]] ([[Antikörper]]nachweis) durchgeführt werden.
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==Meldepflicht==
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In Österreich ist die Psoroptes-Räude der Schafe, Ziegen und Pferde eine [[anzeigepflichtig]]e [[Tierseuche]], die behandlungspflichtig ist. Ein hochgradiger Befall (Einzeltiere oder auch Herden) muss durch [[Keulung]] getilgt werden.
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==Therapie==
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Beim Rind kann ein Psoroptes-Befall mit [[Makrozyklisches Lakton|makrozyklischen Laktonen]] oder [[Pyrethroid]]en im [[Pour-on]]-Verfahren behandelt werden. Die Fußräude der Pferde und Schafe lässt sich durch lokale Waschbehandlungen mit [[Akarizid]]en therapieren. In den meisten Fällen ist eine 2-malige Behandlung im Abstand von 7 bis 10 Tagen notwendig.
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Um eine erneute Infektion zu verhindern, ist eine Stallentwesung mit anschließender Reinigung und [[Desinfektion]] unbedingt notwendig.
  
 
==Literatur==
 
==Literatur==
 
* Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.
 
* Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.
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==Quellen==
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* [https://www.ris.bka.gv.at/GeltendeFassung.wxe?Abfrage=Bundesnormen&Gesetzesnummer=10010172 Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Tierseuchengesetz, Fassung vom 04.06.2019 (abgerufen am 04.06.2019)]
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* [https://www.verbrauchergesundheit.gv.at/tiere/krankheiten/anzeigepflichtig/anzeigepflichtig.html Anzeigepflicht bei Tierkrankheiten und -seuchen, Kommunikationsplattform Verbraucherinnengesundheit (abgerufen am 04.06.2019)]
 
[[Fachgebiet:Parasitologie]]
 
[[Fachgebiet:Parasitologie]]
 
[[Fachgebiet:Veterinärmedizin]]
 
[[Fachgebiet:Veterinärmedizin]]

Aktuelle Version vom 4. Juni 2019, 20:02 Uhr

Synonyme: Saugmilben, Räudemilben

1 Definition

Psoroptes ist eine Gattung der Milben (Acari) innerhalb der Ordnung Sarcoptiformes. Sie sind die Erreger der Räude bei verschiedenen Haussäugetieren.

2 Taxonomie

3 Morphologie

Psoroptes-Milben sind zwischen 560 und 820 µm (Weibchen) bzw. 380 und 570 µm (Männchen) lang und deutlich größer als Milben aus den Gattungen Sarcoptes und Chorioptes. Die Milben besitzen ein längliches und spitzes Gnathosoma sowie lange Beine mit langen, 3-gliedrigen Prätarsen (Haftstiel, abgesonderte Struktur am letzten Tarsenglied) und trompetenförmigen Haftglocken. Beim Weibchen fehlen die Prätarsi am 3. und beim Männchen am kurzen 4. Beinpaar.

4 Arten

Die Gattung Psoroptes besteht aus mehreren Arten. Da die hohe Variabilität der morphologischen Merkmale sowie die sehr geringen genetischen Unterschiede untereinander nur für eine bzw. zwei Arten sprechen, unterscheidet man zwischen:

Verschiedene Autoren beschreiben darüber hinaus Psoroptes cuniculi als gesonderte Art.

5 Entwicklung

Die weiblichen Milben leben im Durchschnitt etwa 2 Wochen (zwischen 11 und 42 Tagen) und legen in dieser Zeit zwischen 30 und 80 große und ovale Eier, die etwa 250 µm lang sind. Aus den Eiern schlüpfen nach maximal 10 Tagen die Larven, die sich nach einer Häutung und zwei Nymphenstadien (Proto- und Tritonymphe) zu den Adulti weiter entwickeln. Der gesamte Entwicklungszyklus einer Generation dauert ca. 3 Wochen.

Die Milbenpopulation verdoppelt sich etwa im Wochenrhythmus, wobei alle Stadien Nahrung aufnehmen. Dazu stechen sie mit ihren Mundwerkzeugen die Epidermis an, um Gewebsflüssigkeit sowie gelegentlich auch Blut zu saugen. Die Parasiten sind auch in der Lage, das Exsudat auch ohne den Stechakt aufzunehmen.

Die einzelnen Milben bevorzugen für ihren Saugakt unterschiedliche Körperstellen: entweder sie parasitieren an der Innenseite der Ohrmuschel sowie des äußerer Gehörgangs (bei Kaninchen, Ziegen und Pferden) oder sie befallen unterschiedliche Abschnitte des Rumpfes.

6 Vorkommen

Psoroptes-Milben infestieren Wiederkäuer, Equiden und Kaninchen und sind weltweit verbreitet. Bei Rindern tritt die Psoroptes-Räude hauptsächlich in Mastbeständen auf. Die Psoroptes-Räude der Schafe gilt in vielen Ländern als getilgt (z.B. Australien, Neuseeland, USA, Kanada), kommt jedoch in vielen Ländern Europas, Asiens und Afrikas sowie in Lateinamerika noch immer häufig vor. Psoroptes-Milben verursachen bei Ziegen eine Ohrräude, die weltweit auftritt. In Mitteleuropa kommt zudem häufig noch die Psoroptes-Räude der Kaninchen vor.

7 Epidemiologie

Psoroptes-Milben können abseits vom Wirt noch etwa 2 bis 3 Wochen lang überleben und infektiös bleiben. Eine Übertragung der Milben erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt der Tiere untereinander, wobei die Erreger auch aus einer kontaminierten Umgebung oder von Gegenständen auf die Wirte übergehen können (z.B. Stallungen, Fahrzeuge, Bürsten, u.ä.). Zu den häufigsten Ansteckungsquellen zählen inapparent infestierte Tiere aus dem eigenen oder aus einem fremden Bestand, die dann durch Zukauf in eine gesunde Herde eingebracht werden. Die Milben können dabei in Rückzugsgebieten (z.B. am Ohrgrund oder in der Infraorbital- oder Interdigitalgegend) mindestens ein Jahr lang überleben.

Bei einem Befall einer Schafherde kann es binnen kurzer Zeit zu einer epidemischen Ausbreitung der Psoroptes-Milbe kommen. Ausbrüche sind zu jeder Jahreszeit möglich, treten jedoch gehäuft im Herbst während der Schafwanderung oder im Winter während der Stallhaltung auf. Da Psoroptes ovis äußerst wirtsspezifisch ist, findet unter natürlichen Haltungsbedingungen selten bis gar keine Übertragung zwischen Schafen und Rindern statt. Ein Übertritt der Milben zwischen Schafen und Ziegen wurde ebenso nicht beobachtet, wohl aber zwischen Kaninchen und Ziegen.

Die Psoroptes-Räude der Rinder tritt regional verschieden auf. In Mitteleuropa wird die Parasitose vor allem durch den Tierhandel weit verbreitet. Ausbrüche sind besonders in den Wintermonaten bei Mastbullen im Stall zu beobachten. Milchbetriebe sind seltener betroffen.

8 Immunologie

Psoroptes-Milben verursachen beim Rind sowie anderen befallenen Tieren initial eine oberflächliche perivaskuläre, exsudative Dermatitis. Histologisch gleicht diese Entzündung dem Bild einer allergischen Reaktion: hochgradig ödematöse Haut sowie Infiltrationen mit eosinophilen Granulozyten, Mastzellen und Plasmazellen.

Es wird angenommen, dass diese Veränderungen auf eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Milbenallergene zurückzuführen ist.

9 Klinik

Die Symptomatik wird neben den allergischen Prozessen durch weitere Faktoren wie z.B. bakterielle Sekundärinfektionen bestimmt. Die Psoroptes-Räude manifestiert sich bei den einzelnen Tierarten in unterschiedlichen Bildern:

  • Schaf: Hautläsionen an den dicht bewollten Körperregionen (Nacken, Schultern, Rücken, Flanken). Zuerst treten Papeln auf, dann seröses Exsudat mit Bildung trockener, gelblicher Krusten, die von einem entzündeten Rand umgeben sind. Vliesaufhellung, fleckig-flächenhafter Wollausfall und allmähliche Hautverdickung sowie Faltenbildung folgen. Starker Juckreiz, Unruhe, ständiges Scheuern, Beißen und Kratzen mit den Hinterbeinen führen zu Exkoriationen und Gewichtsverlust, gelegentlich zum Tod der Tiere.
  • Rind: Anfangs Papeln und Krusten an Widerrist, Nacken, Schwanzansatz, Rücken und Flanken mit Tendenz zur Ausbreitung. Die Krusten sowie ausgefallene Haare lassen sich leicht flächenhaft ablösen - darunter befinden sich meist massenhaft Milben, Es bestehen hochgradiger Juckreiz, Unruhe, Scheuern und vermehrtes Lecken. Aufgrund der Läsionen sind die Tiere geschwächt und verlieren stark an Gewicht. Sie können bei hochgradigem Befall (> 40 % der Hautoberfläche) verenden.
  • Ziege: Meist Ohrräude auf der Ohrmuschel und am Ohrgrund, selten auf andere Körperregionen ausgebreitet; tritt vor allem bei langhaarigen Ziegenrassen auf (z.B. Angora).
  • Kaninchen: Meist Ohrräude mit teils massiver Krustenbildung (blätterteigähnlich, gelb-bräunlich) im Gehörgang und an der Ohrmuschelinnenseite. Es besteht ein massenhafter Milbenbefall, selten eine Ausbreitung auf die Außenseite des Ohres oder auf das Mittel- und Innenohr.
  • Pferd: Die Läsionen beginnen meist im Langhaarbereich (Mähne, Schwanz), dann breiten sie sich über die Sattellage, Schulter und Kruppe aus. Gelegentlich kommt es auch zur Ohrräude.

10 Diagnose

Der Milbennachweis erfolgt mittels lichtmikroskopischer Untersuchung von Krusten oder Hautgeschabsel unter Zuhilfenahme der KOH-Methode. Bei Schafen und Ziegen kann für die Herdendiagnostik ein ELISA (Antikörpernachweis) durchgeführt werden.

11 Meldepflicht

In Österreich ist die Psoroptes-Räude der Schafe, Ziegen und Pferde eine anzeigepflichtige Tierseuche, die behandlungspflichtig ist. Ein hochgradiger Befall (Einzeltiere oder auch Herden) muss durch Keulung getilgt werden.

12 Therapie

Beim Rind kann ein Psoroptes-Befall mit makrozyklischen Laktonen oder Pyrethroiden im Pour-on-Verfahren behandelt werden. Die Fußräude der Pferde und Schafe lässt sich durch lokale Waschbehandlungen mit Akariziden therapieren. In den meisten Fällen ist eine 2-malige Behandlung im Abstand von 7 bis 10 Tagen notwendig.

Um eine erneute Infektion zu verhindern, ist eine Stallentwesung mit anschließender Reinigung und Desinfektion unbedingt notwendig.

13 Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

14 Quellen

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Juni 2019 um 19:59 Uhr bearbeitet.

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