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In der [[Pathogenese]] spielen neben den allergischen Prozessen weitere Faktoren wie z.B. [[bakteriell]]e [[Sekundärinfektion]]en eine erhebliche Rolle. Die Psoroptes-Räude manifestiert sich bei den einzelnen [[Tierart]]en in unterschiedlichen Bildern:
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* Schaf: Hautläsionen an den dicht bewollten Körperregionen (Nacken, Schultern, Rücken, Flanken) - zuerst [[Papel]]n, dann [[serös]]es Exsudat mit Bildung trockener, gelblicher Krusten, die von einem entzündeten Rand umgeben sind; Vliesaufhellung, fleckig-flächenhafter Wollausfall und allmähliche Hautverdickung sowie Faltenbildung; starker [[Juckreiz]], [[Unruhe]], ständiges Scheuern, Beißen und Kratzen mit dem [[Hintergliedmaße (Veterinärmedizin)|Hinterbein]] führt zu [[Exkoriation]]en; Gewichtsverlust und auch [[Tod]] möglich.
  
 
==Literatur==
 
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Version vom 4. Juni 2019, 07:43 Uhr

Synonyme: Saugmilben, Räudemilben

1 Definition

Als Psoroptes bezeichnet man eine Gattung der Milben (Acari) innerhalb der Ordnung Sarcoptiformes. Sie sind die Erreger der Räude bei verschiedenen Haussäugetieren.

2 Taxonomie

3 Morphologie

Psoroptes-Milben sind zwischen 560 und 820 µm (Weibchen) bzw. 380 und 570 µm lang und deutlich größer als Milben aus den Gattungen Sarcoptes und Chorioptes. Die Milben besitzen ein längliches und spitzes Gnathosoma sowie lange Beine mit langen, 3-gliedrigen Prätarsen (Haftstiel, abgesonderte Struktur am letzten Tarsenglied) und trompetenförmigen Haftglocken. Beim Weibchen fehlen die Prätarsi am 3. und beim Männchen am kurzen 4. Beinpaar.

4 Arten

Die Gattung Psoroptes besteht aus mehreren Arten, wobei die hohe Variabilität der morphologischen Merkmale sowie die sehr geringen genetischen Unterschiede untereinander nur für eine bzw. zwei Arten sprechen:

Verschiedene Autoren beschreiben Psoroptes cuniculi ebenso noch als gesonderte Art.

5 Entwicklung

Die weiblichen Milben leben im Durchschnitt etwa 2 Wochen (zwischen 11 und 42 Tage) und legen in dieser Zeit zwischen 30 und 80 große und ovale Eier (ca. 250 µm lang). Aus den Eiern schlüpfen nach maximal 10 Tagen die Larven, die sich nach einer Häutung und zwei Nymphenstadien (Proto- und Tritonymphe) zu den Adulti weiter entwickeln. Der gesamte Entwicklungszyklus einer Generation dauert ca. 3 Wochen.

Die Milbenpopulation verdoppelt sich etwa im Wochenrythmus, wobei alle Stadien Nahrung aufnehmen. Dazu stechen sie mit ihren Mundwerkzeugen die Epidermis an, um Gewebsflüssigkeit sowie gelegentlich auch Blut zu saugen. Die Parasiten sind auch in der Lage das Exsudat auch ohne den Stechakt aufzunehmen.

Die einzelnen Milben (abhängig von den Arten und des infestierten Wirtes) bevorzugen für ihren Saugakt unterschiedliche Körperstellen: entweder sie parasitieren an der Innenseite der Ohrmuschel sowie des äußerer Gehörgangs (bei Kaninchen, Ziegen und Pferden) oder sie befallen unterschiedliche Abschnitte des Rumpfes.

6 Vorkommen

Psoroptes-Milben infestieren Wiederkäuer, Equiden und Kaninchen und sind weltweit verbreitet. Bei Rindern tritt die Psoroptes-Räude hauptsächlich in Mastbeständen auf. Die Psoroptes-Räude der Schafe gilt in vielen Ländern als getilgt (z.B. Australien, Neuseeland, USA, Kanada), kommt jedoch in vielen Ländern Europas, Asiens und Afrikas sowie in Lateinamerika noch immer häufig vor. Psoroptes-Milben verursachen bei Ziegen eine Ohrräude, die weltweit auftritt. In Mitteleuropa tritt zudem noch häufig die Psoroptes-Räude bei Kaninchen auf.

7 Epidemiologie

Psoroptes-Milben können abseits vom Wirt noch etwa 2 bis 3 Wochen lang überleben und infektiös bleiben. Eine Übertragung der Milben erfolgt hauptsächlich durch direkte Kontakt der Tiere untereinander, wobei die Erreger auch aus einer kontaminierten Umgebung oder Gegenständen auf die Tiere übergehen können (z.B. Stallungen, Fahrzeuge, Bürsten, u.ä.). Zu den häufigsten Ansteckungsquellen zählen inapparent infestierte Tiere aus dem eigenen oder aus einem fremden Bestand, die dann durch Zukauf in eine gesunde Herde eingebracht werden. Die Milben können dabei in Rückzugsgebieten (z.B. am Ohrgrund oder in der Infraorbital- oder Interdigitalgegend) mindestens ein Jahr lang überleben.

Bei einem Befall einer Schafherde kann es binnen kurzer Zeit zu einer epidemischen Ausbreitung der Psoroptes-Milbe kommen. Ausbrüche sind zu jeder Jahreszeit möglich, treten jedoch gehäuft im Winter während der Schafwanderung oder im Winter während der Stallhaltung auf. Da Psoroptes ovis äußerst wirtsspezifisch ist, findet unter natürlichen Haltungsbedingungen nur selten bis gar keine Übertragung zwischen Schafen und Rindern statt. Ein Übertritt der Milben zwischen Schafen und Ziegen wurde ebenso nicht beobachtet, wohl aber zwischen Kaninchen und Ziegen.

Die Psoroptes-Räude der Rinder tritt regional verschieden auf. In Mitteleuropa wird die Parasitose vor allem durch den Tierhandel weit verbreitet. Ausbrüche sind besonders in den Wintermonaten bei Mastbullen im Stall zu beobachten. Milchbetriebe sind seltener betroffen.

8 Immunologie

Psoroptes-Milben verursachen beim Rind sowie anderen befallenen Tieren initial eine oberflächliche perivaskuläre, exsudative Dermatitis. Histologisch gleicht diese Entzündung dem Bild einer allergischen Reaktion: hochgradig ödematisierte Haut sowie Infiltrationen mit eosinophilen Granulozyten, Mastzellen und Plasmazellen. Es wird angenommen, dass diese Veränderungen auf eine Überempfindlichkeitsreaktion gegen Milbenallergene zurückzuführen ist.

9 Klinik

In der Pathogenese spielen neben den allergischen Prozessen weitere Faktoren wie z.B. bakterielle Sekundärinfektionen eine erhebliche Rolle. Die Psoroptes-Räude manifestiert sich bei den einzelnen Tierarten in unterschiedlichen Bildern:

  • Schaf: Hautläsionen an den dicht bewollten Körperregionen (Nacken, Schultern, Rücken, Flanken) - zuerst Papeln, dann seröses Exsudat mit Bildung trockener, gelblicher Krusten, die von einem entzündeten Rand umgeben sind; Vliesaufhellung, fleckig-flächenhafter Wollausfall und allmähliche Hautverdickung sowie Faltenbildung; starker Juckreiz, Unruhe, ständiges Scheuern, Beißen und Kratzen mit dem Hinterbein führt zu Exkoriationen; Gewichtsverlust und auch Tod möglich.

10 Literatur

  • Eckert, Johannes, Friedhoff, Karl Theodor, Zahner, Horst, Deplazes, Peter. Lehrbuch der Parasitologie für die Tiermedizin. 2., vollständig überarbeitete Auflage. Enke-Verlag, 2008.

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Juni 2019 um 20:02 Uhr bearbeitet.

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