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Prolaktin

Version vom 22. Oktober 2019, 19:57 Uhr von Bijan Fink (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Prolactin, PRL
Englisch: prolactin

1 Definition

Prolaktin, kurz PRL, ist ein einkettiges Proteohormon, das in den laktotropen Zellen des Hypophysenvorderlappens (HVL) synthetisiert wird.

2 Biochemie

Humanes Prolaktin ist ein einkettiges Proteohormon, das aus 198 Aminosäuren besteht. Es weist ein Molekulargewicht von rund 23.000 Dalton auf. Seine chemische Struktur ähnelt der des Somatotropins (STH) und des Plazentalaktogens (hPL). Die Aminosäurekette bildet drei Disulfidbrücken aus, welche die Tertiärstruktur des Proteins bestimmen.

3 Physiologie

3.1 Synthese

Prolaktin wird von den laktotropen Zellen des Hypophysenvorderlappen (HVL) bereits ab der achten Schwangerschaftswoche synthetisiert.

Während der Schwangerschaft und in den ersten Monaten der Stillzeit kommt es zu einer östrogeninduzierten Hyperplasie der laktotropen Zellen.

3.2 Sekretion

Die Freisetzung von Prolaktin erfolgt pulsatil, wobei das Maximum während des REM-Schlafs auftritt. Die höchsten Serumspiegel finden sich zwischen 4 und 6 Uhr morgens. Die Plasmahalbwertszeit beträgt ca. 50 Minuten.

Die Sekretion von Prolaktin wird hauptsächlich durch Dopamin aus dem Hypothalamus gehemmt, welches an D2-Rezeptoren bindet.

TRH aus dem Hypothalamus führt nach intravenöser Injektion zur Freisetzung von Prolaktin. Die physiologische Bedeutung ist jedoch aktuell (2019) unklar. Weiterhin induziert VIP (vasoaktives intestinales Peptid) eine Prolaktinsekretion, während diese durch Glukokortikoide und Schilddrüsenhormone gehemmt wird.

Des Weiteren steigen die Prolaktinspiegel nach körperlicher Anstrengung, Mahlzeiten, Geschlechtsverkehr, kleinen chirurgischen Eingriffen, Vollnarkose, akutem Myokardinfarkt und anderen akuten Stresssituationen. Während der Schwangerschaft steigen die Prolaktinwerte stark an, um innerhalb von 2 Wochen nach Entbindung wieder abzusinken. Beim Stillen bleiben die basalen Spiegel zunächst erhöht, wobei der Saugreiz zu einer weiteren reflektorischen Erhöhung für ca. 45 Minuten führt Milchbildungsreflex. Im Verlauf der Stillzeit nehmen sowohl die basalen Spiegel als auch die reflektorisch vermittelten Reaktionen ab.

3.3 Wirkmechanismus

Prolaktin ist neben Somatotropin das zweite Hormon der Adenohypophyse, das keine glandotrope Wirkung hat, d.h. es wirkt direkt auf das Zielgewebe, ohne Hormondrüsen der Peripherie anzusprechen.

Nach Bindung von Prolaktin an den Prolaktinrezeptor, der zur Familie der Typ-I-Zytokinrezeptoren gehört, kommt es zur Dimerisierung und Aktivierung einer intrazellulären Signalkaskade. Diese umfasst u.a. Komponenten des JAK-STAT-Signalwegs, die im Zellkern als Transkriptionsfaktoren wirken.

Die Hauptwirkung von Prolaktin besteht in der Induktion und dem Erhalt der Milchproduktion der Brustdrüse (Laktation). Weiterhin vermindert es die Libido und die Reproduktionsfunktion (Hemmung der GnRH- und Gonadotropin-Sekretion sowie Verminderung der Steroidsynthese). In den Ovarien blockiert es die Follikelentstehung und hemmt die Aromataseaktivität in den Granulosazellen, sodass es zu niedrigen Östrogenspiegeln und einem Ausfall der Ovulation kommt. Prolaktin hat außerdem einen luteolytischen Effekt, d.h. es erzeugt eine verkürzte oder inadäquate luteale Phase des Menstruationszyklus. Dies alles führt dazu, dass die Stillzeit nicht durch eine Schwangerschaft unterbrochen wird (Laktationsamenorrhoe).

Bei Männern führt Prolaktin zu einer verminderten LH-Sekretion mit niedrigeren Testosteronspiegeln und verminderter Spermatogenese. Die genaue physiologische Funktion von Prolaktin beim Mann ist noch (2019) nicht abschließend erforscht, scheint jedoch gering zu sein.

Da Prolaktin nach dem geschlechtlichen Orgasmus ausgeschüttet wird, scheint es zudem für die postkoitale Müdigkeit verantwortlich zu sein.

4 Referenzwerte

Der Normbereich der Prolaktinkonzentration im Blut liegt zwischen 2 und 25 μg/l:

  • Männer: 3,0-14,7 μg/l
  • Frauen: 3,8-23,2 μg/l

Umrechnungsfaktor: μg/l x 24 = mlU/l

Von erhöhten Werten spricht man im Bereich von 25 bis 200 μg/l. Werte über 200 μg/l sind eindeutig pathologisch.

Die Werte sind abhängig von der Bestimmungsmethode. Ausschlaggebend ist der vom Labor angegebene Referenzwert.

5 Pathologie

Einen erhöhten Prolaktinspiegel im Blut nennt man Hyperprolaktinämie. Er kann zu Amenorrhoe und Infertilität führen. Ursachen für eine Hyperprolaktinämie kann ein endokrin-aktiver Tumor des Hypophysenvorderlappens sein, das sog. Prolaktinom.

Häufiger ist eine Hyperprolaktinämie jedoch medikamenteninduziert. Ein typisches Beispiel hierfür ist das hochpotente Neuroleptikum Amisulprid. Dieser Wirkstoff kann zur Galaktorrhoe und bei Männern zu einer Gynäkomastie führen.

Da Dopamin physiologischerweise die Prolaktinsekretion hemmt, spiegeln Dopaminagonisten eine wichtige Rolle bei der Behandlung einer Hyperprolaktinämie.

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