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Posttraumatisches Herzsyndrom

Version vom 17. September 2020, 10:47 Uhr von Bijan Fink (Diskussion | Beiträge)

nach William Dressler (1890 bis 1969), amerikanischer Arzt
Synonyme: Dressler-Syndrom, Dressler-Perikarditis, Postmyokardinfarkt-Syndrom (PMS), PMI-Syndrom, Postkardiotomiesyndrom, postinfarktionelle Perikarditis, Myokardinfarkt-Spätsyndrom, Spätperikarditis
Englisch: post-cardiac injury syndrome (PCIS), Dressler syndrome, postmyocardial infarction syndrome, postpericardiotomy syndrome (PPS)

1 Definition

Das posttraumatische Herzsyndrom, kurz PCIS, ist ein Überbegriff für eine Gruppe entzündlicher perikardialer. Erkrankungen autoimmuner Genese.

2 Ätiologie

Die Ursache des posttraumatischen Herzsyndroms ist zur Zeit (2020) noch nicht vollständig geklärt. Ein auslösender Faktor scheint die Kombination aus geschädigten mesothelialen Perikardzellen und Blut im Herzbeutel zu sein. Es wird angenommen, dass die initiale Verletzung des Myokards Neoantigene freisetzt und zu einer konsekutiven Immunreaktion führt. Immunkomplexe setzen sich am Perikard, an der Pleura und in der Lunge ab und provozieren eine Entzündungsreaktion.

Bekannte Ursachen sind:

  • Myokardnekrose (späte Postmyokardinfarkt-Perikarditis, Dressler-Syndrom)
  • chirurgisches Trauma (Postperikardiotomie-Syndrom)
  • unbfallbedingtes Thoraxtrauma (traumatische Perikarditis)
  • iatrogene Verletzung (Perikarditis nach invasiven kardialen Eingriffen)

3 Klinik

Die Symptome des posttraumatischen Herzsyndroms sind vielgestaltig und ähneln denen einer akuten Perikarditis oder eines Pleuraergusses. Neben allgemeinen Entzündungszeichen wie Fieber können auch eine Perikarditis, Pleuritis und Zeichen einer abakteriellen Pneumonie, gegebenenfalls mit blutigem Sputum, auftreten. Daneben finden sich wiederholte Brustschmerzen (Angina pectoris), die einen Myokardinfarkt imitieren.

Anhaltspunkte, an denen das Symptom erkannt werden kann, können ein schneller und deutlicher Abfall der körperlichen Leistungsfähigkeit sein, einhergehend u.U. mit höherem Puls. Das Auftreten von Fieber ist nicht obligatorisch.

4 Diagnostik

Laborchemisch können sich Zeichen einer Entzündungsreaktion wie Leukozytose, erhöhtes CRP und erhöhte BSG zeigen.

Im EKG treten ggf. Veränderungen wie Niedervoltage oder ST-Hebungen auf, die auf eine Perikarditis hinweisen. Im Röntgenthorax ist in manchen Fällen eine Kardiomegalie nachweisbar, in der Echokardiographie ein Erguss.

4.1 Diagnosekriterien

Die Diagnose eines PCIS kann gestellt werden, wenn mindestens zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Fieber ohne Vorliegen einer anderen Ursache
  • perikarditische oder pleuritische Thoraxschmerzen
  • Perikardreiben oder Pleurareiben
  • Nachweis eines Perikardergusses
  • Pleuraerguss miterhöhtem CRP

5 Therapie

Zur Beschleunigung einer Remission und Verminderung von Rezidiven wird eine antiinflammatorische Therapie empfohlen. Acetylsalicylsäure (ASS) gilt als Therapie der Wahl bei einer Spätperikarditis nach Myokardinfarkt sowie bei Patienten, die bereits eine antithrombozytäre Therapie erhalten. Zusätzlich zu NSAR bzw. ASS kann Colchicin verabreicht werden.

Eine sorgfältige Nachsorge nach einem PCIS ist notwendig, um die Entwicklung einer konstriktiven Perikarditis auszuschließen. Empfohlen wird die körperliche Untersuchung und eine Echokardiographie alle 6-12 Monate.

6 Prävention

Nach einer Herzoperaton kann zur Prävention eines Postperikardiotomie-Syndroms Colchicin für. einen Monat verabreicht werden. Die Dosierung erfolgt gewichtsabhängig:

  • 0,5 mg/d bei Patienten < 70 kgKG
  • 1 mg/d bei Patienten > 70 kgKG

7 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 5. Januar 2022 um 08:59 Uhr bearbeitet.

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