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Porzines Dermatitis-Nephropathie-Syndrom (Schwein)

Version vom 23. September 2019, 19:08 Uhr von Patrick Messner (Diskussion | Beiträge)

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Synonyme: Porzines Dermatitis- und Nephrophatie-Syndrom, PDNS
Englisch: porcine dermatitis and nephrophaty syndrome

1 Definition

Als porzines Dermatitis-Nephropathie-Syndrom, kurz PDNS, bezeichnet man eine durch das porzine Circovirus 2 (PCV-2) verursachte Erkrankung beim Schwein. Das Syndrom gehört zum Krankheitskomplex der PCV-2-induzierten Erkrankungen.

2 Historisches

Das Krankheitsbild des porzinen Dermatitis-Nephropathie-Syndroms wurde erstmals 1993 in Großbritannien beschrieben.[1] Das porzine Circovirus 2 ist seit ca. 1970 molekularbiologisch nachweisbar und kommt sowohl bei erkrankten als auch bei klinisch gesunden Schweinen vor.

3 Erreger

Das porzine Circovirus 2 ist ein an das Schwein adaptiertes Virus aus der Gattung Circovirus innerhalb der Familie der Circoviridae. Das unbehüllte Virus enthält eine einzelsträngige und zirkuläre DNA und ein kleines Genom (1,7 bis 2,3 kb). Das Virus misst nur rund 20 nm und zählt zu den kleinsten im Tierreich bekannten Viren.

4 Epidemiologie

Das porzine Dermatitis-Nephropathie-Syndrom ist weltweit verbreitet und tritt sowohl in PCV-2-freien als auch in PCV-2-positiven Betrieben auf. Die Erkrankung beschränkte sich zuerst nur auf einzelne Länder und tritt nun weltweit auf.

Die Erregerausscheidung erfolgt über alle Körpersekrete sowie -exkrete. Eine Übertragung der Viren ist sowohl horizontal (oronasal, Ejakulat) als auch vertikal (transplazentar) möglich. Eine klinische Erkrankung tritt hauptsächlich bei älteren Schweinen und Mastschweinen auf.

5 Pathogenese

Das porzine Dermatitis-Nephropathie-Syndrom ist eine Immunkomplex-vermittelte Erkrankung, die unter der Beteiligung des porzinen Circovirus 2 entsteht. Das Krankheitsbild ist durch Vaskulititden (Gefäßentzündungen) in der Haut und in den Nieren charakterisiert.[2]

Der genaue Pathomechanismus ist noch unklar (2019). Die Läsionen entstehen aufgrund der Bildung von Immunkomplexen, die im Zuge der Antigen-Antikörper-Reaktion entstehen (IgG, IgM oder IgA sowie Komplementfaktoren). Die im Gefäßsystem bzw. in den Kapillaren der Glomeruli zirkulierenden Immunkomplexe initiieren eine Entzündungsreaktion, die zu den typischen klinischen Erscheinungen einer Erkrankung führen.[1]

Unter experimentellen Bedingungen konnte das klinische Bild des porzinen Dermatitis-Nephropathie-Syndroms mit einer singulären PCV-2-Infektion bislang nicht ausgelöst werden, weshalb die Henle-Koch-Postulate nicht erfüllt sind. Aus diesem Grund kann nur angenommen werden, dass PCV-2 das verursachende Agens, jedoch nicht der alleinige Auslöser der Erkrankung ist und daher als Faktorenkrankheit angesehen werden muss.

6 Klinik

Das porzine Dermatitis-Nephropathie-Syndrom ist v.a. durch Hautveränderungen gekennzeichnet, die besonders in der akuten Erkrankungsphase ausgeprägt sind. Die Hautläsionen können in ihrer Ausprägungsform stark variieren und umfassen sowohl runde als auch irregulär ausgebildete, rot-violette Flecken (Maculae), Papeln und Plaques.

Im weiteren Krankheitsverlauf können sich die flächenhaft konfluierenden Blutungsareale über den gesamten Körper ausbreiten und - aufgrund von sich anlagerndem Schmutz und Staub - gräulich bis schwarz in Erscheinung treten. Die Veränderungen gehen meist vom Perinealbereich, von den Hinterextremitäten und von der Ventralfläche des Thorax aus.[1]

Erkrankte Tiere zeigen neben den typischen Hautveränderungen Anorexie, Fieber, klammer Gang, Gewichtsverlust, Dyspnoe oder Tachypnoe sowie subkutane Ödeme. Die Erkrankung kann entweder selbstlimitierend oder auch perakut mit plötzlichen Todesfällen verlaufen.

7 Differenzialdiagnosen

Differenzialdiagnostisch müssen sämtliche Erkrankungen berücksichtigt werden, die zu Hautveränderungen führen können:

8 Pathologie

In der akuten Krankheitsphase sind beide Nieren geschwollen, blass und von petechialen Blutungen (Nierenrinde) durchzogen. Die Lymphknoten sind vergrößert, am gesamten Körper sind Ödeme ausgebildet und in den Körperhöhlen können größere Mengen an Flüssigkeit aufgefunden werden.

Im histologischen Schnitt zeigt sich v.a. eine generalisierte nekrotisierende Vaskulitis, vorzugsweise in den kleineren und kleinsten Gefäßen. Die Haut weist multiple Blutungen und Nekrosen infolge von Gefäßdefekten auf und die Tiere leiden an einer fibrinös-nekrotisierenden Glomerulitis mit nicht-eitriger interstitieller Nephritis.

9 Diagnose

Neben einer ausführlichen Anamnese kann die klinische Untersuchung erste Hinweise auf eine Verdachtsdiagnose geben. Mithilfe einer Sektion und anschließender pathohistologischer Untersuchung sowie dem direkten Erregernachweis mittels PCR aus Serum (cut-off: 106 Genomequivalente/ml) kann die Diagnose gesichert werden.

10 Therapie

Eine kausale Therapie ist derzeit (2019) nicht möglich. Die Behandlung erfolgt dementsprechend symptomorientiert und zielt darauf ab, geschwächte Tiere durch Infusionslösungen und NSAIDs zu unterstützen.

11 Prophylaxe

Vor der Einführung von Impfregimen wurde der 20-Punkteplan nach Madec als Maßnahmenkatalog zur Vorbeugung von PCV-2-assoziierten Krankheiten entwickelt. Die Prophylaxemaßnahmen definieren im Wesentlichen Hygiene- und Vorsorgemaßnahmen, die auch zur Vermeidung und Vorbeugung anderer Erkrankungen angewendet werden können.

Mittlerweile existieren verschiedene Impfstoffe und Impfpläne, die eine aktive sowie passive Immunisierung der Zuchtsauen, Jungsauen und Ferkel ermöglichen. Ferkel werden meist während des Absetzens (3. Lebenswoche) in Kombination mit einer Impfung gegen Mycoplasma hyopneumoniae gegen PCV-2 geimpft.

12 Literatur

  • Skriptum, Universitätsklinik für Schweine. Veterinärmedizinische Universität Wien. Porzines Circovirus 2 (PCV2). Version 1.
  • Skript Virologie für die Module Tierseuchen, Verdauung, Respiration + Kreislauf, ZNS, Reproduktion. Für Studierende der Veterinärmedizin. Institut für Virologie, Veterinärmedizinische Universität Wien. Stand 1/2017.
  • Waldmann, Karl-Heinz, Wendt, Michael (Hrsg.). Lehrbuch der Schweine-Krankheiten. Begründet von Hans Plonait und Klaus Bickhardt. 3., durchgesehene Auflage. Parey-Verlag, 2001.

13 Quelle

  1. 1,0 1,1 1,2 Richard Drolet et al. Porcine dermatitis and nephropathy syndrome (PDNS): An overview of the disease Swine Health and Production — Volume 7, Number 6, p. 283-285; abgerufen am 23.09.2019
  2. MSD Tiergesundheit. PDNS - Porcines Dermatitis und Nephropathie Syndrom MSD Animal Health; abgerufen am 23.09.2019

Diese Seite wurde zuletzt am 23. September 2019 um 19:08 Uhr bearbeitet.

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