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Physaliatoxin

Version vom 15. Juni 2019, 14:47 Uhr von Mimi Krie (Diskussion | Beiträge)

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1 Definition

Das Physaliatoxin ist ein Glykoproteinkomplex mit neurotoxischer, hämolytischer, zytolytischer Aktivität und zählt zu den Zootoxinen.

2 Vorkommen

Das Gift entstammt der gleichnamigen Physialis[1], auch Portugiesische Galeere, oder Portugese-man-of-war gennant, aus der Klasse der Hydrozoa. Physialis ist praktisch weltweit, vor allem in wärmeren Ozeanen verbreitet. Das Physaliatoxin ist in den Nesselkapseln der bis zu 30 Meter langen Tentakeln (Dactylozooide) enthalten. Die Dichte der Nematozyten ist sehr hoch und hintereinander angeordnet, jedoch können sich die Fangfäden kontrahieren und die Kapseln dadurch in knopfähnlichen Verdickungen konzentrieren.

Zu beachten ist, dass die Nematozyten auch dann noch toxisch bleiben, wenn der Rest des Gewebes bereits ausgetrocknet ist.

3 Pharmakologie

3.1 Aufbau

Der Glykoproteinkomplex besteht aus drei etwa gleich großen Untereinheiten von jeweils etwa 80.000 Dalton Molgewicht[1]. Zudem konnten Enzyme (u.a. Elastase, Endonukleasen, Kollagenasen), eine AMPase und eine unspezifische Aminosäureester-Hydrolase.[2]

Zusätzlich konnten zwei Toxine isoliert werden PpV9.4 und PpV19.3, welche bei Tieren die Zahl der Insulinproduzierenden Betazellen und den intrazellulären Ca2+ Spiegel erhöhen.[3]

3.2 Wirkung

AMPase, Enzyme und Aminosäureester-Hydrolase können mit der nekrotischen Wirkung und Schmerzentwicklung assoziiert werden. Das Physaliatoxin scheint zudem Permeabilitätseigenschaften von Zellmembranen anzugreifen und sie durchlässiger zu machen. Dies resultiert in zytolytischer Wirkung, welche zur Hämolyse führen kann und bei ausreichender Intoxikation auch den Herzmuskel direkt angreift und zu Arrhythmien und Reizleitungsstörungen führt.

Die Entzündungsreaktion wird verstärkt durch eine vollständige Histaminfreisetzung an Mastzellen[4].

4 Therapie

4.1 Erste Hilfe

Betroffene Person muss umgehend aus dem Wasser geborgen werden, da die Gefahr einer Ohnmacht und Ertrinken besteht.

Bei ausgedehnten Verletzungen ist direkt der Notruf zu wählen, da hier akute Lebensgefahr besteht!

Danach ist zu beachten, dass der Verletzte starke Schmerzen hat, weshalb neben einer Ruhestellung auch beruhigend auf ihn eingewirkt werden sollte. Um zu verhindern, dass weitere Kapseln freigesetzt werden, sollte man Kratzen und unnötige Bewegungen verhindern.

Atmung und Kreislauf überwachen, sollte es zum Stillstand der Atmung kommen, umgehend Herzdruckmassage und Beatmung einleiten, bis Rettungsdienst eintrifft.

Ansonsten:

Tentakel müssen vorsichtig entfernt werden um weitere Giftfreisetzung zu verhindern. Kein Essig o. Ä. verwenden, da diese die Entladung der Kapseln nicht verhindern[5]. Salzwasser stimuliert die Freisetzung sogar noch, daher sollte man nur vorsichtig (wenn möglich mit Pinzette) den Tentakel von der Haut zupfen und Sand auf betroffene Stelle streuen, der dann, vollgesogen, wieder abgetragen werden kann.

4.2 Anschließende Behandlung

Empfohlen gegen lokale Schmerzen (Erfolg variabel): Lidocain-haltige Salben/Sprays/Lotionen. [6]

Antihistaminika, Kortikosteroide wirken nicht. Auch Hitze kann die Toxine nicht zerstören, obwohl das Eintauchen in warmes Wasser als schmerzlindernd beschrieben wurde. Langfristige Kühlung ist ungeeignet.

Analgetika (Salicylate, Metamizol), oder in Ausnahmefällen Opiate können bei massiven, außergewöhnlichen Schmerzen verwendet werden. Schocksymptomatik usw. ist klassisch mit Adrenalin zu handhaben.

Bisherige Todesfälle (selten) traten bereits nach sehr kurzer Zeit ein. Lebensbedrohliche Symptomatiken können jedoch auch erst verzögert eintreten, sind dann aber i.d.R. behandelbar. Anschließende Symptomatiken (Mikrothromben, Ödeme, selten Kompartmentsyndrom), die durch eine lokale Durchblutungsstörung verursacht werden können, sind zu beachten und soweit möglich zu behandeln.

5 Quellen

  1. Tamkun, M.M, Hessinger, D.A., Isolation and partialcharacterization of a hemolytic and toxic prtein from the nematocyst venom of the Portuguese-man-of-war, Physialis physialis. Biochem. biophys. Acta 667, 67
  2. Burnett, J.W., Calton, G.J., Sea nettle and man-o'war venoms: A chemical comparison of their sting. J. Invest. Dermat. 52, 372
  3. C.M. Diaz-Garcia, D. Fuentes-Silva, C. Sanchez-Soto, D. Dominguez-Perez, N. Garcia-Delgado, C. Varela, G. Mendoza-Hernandez, A. Rodriguez-Romero, O. Castaneda and M. Hiriart, “Toxins from Physalia physalis (Cnidaria) Raise the Intracellular Ca2+ of Beta-Cells and Promote Insulin Secretion”, Current Medicinal Chemistry (2012) 19: 5414. https://doi.org/10.2174/092986712803833308
  4. Flowers, A.L., Hessinger, D.A., Mast cell histamine release induced by Portuguese man-of-war (Physalia) venom. Biochem. Biophys. Res. Commun. 103, 1083
  5. Fenner, P.J., Williamson, J.A., Burnett, J.W., Rifkin, J., First aid treatment of jellyfish stings in Australia. Response to a newly differentiated species. Med. J. Australia 158, 198
  6. Burnett, J.W., Calton, G.J., Venomous pelagic coelenterates: chemistry, toxicology, immunology and treatment of their stings. Toxicon 25, 581

Diese Seite wurde zuletzt am 15. Juni 2019 um 14:47 Uhr bearbeitet.

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