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Phlebothrombose

Version vom 9. April 2015, 12:23 Uhr von Walid Mazouz (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: tiefe Beinvenenthrombose, TVT
Englisch: phlebothrombosis

1 Definition

Unter dem Begriff Phlebothrombose versteht man einen thrombotischen Verschluss tiefer Venen, die mit der Gefahr einer Lungenembolie oder der Entwicklung einer chronisch venösen Insuffizienz einhergeht.

2 Epidemiologie

Die Phlebothrombose ist ein häufiges Krankheitsbild. Da viele tiefe Thrombosen stumm verlaufen und erst Jahre später diagnostiziert werden, kann über die wahre Häufigkeit nur schwer eine Aussage gemacht werden. Die Unterschenkelregion, meistens links, ist Prädilektionsstelle.

3 Ätiologie und Pathogenese

Wie bei allen Thrombosen ist auch bei der Phlebothrombose die Kombination aus Verlangsamung der Strömungsgeschwindigkeit, Wandveränderungen und Blutgerinnungsstörung (sogenannte Virchow-Trias) entscheidend.

Immobilisierung des Patienten oder Traumatisierung der Vene führt zur Stase, die Gefäßwandschädigung beruht auf Verletzungen, Operationen oder Entzündungen und als Ursache für die Gerinnungsstörung kömmen hämatologische und neoplastische Erkrankungen in Frage. Patienten, die sich einem chirurgischen Eingriff im Bauch- oder Beckenbereich unterziehen mussten, sind in der postoperativen Phase besonders gefährdet, eine Phlebothrombose zu entwickeln. Auch bei Wöchnerinnen ist das Risiko erhöht.

4 Symptomatik

Ziehende Schmerzen und ein Schwere- und Spannungsgefühl im Bereich der Leiste, Kniekehle oder Fußsohle, sind die häufigsten Symptome. Weitere

Typisch sind zumindest bei ausgeprägten Venenthrombosen:

Schwellung und Wärmegefühl am Fußknöchel, am Unterschenkel oder am ganzen Bein mit Spannungsgefühl Gerötete und gespannte Haut, eventuell Blaufärbung Spannungsgefühl und Schmerzen in Fuß, Wade und Kniekehle (Linderung bei Hochlagerung) Überwärmung des geschwollenen Beins

5 Komplikationen

In 10-30% der Fälle führt eine Phlebothrombose nachfolgend zur Lungenembolie, die selten tödlich endet und in 50% der Fälle zum postthrombotischen Syndrom.

6 Sonderform

Die Phlegmasia coerulea dolens ist eine Sonderform der Phlebothrombose, die, durch Störung der Mikrozirkulation, mit einer kompletten Verlegung des venöses Abflußes einer Extremität einhergeht. Die betroffene Extremität ist schmerzhaft zyanotisch, nachfolgend entwickelt sich eine Gangrän, welche unbehandelt zum lebensbedrohlichen Schock führt.

7 Diagnostik

Die Diagnostik anhand der klinischen Untersuchung der Schmerzpunkte (z.B. Homans-Zeichen, Payr-Zeichen, Meyer-Zeichen) ist unzuverlässig.

Zur Beurteilung eines Phlebothrombose-Verdachts der unteren Extremität hat sich in den letzten Jahren der Wells-Score etabliert. Ergänzend erfolgt die Bestimmung des D-Dimers. Ein normales D-Dimer schließt eine Phlebothrombose in der Regel aus, so dass sich weitere Untersuchungen erübrigen. Umgekehrt kann aus einem erhöhten D-Dimer jedoch nicht automatisch auf das Vorliegen einer Phlebothrombose geschlossen werden.

Durch die Duplex-Sonographie oder den Plasmintest mit radioaktivem Technetium, kann die Diagnose gesichert werden. Die Phlebographie kann ebenfalls durchgeführt werden.

8 Differentialdiagnose

9 Therapie

Um ein postthrombotisches Syndrom zu vermeiden, sollte bei frischen Thrombosen im Becken - und Oberschenkelbereich eine frühzeitige Thrombolyse durchgeführt werden.

Anwendung finden dazu die Thrombolytika Streptokinase, Urokinase oder rekombinante Plasminogenaktivatoren (rtPa). Die Behandlung dauert etwa 5 bis 7 Tage, anschliessend erfolgt eine Thromboseprophylaxe mit Heparin oder Azetylsalizylsäure.

Im Becken- und Leistenbereich kann auch eine Thrombektomie in Betracht gezogen werden.

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