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Phelan-McDermid-Syndrom: Unterschied zwischen den Versionen

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== Definition==
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''Synonyme: Monosomie 22q13, Mikrodeletion 22q13.3''
  
Das Phelan-McDermid-Syndrom ist ein seltener genetischer Defekt, welcher schwerwiegende neuromuskuläre Symptome sowie kognitive Entwicklungsstörung zur Folge haben kann.
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==Definition==
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Das '''Phelan-McDermid-Syndrom''' ist eine seltene [[genetisch]]e Erkrankung, die mit  schwerwiegenden [[neuromuskulär]]en Symptomen sowie [[kognitiv]]en [[Entwicklungsstörung]]en einhergeht.
  
== Ätiologie und Prävalenz==
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* [[ICD10]]-Code: Q93.- Monosomien und Deletionen der Autosomen, anderenorts nicht klassifiziert
  
Dem Phelan-McDermid-Syndrom liegt eine genetische Änderung in der Region 22q13 des langen Arms (q) des Chromosoms 22 unter Beteiligung des SHANK3-Gens zugrunde. In den meisten Fällen ist die Ursache auf eine terminale de-novo Deletion „22q13“ zurück zu führen. Allerdings können Translokationen oder ein Ring-Chromosom-22-Syndrom bei bis zu 20% der Betroffenen ebenfalls die Ursache sein.
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==Epidemiologie==
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Die [[Prävalenz]] des Phelan-McDermid-Syndrom ist aktuell (2019) nicht bekannt. Es handelt sich jedoch um eine sehr seltene Erkrankung mit weltweit ca. 1.500 bis 2.500 Fällen. Aufgrund der [[heterogen]]en Symptomatik wird jedoch eine hohe Dunkelziffer vermutet.
  
Die Betroffenen vom Phelan-McDermid-Syndrom werden weltweit auf 1500 bis 2500 geschätzt. Die Dunkelziffer darf aufgrund der unterschiedlichen Symptomatik und Ausprägung jedoch höher sein.
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==Ätiologie==
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Dem Phelan-McDermid-Syndrom liegt eine [[Aberration]] des [[Chromosom 22|Chromosoms 22]] ([[Genlokus|Lokus]] 22q13) unter Beteiligung des [[SHANK3]]-[[Gen]]s zugrunde. Die genetische Grundlage bilden i.d.R. [[de novo]]-[[Deletion]]en, wobei bis zu 20 % der Fälle auf [[Translokation]]en oder [[Ringchromosom]]enbildung basieren.
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Das SHANK3-Gen kodiert für ein [[Strukturprotein]] in [[postsynaptisch]]en Strukturen von [[exzitatorisch]]en [[glutamaterg]]en [[Synapse]]n.  
  
 
== Symptomatik==
 
== Symptomatik==
Die Symptome und deren Schwere kann, je nach Größe der Genänderung, stark variieren.  
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Das Leitsymptom des Phelan-McDermid-Syndroms ist eine ausgeprägte [[Muskelhypotonie]], die i.d.R. bereits bei [[Geburt]] vorliegt ([[Floppy infant]]). Später zeigt sich eine Entwicklungsverzögerung, die insbesondere die [[Sprache]] betrifft. Je nach Deletionsgröße sind weitere Symptome möglich, z.B.:
 
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* [[Autismus-Spektrum-Störung]] (bis zu 70% d.F.)
Die Symptomatik äußert sich durch:
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* [[bipolare Störung]]
* Muskelhypotonie bereits neonatal.
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* [[Epilepsie]] (ca. 40 %)
* Kognitive Entwicklungsverzögerung im Kleinkindalter.  
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* verminderte [[Schmerz]]empfindung ([[Hypalgesie]])
* Verzögerte oder ausbleibende Sprachentwicklung.
+
* verminderte [[Schweiß]]sekretion ([[Hypohidrose]]) mit Gefahr der [[Hyperthermie]]
* Autismus-Spektrum-Störung bei bis zu 70% der Betroffenen.
+
* Entwicklung eines [[Demenz|dementiellen Syndroms]]
* Epilepsie bei etwa 40% der Betroffenen.
+
* [[Schlafstörung]]en
* Erhöhte Schmerztoleranz bzw. verminderte Schmerzempfindung.
+
* [[Arachnoidalzyste]]n (15 %)
* Verminderte Schweißsekretion und erhöhte Gefahr der Überhitzung.
+
* [[Niere]]nfehlbildung (25 %), z.B. [[polyzystische Nierenerkrankung]]
* Gestörter Schlaf.
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* [[Herzfehler]]
* Nierenfehlbildung bei 25% der Betroffenen, wie beispielsweise polyzystische Nierendysplasie.
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* [[Autoimmunhepatitis]]
* Arachnoidalzyten bei 15% der betroffenen.
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* [[Immundefizienz]]
* Gesichts- und Kopfauffälligkeiten: längliche Kopfform (Dolicocephalie), große Ohren, lange Wimpern, angeschwollene Augenlider oder Ptosis und spitzes Kinn.
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* [[kraniofaziale Dysmorphie]]: längliche Kopfform ([[Skaphozephalus]]), [[Ohrmuscheldysplasie]]n, [[Epikanthus]], [[Ptosis]], [[periorbital]]e [[Ödem]]e, verstrichenes [[Philtrum]], betontes Kinn, große Hände, [[Syndaktylie]] der Zehen II und III, [[Nageldysplasie]]n
* Große Hände und dysplastische Zehnägel.
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== Diagnostik==
 
== Diagnostik==
Die Genänderung in der Region 22q13 kann durch DNA-Microarray anhand einer Blutprobe festgestellt werden. Aufgrund der Sprach- und Kommunikationsstörung sowie der erhöhter Schmerztoleranz kann die Diagnose der begleitenden Erkrankungen bzw. Beschwerden erschwert sein.  
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Aufgrund der Sprach- und Kommunikationsstörung sowie der erhöhten Schmerztoleranz gestaltet sich die Diagnose eines Phelan-McDermid-Syndrom schwierig. Bei entsprechendem klinischen Verdacht kann die Diagnose durch den Einsatz von [[Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung]] (FISH) oder [[vergleichende Genomhybridisierung|vergleichender Genomhybridisierung]] (CGH) gesichert werden.
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==Differenzialdiagnosen==
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* [[Prader-Willi-Syndrom]]
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* [[Angelman-Syndrom]]
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* [[Williams-Beuren-Syndrom]]
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* [[Smith-Magenis-Syndrom]]
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* [[Fragiles-X-Syndrom]]
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* [[Sotos-Syndrom]]
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* [[Velokardiofaziales Syndrom]]
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* Autismus-Spektrum-Störung
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==Therapie==
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Für das Phelan-McDermid-Syndrom gibt es zurzeit (2019) keine [[kausal]]e Therapie. Die Behandlung beschränkt sich entsprechend auf die Besserung der Symptome und gestaltet sich [[interdisziplinär]]:
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* [[genetische Beratung]] der Eltern
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* [[psychiatrisch]]e Therapie der autistischen oder bipolaren Störungen
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* [[Logopädie|logopädische Therapie]] zur Verbesserung der Sprachfähigkeiten
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* Behandlung z.B. von renalen Fehlbildungen
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* [[Physiotherapie]]
  
== Therapie==  
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==Literatur==
Für das Phelan-McDermid-Syndrom gibt es Zurzeit keine kausale Therapie. Die Therapie beschränkt sich auf die Besserung der Symptome und wird aufgrund der verschiedenen betroffenen Bereiche interdisziplinär gestaltet:
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* Phelan MC et al. [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/11391650 22q13 deletion syndrome], Am J Med Genet. 2001 Jun 15;101(2):91-9, abgerufen am 04.11.2019
* psychiatrische Therapie für die Autismus-Spektrum-Störung oder mögliche bipolare Störung.
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* Manning MA et al. [https://pediatrics.aappublications.org/content/114/2/451 Terminal 22q Deletion Syndrome: A Newly Recognized Cause of Speech and Language Disability in the Autism Spectrum], Pediatrics August 2004, 114 (2) 451-457, abgerufen am 04.11.2019
* Logopädische Therapie für die verzögerte Sprachentwicklung.
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* Cusmano-Ozog K et al. [https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ajmg.c.30155 22q13.3 deletion syndrome: A recognizable malformation syndrome associated with marked speech and language delay], Am J Med Genet Part C Semin Med Genet 145C:393–398, abgerufen am 04.11.2019
* Anatomische Abnormalitäten im Herz oder in den Nieren müssen diagnostiziert und womöglich chirurgisch behoben werden.  
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* Harony-Nicolas H et al. [https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC5321557/ Phelan McDermid syndrome: from genetic discoveries to animal models and treatments], J Child Neurol. 2015;30(14):1861–1870, abgerufen am 04.11.2019
== Quellen==
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* [https://www.pmsf.org/ Phelan-McDermid-Syndrome Foundation], abgerufen am 04.11.2019
* https://www.pmsf.org/about_pms/
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* [https://rarediseases.org/rare-diseases/phelan-mcdermid-syndrome/ NORD: National Organization for Rare Disorders], abgerufen am 04.11.2019
* https://rarediseases.org/rare-diseases/phelan-mcdermid-syndrome/
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* [https://www.22q13.info/ Phelan-McDermid-Gesellschaft], abgerufen am 04.11.2019
* https://www.22q13.info/was-ist-das-phelan-mcdermid-syndrom/
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[[Fachgebiet:Humangenetik]]
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[[Fachgebiet:Kinderheilkunde]]
 
[[Tag:Autismus-Spektrum-Störung]]
 
[[Tag:Autismus-Spektrum-Störung]]
 
[[Tag:Erbkrankheit]]
 
[[Tag:Erbkrankheit]]
 
[[Tag:Psychatrie]]
 
[[Tag:Psychatrie]]

Aktuelle Version vom 11. November 2019, 11:15 Uhr

Synonyme: Monosomie 22q13, Mikrodeletion 22q13.3

1 Definition

Das Phelan-McDermid-Syndrom ist eine seltene genetische Erkrankung, die mit schwerwiegenden neuromuskulären Symptomen sowie kognitiven Entwicklungsstörungen einhergeht.

  • ICD10-Code: Q93.- Monosomien und Deletionen der Autosomen, anderenorts nicht klassifiziert

2 Epidemiologie

Die Prävalenz des Phelan-McDermid-Syndrom ist aktuell (2019) nicht bekannt. Es handelt sich jedoch um eine sehr seltene Erkrankung mit weltweit ca. 1.500 bis 2.500 Fällen. Aufgrund der heterogenen Symptomatik wird jedoch eine hohe Dunkelziffer vermutet.

3 Ätiologie

Dem Phelan-McDermid-Syndrom liegt eine Aberration des Chromosoms 22 (Lokus 22q13) unter Beteiligung des SHANK3-Gens zugrunde. Die genetische Grundlage bilden i.d.R. de novo-Deletionen, wobei bis zu 20 % der Fälle auf Translokationen oder Ringchromosomenbildung basieren.

Das SHANK3-Gen kodiert für ein Strukturprotein in postsynaptischen Strukturen von exzitatorischen glutamatergen Synapsen.

4 Symptomatik

Das Leitsymptom des Phelan-McDermid-Syndroms ist eine ausgeprägte Muskelhypotonie, die i.d.R. bereits bei Geburt vorliegt (Floppy infant). Später zeigt sich eine Entwicklungsverzögerung, die insbesondere die Sprache betrifft. Je nach Deletionsgröße sind weitere Symptome möglich, z.B.:

5 Diagnostik

Aufgrund der Sprach- und Kommunikationsstörung sowie der erhöhten Schmerztoleranz gestaltet sich die Diagnose eines Phelan-McDermid-Syndrom schwierig. Bei entsprechendem klinischen Verdacht kann die Diagnose durch den Einsatz von Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung (FISH) oder vergleichender Genomhybridisierung (CGH) gesichert werden.

6 Differenzialdiagnosen

7 Therapie

Für das Phelan-McDermid-Syndrom gibt es zurzeit (2019) keine kausale Therapie. Die Behandlung beschränkt sich entsprechend auf die Besserung der Symptome und gestaltet sich interdisziplinär:

8 Literatur

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