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Perchlorat

Version vom 24. November 2020, 18:27 Uhr von Bijan Fink (Diskussion | Beiträge)

1 Definition

Perchlorat ist ein Sammelbegriff für verschiedene chemische Verbindungen, die ein Perchlorat-Anion (ClO4-) enthalten. Sie stellen Salze der Perchlorsäure (HCIO4) dar.

2 Chemie

Perchlorate sind meist farblose, wasserlösliche Feststoffe. Sie enthalten Chlor in seiner höchsten Oxidationsstufe (+7). Zu den wichtigsten Perchloraten zählen:

  • Ammoniumperchlorat (NH4ClO4)
  • Kaliumperchlorat (KClO4)
  • Natriumperchlorat (NaClO4)

3 Vorkommen und Synthese

Perchlorate befinden sich zum Beispiel zu großen Mengen in Staub eingelagert. Dabei handelt es sich um Verbindungen, die durch Redoxreaktionen innerhalb der Atmosphäre entstehen und durch langsames Absinken auf die Erdoberfläche gelangen. Dabei unterscheidet sich der Gehalt an Perchlorat im Staub bzw. Erdboden stark, je nach Klima und Regenhäufigkeit in der Region. In Gegenden mit regelmäßigen Niederschlägen – wie Mitteleuropa – werden die Salze aus dem Boden ausgewaschen, gelangen in den Wasserkreislauf und werden durch Destruenten metabolisiert. In sehr trockenen Gebieten, wie z. B. Wüsten, reichern sich dagegen oft große Mengen an Perchlorat an. Die höchsten Konzentrationen finden sich in der Atacamawüste in Chile vor.

Industriell wird Perchlorate durch Elektrolyse von Chloriden hergestellt.

4 Anwendungen

Perchlorate werden v.a. als Treibmittel für Raketen, Feuerwerkskörpern und Leuchtraketen eingesetzt. Weiterhin verhindert es die statische Aufladung von Lebensmittelverpackungen. Perchlorate werden auch zur notfallmäßige Herstellung von Sauerstoff in der Raumfahrt und in U-booten eingesetzt.

5 Pharmakologie

Perchlorat ist ein kompetitiver Antagonist des Natrium-Jodid-Symporter (NIS) von Schilddrüsenzellen. Es hemmt somit die Iodidaufnahme und die Synthese von Schilddrüsenhormonen.

Oral verabreichtes Natriumperchlorat (Irenat®) ist indiziert zur Prophylaxe und Therapie jodinduzieter Hyperthyreosen, z.B. vor Gabe eines jodhaltigen Röntgenkontrastmittels und zum Schutz der Schilddrüse bei szintigrafischen Untersuchungen anderer Organe mit radioaktivem Iodid. Aufgrund von möglichen Nebenwirkungen (Übelkeit, Erbrechen, Agranulozytose) zählt es als Mittel der zweiten Wahl.

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Dezember 2020 um 19:12 Uhr bearbeitet.

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