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PSA und Radfahren: Unterschied zwischen den Versionen

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Es ist ein weit verbreiteter, aber falscher medizinischer [[Mythos]], dass Radfahren den [[Serumspiegel]] des [[Prostataspezifisches Antigen|Prostataspezifischen Antigens]] (PSA) erhöht.
 
Es ist ein weit verbreiteter, aber falscher medizinischer [[Mythos]], dass Radfahren den [[Serumspiegel]] des [[Prostataspezifisches Antigen|Prostataspezifischen Antigens]] (PSA) erhöht.
  
Diese Theorie zur [[Präanalytik]] des PSA taucht häufig in populärwissenschaftlichen Publikationen, aber auch in Fachartikeln auf <ref>Stieber P, Heinemann V: Sinnvoller Einsatz von Tumormarkern. J Lab Med 2008;32(5):339–360</ref>. Sie ist mehrfach in großen Studien widerlegt worden, unter anderem durch Untersuchungen an der italienischen Radsport-Nationalmannschaft<ref>Lippi G et al: Total and free PSA serum concentrations are not influenced by extensive physical exercise and bicycle riding. Int J Sports Med. 2005 Jan-Feb;26(1):79-81</ref>. Dies ist in der medizinischen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet geblieben. Offensichtlich ist der Mythos viel attraktiver als die Realität - zu schön, um falsch zu sein. Auch die Ansicht, sexuelle Aktivität würde den PSA-Wert erhöhen, ist weit verbreitet.
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Diese Theorie zur [[Präanalytik]] des PSA taucht häufig in populärwissenschaftlichen Publikationen, aber auch in Fachartikeln auf <ref>Stieber P, Heinemann V: Sinnvoller Einsatz von Tumormarkern. J Lab Med 2008; 32(5): 339–360</ref>. Sie ist mehrfach in großen Studien widerlegt worden, unter anderem durch Untersuchungen an der italienischen Radsport-Nationalmannschaft<ref>Lippi G et al: Total and free PSA serum concentrations are not influenced by extensive physical exercise and bicycle riding. Int J Sports Med. 2005 Jan-Feb; 26(1): 79-81</ref>, <ref>Luboldt HJ et al: Bicycle riding has no important effect on total and free prostate specific antigen serum levels in older men. Urology 2003; 61: 1177-1180</ref>. Dies ist in der medizinischen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet geblieben. Offensichtlich ist der Mythos viel attraktiver als die Realität - zu schön, um falsch zu sein. Auch die Ansicht, sexuelle Aktivität würde den PSA-Wert erhöhen, ist weit verbreitet.
  
 
Anatomisch betrachtet sitzt "mann" auf seinen [[Sitzbeinhöcker]]n und nicht auf der [[Prostata]]. Wenn man beim Radfahren Druck auf die Prostata ausüben würde, täten Männer es nicht - oder die Sättel sähen völlig anders aus. Studien zum Thema [[Sex]] und PSA sind nicht so häufig, wahrscheinlich ist es aber so, dass regelmäßiger [[Geschlechtsverkehr]] den PSA-Spiegel im Blut eher senkt, da ein [[Sekret]]stau in der Prostata vermieden wird.
 
Anatomisch betrachtet sitzt "mann" auf seinen [[Sitzbeinhöcker]]n und nicht auf der [[Prostata]]. Wenn man beim Radfahren Druck auf die Prostata ausüben würde, täten Männer es nicht - oder die Sättel sähen völlig anders aus. Studien zum Thema [[Sex]] und PSA sind nicht so häufig, wahrscheinlich ist es aber so, dass regelmäßiger [[Geschlechtsverkehr]] den PSA-Spiegel im Blut eher senkt, da ein [[Sekret]]stau in der Prostata vermieden wird.
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Version vom 23. September 2014, 09:18 Uhr

Dieser Artikel ist keine lexikalische Definition, sondern ein so genannter FlexiEssay. Essays erklären spezielle Fragestellungen in der Medizin. Sie sind im Gegensatz zu anderen Artikeln nur teilweise frei editierbar. Bitte beachten Sie die Hinweise am Seitenende.

1 Text

Es ist ein weit verbreiteter, aber falscher medizinischer Mythos, dass Radfahren den Serumspiegel des Prostataspezifischen Antigens (PSA) erhöht.

Diese Theorie zur Präanalytik des PSA taucht häufig in populärwissenschaftlichen Publikationen, aber auch in Fachartikeln auf [1]. Sie ist mehrfach in großen Studien widerlegt worden, unter anderem durch Untersuchungen an der italienischen Radsport-Nationalmannschaft[2], [3]. Dies ist in der medizinischen Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet geblieben. Offensichtlich ist der Mythos viel attraktiver als die Realität - zu schön, um falsch zu sein. Auch die Ansicht, sexuelle Aktivität würde den PSA-Wert erhöhen, ist weit verbreitet.

Anatomisch betrachtet sitzt "mann" auf seinen Sitzbeinhöckern und nicht auf der Prostata. Wenn man beim Radfahren Druck auf die Prostata ausüben würde, täten Männer es nicht - oder die Sättel sähen völlig anders aus. Studien zum Thema Sex und PSA sind nicht so häufig, wahrscheinlich ist es aber so, dass regelmäßiger Geschlechtsverkehr den PSA-Spiegel im Blut eher senkt, da ein Sekretstau in der Prostata vermieden wird.

Die echten Probleme bei der Verwendung des PSA als Tumormarker sind leider weniger bekannt:

  • ein transurethraler Dauerkatheter führt direkt zur mechanischen Irritation der Prostata; ein Harnverhalt kann durch erhöhten Druck die Prostata reizen und zu erhöhten PSA-Spiegeln führen
  • in Deutschland sind über ein Dutzend PSA-Teste verschiedener Hersteller im Gebrauch, deren Testergebnisse nicht standardisiert und nicht direkt vergleichbar sind. Deshalb kann bei einem Patienten scheinbar ein deutlicher Anstieg des PSA auffallen, wenn er einen anderen Urologen aufsucht oder auch nur wenn das Labor im Laufe der Zeit das Testverfahren wechselt und dies nicht bekannt ist. Solche Verläufe sind mehrfach dokumentiert worden.
  • im Alter wird der PSA-Wert bei allen Männern höher, die Normwerte werden aber in der Regel in "Normalpopulationen", z. B. bei Blutspendern bestimmt, ohne das Alter der Probanden zu berücksichtigen. Welche PSA-Werte bei einem älteren Mann mit "normal vergrößerter" Prostata zu erwarten sind, ist wenig bekannt. Der Kliniker hält sich allgemein an den üblichen Referenzwert von 4 ng/ml.

2 Quellen

  1. Stieber P, Heinemann V: Sinnvoller Einsatz von Tumormarkern. J Lab Med 2008; 32(5): 339–360
  2. Lippi G et al: Total and free PSA serum concentrations are not influenced by extensive physical exercise and bicycle riding. Int J Sports Med. 2005 Jan-Feb; 26(1): 79-81
  3. Luboldt HJ et al: Bicycle riding has no important effect on total and free prostate specific antigen serum levels in older men. Urology 2003; 61: 1177-1180

3 Hinweise

FlexiEssays geben die persönliche Einschätzung des Autors wieder, die nicht notwendigerweise mit der allgemeinen Lehrmeinung kongruent ist.

4 Primärautor

Dieses FlexiEssay stammt von Norbert Ostendorf.

Ja, diese Doktorarbeit muss man aber richtig lesen: das Durchschnittsalter der Probanden war 61, der mittlere PSA-Wert war 7,7 ng/ml und der Anstieg betrug im Mittel 1,9 ng/ml. Übertragen auf einen 45jährigen mit einem PSA von 1,2 ng/ml hätte der dann vielleicht ein PSA von 1,5 ng/ml. Ich sehe das Problem eher darin, dass der 45jährige Patient ein PSA von 5 ng/ml hat und seinem Hausarzt erzählt: ich war am Wochenende Mountainbike-fahren, und dass das dann auf die falsche Schiene gerät. Nebenbei bemerkt glaube ich immer noch nicht, dass der Druck des Sattels eine wesentliche Rolle spielt, ich denke, es ist eher die Aktivität der inneren Beckenmuskeln. Deshalb tritt es auch bei anderen sportlichen Betätigungen auf.
#2 am 27.09.2016 von Dr. med. Norbert Ostendorf (Arzt | Ärztin)

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