Os frontale (Veterinärmedizin)

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Synonym: Stirnbein
Englisch: frontal bone

1 Definition

Das Os frontale oder Stirnbein ist ein paariger Schädelknochen beim Haussäugetier, der zum Hirnschädel (Neurokranium) gezählt wird.

2 Anatomie

Die beidseits ausgebildeten Ossa frontalia stoßen in der Sutura interfrontalis mittig zusammen. Sie erstrecken sich zwischen Hinterhauptbein (Os occipitale) und Nasenbein (Os nasale).

Das Os frontale wird in vier Abschnitte unterteilt:

  • in die Stirnbeinschuppe (Squama frontalis),
  • in die Augenhöhlenplatte (Pars orbitalis),
  • in die Schläfenfläche (Facies temporalis) und
  • in den Nasenabschnitt (Pars nasalis).

Die Ossa frontalia formen mit ihrer Squama frontalis den rostralen Abschnitt des Schädeldaches. Mit ihrer Facies temporalis bzw. Pars orbitalis beteiligen sie sich an der Bildung der Schläfengrube bzw. an der knöchernen Augenhöhle (Orbita).

Die beim Haussäugetier unbedeutende Pars nasalis ragt in den Gesichtsschädel (Viszerokranium) vor. Dabei umgreift sie am Übergang von der Stirn zur Nase das in der Tiefe gelegene Siebbein (Os ethmoidale), das die Schädelhöhle (Cavum cranii) gegen die Nasenhöhle (Cavum nasi) abgrenzt. Der Stirn- und Nasenteil vereinigt sich bei den Haussäugetieren letztendlich zur Squama frontalis.

2.1 Stirnhöhle

Die paarigen Stirnbeine enthalten eine oder mehrere Stirnhöhlen (Sinus frontales). Die Nasennebenhöhlen beider Seiten werden durch das Septum sinuum frontalium voneinander getrennt.

Die Stirnbeinhöhlen sind tierartlich verschieden ausgebildet, sodass sie beim Fleischfresser, Pferd und kleinen Wiederkäuer nur im Os frontale anzutreffen sind. Beim Rind und Schwein hingegen erstrecken sie sich auch in die Ossa parietalia (Scheitelbeine), das Os interparietale (Zwischenscheitelbein), das Os temporale (Schläfenbein) und das Os occipitale.

Da beim Rind die Stirnbeine nach der Geburt weiter nackenwärts wachsen, sind sie eigenständig an der Bildung des Schädeldachs verantwortlich. Dabei drängen sie die kaudal gelegenen Schädelknochen in die Nackengegend und reichen dabei selbst noch in diese Region. Im Bereich der Umbiegung der Ossa frontalia auf die Nackenfläche erhebt sich die zwischen den Hornfortsatz (Processus cornualis) gelegene Protuberantia intercornualis.

2.2 Squama frontalis

Die Squama frontalis schiebt sich beim Wiederkäuer und Schwein weit in das Nasengebiet zwischen Nasen- und Tränenbein (Os lacrimale) vor. Beim Fleischfresser überragt sie dabei (zwischen Nasen- und Oberkieferbein gelegen) die Orbita etwas nach rostral. Beim Pferd hingegen grenzt sie auf Höhe der Orbitamitte breitflächig an das Tränen- und Nasenbein.

Die Stirnbeinschuppe entlässt nach lateral den Jochfortsatz (Processus zygomaticus). Dieser beteiligt sich an der Bildung des oberen Augenhöhlenrandes (Margo supraorbitalis). Beim Wiederkäuer (und Mensch) vereinigt er sich mit dem Stirnfortsatz des Jochbeins (Os zygomaticum) sowie beim Pferd mit dem Jochfortsatz des Schläfenbeins (Os temporale). Beim Fleischfresser und Schwein hingegen erreicht er den Jochbogen nicht. Das hier verlaufende Ligamentum orbitale schließt den oberen Augenhöhlenrand.

Beim Pferd und Wiederkäuer ist an der Orbitalfläche des Jochfortsatzes die Tränendrüsengrube (Fossa glandulae lacrimalis) ausgebildet. Sie enthält die Tränendrüse (Glandula lacrimalis), die beim Fleischfresser und Schwein unter dem Ligamentum orbitale liegt. Im Ursprungsbereich des Processus zygomaticus ist beim Pferd ein Foramen supraorbitale vorhanden. Beim Fleischfresser fehlt dieses Loch, wohingegen beim Schwein und Wiederkäuer das Foramen supraorbitale zur Medianen hin auf dem Schädeldach zum liegen kommt. Beim Rind ist es oftmals doppelt ausgebildet und entlässt nach rostal und kaudal einen Sulcus supraorbitalis. Kleine Wiederkäuer und Schweine besitzen in der Regel nur ein Loch, sodass auch nur die rostrale Rinne ausgebildet ist.

Die Außenfläche des Os frontale zeigt bei der Katze und beim kleinen Wiederkäuer eine leichte Vorwölbung. Bei den restlichen Haussäugetieren ist sie eben und bei manchen Hunderassen sogar zur medianen (seitlich von den Stirnhöckern) flankierten Fossa frontalis eingedellt. Im Grenzbereich zwischen Stirnbeinschuppe und Schläfenfläche erhebt sich die beim Hund, Rind und Pferd kräftig ausgebildete Linea temporalis. Dieser Knochenkamm ist bei der Katze, beim Schwein und beim kleinen Wiederkäuer undeutlich ausgeprägt. Bei langköpfigen Hunden und beim Pferd findet sie scheitelwärts Fortsetzung in der Crista sagittalis externa. Beim Schwein und kleinen Wiederäuer setzt sicht die Linea temporalis des Os frontale in die des Os parietale fort. Beim Rind hingegen verläuft sie auf dem Os frontale nach kaudal.

Gehörnte Wiederkäuer besitzen am Kaudalende der Stirnbeinschuppe den seitlich gelegenen Hornfortsatz. Dieser bildet die knöcherne Grundlage für die Hörner und liegt beim kleinen Wiederkäuer dicht hinter der Orbita, beim Rind jedoch am Hinterende des Schädeldaches.

2.3 Pars orbitalis

Die nach innen gewölbte Pars orbitalis bildet die von der Squama frontalis aus nach unten abgeknickte mediale Augenhöhlenwand. An ihrem unteren freien Rand befindet sich eine Einziehung, die als Incisura sphenoidalis bezeichnet wird und die Flügel des Os praesphenoidale (Ala ossis praesphenoidalis) aufnimmt. Da dem Fleischfresser diese Einziehung fehlt, reicht die Pars orbitalis mit einem Knochenzipfel bis nach distal zwischen die beiden Keilbeinflügel.

An der Grenze zwischen Stirn- und Keilbein befindet sich beim Pferd oberhalb vom Canalis opticus das in die Schädelhöhle ziehende Foramen ethmoidale. Bei den restlichen Haussäugetieren durchbohrt dieser Kanal die Orbitaplatte in der Nähe ihres unteren Randes. Oberhalb des Foramen ethmoidale ist beim Schwein und Wiederkäuer der Canalis supraorbitalis ausgebildet.

Medial der Wurzel des Jochfortsatzes zeigt die Orbitawand eine Eindellung, die dem Rollknorpel des Musculus obliquus dorsalis Platz gewährt und als Fovea trochlearis bezeichnet wird.

2.4 Facies temporalis

Die Facies temporalis ist besonders klein ausgebildet, vor allem beim Wiederkäuer und Schwein. Im Grenzbereich zur Pars orbitalis erhebt sich eine niedrige Leiste, die Orbitotemporalis.

3 Literatur

  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band I: Bewegungsapparat. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004
  • König, Horst Erich, and Hans-Georg Liebich. Anatomie der Haussäugetiere: Lehrbuch und Farbatlas für Studium und Praxis. Schattauer Verlag, 2014.

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