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Nosokomialinfektion: Unterschied zwischen den Versionen

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==Definition==
 
==Definition==
Als '''Nosokomialinfektion''' bezeichnet man jede durch [[Mikroorganismen]] hervorgerufene [[Infektion]], die in kausalem Zusammenhang mit einem [[Krankenhausaufenthalt]] steht, unabhängig davon, ob Symptome bestehen oder nicht. Nosokomiale Erreger sind also Erreger von Krankenhausinfektionen.
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Als '''Nosokomialinfektion''' bezeichnet man jede durch [[Mikroorganismen]] hervorgerufene [[Infektion]], die in zeitlichem Zusammenhang mit einer [[stationär]]en oder [[ambulant]]en medizinischen Maßnahme steht, soweit die Infektion nicht bereits vorher bestand.  
  
Eine große Gefahr, sich mit einem [[Krankenhauserreger]] zu infizieren, besteht für immungeschwächte Patienten (v.a. auch [[immunsupprimiert]]e Patienten). Für ärztliches und pflegerisches Personal sowie für gesunde Besucher stellen die Krankenhauskeime gewöhnlich kein Risiko dar.
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==Häufigkeit==
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In einer Studie aus dem Jahr 2013<ref>Behnke M et al: [http://dx.doi.org/10.3238/arztebl.2013.0627 Nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Anwendung: Zweite nationale Prävalenzstudie in Deutschland]. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(38): 627-33.</ref> waren die 3 häufigsten Nosokomialinfektionen:
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* [[postoperative Wundinfektion]]en: 24,3 %
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* [[Harnwegsinfekt]]ionen: 23,2 %
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* [[nosokomiale Pneumonie]] (HAP): 21,7 %
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==Risikofaktoren==
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Besonders prädisponiert für eine Nosokomialinfektion sind Personen mit
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* hohem Alter
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* langer stationärer Liegedauer
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* [[chronisch]]en Erkrankungen (z.B. [[Diabetes mellitus]])
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* [[Immunsuppression]]
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* [[Fremdkörper]] ([[Katheter]], [[Venenverweilkanüle]]n, [[Endotrachealtubus]])
  
 
==Unterscheidung==
 
==Unterscheidung==
 
Man unterscheidet zwei Typen von nosokomialen Infektionen:
 
Man unterscheidet zwei Typen von nosokomialen Infektionen:
*[[Endogen]]e Infektion: Standortwechsel des Erregers im Patienten selbst (z.B. [[Beatmungspneumonie]], [[Gasbrand]] nach OP)
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*[[Endogen]]e Infektion (70-80 %): Standortwechsel des Erregers im Patienten selbst (z.B. [[Beatmungspneumonie]], [[Gasbrand]] nach OP)
*[[Exogen]]e Infektion: Übertragung des Erregers von außen auf den Patienten, Kreuzinfektion
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*[[Exogen]]e Infektion (20-30 %): Übertragung des Erregers von außen auf den Patienten, Kreuzinfektion
Etwa 70-80% der NI sind endogen, 20-30% exogen.
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==Nosokomiale Erreger==
 
==Nosokomiale Erreger==
Als nosokomiale Krankheitserreger kommen alle Mikroorganismen in Frage, die sich bei 37° C vermehren können. Es sind vor allem [[fakultativ]] [[pathogen]]e Mikroorganismen ([[Opportunist]]en), die in Haut, Nasen-Rachen-Raum und Darm vorkommen (auch bei Keimträgern ohne klinische Symptomatik), oder die sich in der Umgebung halten.
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Nosokomiale Erreger sind häufig [[fakultativ]] [[pathogen]]er Bestandteil der normalen [[bakteriell]]en [[Flora]] von [[Haut]], [[Nasen]]-[[Rachen]]-Raum und [[Darm]], d.h. sie entwickeln ihre [[Pathogenität]] erst bei Vorliegen von Immunschwäche, [[Stress]] oder Standortwechsel (z.B. [[Escherichia coli]] aus der [[Darmflora]] bei nosokomialen [[Pneumonie]]n).  
  
Für etwa 5-10% aller nosokomialen Infektionen sind [[Multiresistenz|multiresistente Erreger]] verantwortlich (Stand 2017).
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Besonders bedeutsam sind [[Multiresistenter Erreger|multiresistente Erreger]] (MRE), die ca. 5-10 % aller nosokomialen Infektionen ausmachen (Stand 2017).
  
 
Zu den wichtigsten nosokomialen Erregern gehören:
 
Zu den wichtigsten nosokomialen Erregern gehören:
 
*[[Bakterien]]
 
*[[Bakterien]]
**Gram-negative Bakterien
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**[[Gramnegativ]]e Bakterien
***Enterobakterien: [[Escherichia coli]], [[Enterobacter]] species, [[Klebsiella]] species, [[Proteus]] species, [[Serratia]] species (z.B. [[Serratia marcescens]])
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***[[Enterobakterien]]: Escherichia coli, [[Enterobacter]] spp., [[Klebsiella]] spp., [[Proteus]] spp., [[Serratia]] spp. (z.B. [[Serratia marcescens]])
***Pseudomonas species: v.a. [[Pseudomonas aeruginosa]]
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***[[Pseudomonas]] spp.: v.a. [[Pseudomonas aeruginosa]]
***Acinetobacter species: v.a. [[Acinetobacter calcoaceticus]] und [[Acinetobacter baumannii]]
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***[[Acinetobacter]] spp.: v.a. [[Acinetobacter calcoaceticus]] und [[Acinetobacter baumannii]]
**Gram-positive Bakterien
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**[[Grampositiv]]e Bakterien
***[[Staphylokokken]]: [[Staphylococcus aureus]], [[Koagulase-negative Staphylokokken]] (z.B. [[Staphylococcus epidermidis]]), [[MRSA]] (Methicillin-resistente Staphylococcus aureus; veränderte Penicillin-bindende Proteine)
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***[[Staphylokokken]]: [[Staphylococcus aureus]] (incl. [[MRSA]]), [[Koagulase-negative Staphylokokken]] (z.B. [[Staphylococcus epidermidis]], [[Staphylococcus haemolyticus]])
 
***[[Streptokokken]]: [[Streptococcus pyogenes]], Streptokokken der Serogruppe A, [[Streptococcus agalactiae]],  Streptokokken der Serogruppe B
 
***[[Streptokokken]]: [[Streptococcus pyogenes]], Streptokokken der Serogruppe A, [[Streptococcus agalactiae]],  Streptokokken der Serogruppe B
 
***[[Enterokokken]]: [[Enterococcus faecalis]] und faecium
 
***[[Enterokokken]]: [[Enterococcus faecalis]] und faecium
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*Alimentäre nosokomiale Infektionen: Verbreitung über Nahrungsmittel
 
*Alimentäre nosokomiale Infektionen: Verbreitung über Nahrungsmittel
 
*Transmissive nosokomiale Infektionen: Übertragung durch tierische Schädlinge
 
*Transmissive nosokomiale Infektionen: Übertragung durch tierische Schädlinge
 
==Häufigkeit==
 
In einer Studie aus dem Jahr 2013<ref>Behnke M et al: [http://dx.doi.org/10.3238/arztebl.2013.0627 Nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Anwendung: Zweite nationale Prävalenzstudie in Deutschland]. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(38): 627-33.</ref> waren die 3 häufigsten Nosokomialinfektionen:
 
* [[postoperative Wundinfektion]]en: 24,3 %
 
* [[Harnwegsinfekt]]ionen: 23,2 %
 
* untere [[Atemwegsinfektion]]en: 21,7 %
 
  
 
==Gegenmaßnahmen==
 
==Gegenmaßnahmen==

Version vom 6. Mai 2020, 11:46 Uhr

von griechisch: νοσοκομιον - Krankenlager
Synonym: nosokomiale Infektion, Hospitalinfektion, Krankenhausinfektion
Abkürzung: NI
Englisch: hospital acquired infection, healthcare associated infection (HAI), nosocomial infection

1 Definition

Als Nosokomialinfektion bezeichnet man jede durch Mikroorganismen hervorgerufene Infektion, die in zeitlichem Zusammenhang mit einer stationären oder ambulanten medizinischen Maßnahme steht, soweit die Infektion nicht bereits vorher bestand.

2 Häufigkeit

In einer Studie aus dem Jahr 2013[1] waren die 3 häufigsten Nosokomialinfektionen:

3 Risikofaktoren

Besonders prädisponiert für eine Nosokomialinfektion sind Personen mit

4 Unterscheidung

Man unterscheidet zwei Typen von nosokomialen Infektionen:

  • Endogene Infektion (70-80 %): Standortwechsel des Erregers im Patienten selbst (z.B. Beatmungspneumonie, Gasbrand nach OP)
  • Exogene Infektion (20-30 %): Übertragung des Erregers von außen auf den Patienten, Kreuzinfektion

5 Nosokomiale Erreger

Nosokomiale Erreger sind häufig fakultativ pathogener Bestandteil der normalen bakteriellen Flora von Haut, Nasen-Rachen-Raum und Darm, d.h. sie entwickeln ihre Pathogenität erst bei Vorliegen von Immunschwäche, Stress oder Standortwechsel (z.B. Escherichia coli aus der Darmflora bei nosokomialen Pneumonien).

Besonders bedeutsam sind multiresistente Erreger (MRE), die ca. 5-10 % aller nosokomialen Infektionen ausmachen (Stand 2017).

Zu den wichtigsten nosokomialen Erregern gehören:

siehe auch: ESKAPE

Bei Infektionen des Personals handelt es sich streng genommen nicht um nosokomiale, d. h. "krankheitsbegleitende" Infektionen, sondern um eine Berufskrankheit.

6 Infektionsquellen

Die häufigste Infektionsquelle sind "belebte Quellen", sprich Personal, andere Patienten, Besucher. Meist werden die Erreger über die Hände übertragen. Nosokomiale Erreger können sich jedoch auch in unbelebten Reservoiren finden. Dazu zählen z.B. Türklinken, Flaschen, Waschbecken, Eiswürfel, Blumen, etc.

7 Infektionswege

Mögliche Infektionswege sind:

  • Kontaktinfektionen: z.B. Händeschütteln
  • Schmierinfektionen
  • Aerogene Infektionen: Verbreitung in der Luft
  • Alimentäre nosokomiale Infektionen: Verbreitung über Nahrungsmittel
  • Transmissive nosokomiale Infektionen: Übertragung durch tierische Schädlinge

8 Gegenmaßnahmen

Die wichtigste Gegenmaßnahme ist eine gute Hygiene, sprich sorgfältige Desinfektion und Sterilisation. Weiterhin können hilfreich sein: baulich-funktionelle Maßnahmen sowie organisatorische Maßnahmen.

9 Quellen

  1. Behnke M et al: Nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Anwendung: Zweite nationale Prävalenzstudie in Deutschland. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(38): 627-33.

Diese Seite wurde zuletzt am 27. Mai 2020 um 12:15 Uhr bearbeitet.

Fixed
#2 am 06.05.2020 von Bijan Fink (Arzt | Ärztin)
Die im Flexikon verwendete Definition von nosokomial ist gefährlich FALSCH! Gemäß Gesetz zur Neuordnung seuchenrechtlicher Vorschriften (SeuchRNeuG) vom 20.07.2000 oder auch dem aktuellen Infektionsschutzgesetz - IfSG ist eine nosokomiale Infektion in der *gesetzlichen* Begriffsbestimmung (§2 von 07/2000) wie folgt definiert: "eine Infektion mit lokalen oder systemischen Infektionszeichen als Reaktion auf das Vorhandensein von Erregern oder ihrer Toxine, die im (neu: zeitlichen) Zusammenhang mit einer stationären **oder einer ambulanten** medizinischen Maßnahme steht, soweit die Infektion nicht bereits vorher bestand," Eine Korrektur des Texts ist im Rahmen der aktuell geplanten Änderung des Infektionsschutzgesetzes besonders wichtig.
#1 am 05.05.2020 von Dr. Martin Roth (Arzt | Ärztin)

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