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Nervenkampfstoff

Version vom 22. März 2016, 15:06 Uhr von Cathrin Braun (Diskussion | Beiträge)

Englisch: nerve agent

1 Definition

Als Nervenkampfstoffe werden Verbindungen bezeichnet, die als chemische Waffen eingesetzt werden und als Nervengifte auf das Nervensystem einwirken.

2 Biochemie

Nervenkampfstoffe wirken als Acetylcholinesterase-Hemmer und inhibieren den enzymatischen Abbau des Neurotransmitters Acetylcholin. In der Folge steigt die Konzentration im synaptischen Spalt parasympathischer und sympathischer Neuronen, was zu einer Dauererregung führt.

Nervenkampfstoffe wirken schon in geringen Mengen toxisch und sind oft leicht flüchtig, so dass die Aufnahme vorwiegend durch Einatmen stattfindet. Ein direkter Kontakt mit der Haut und den Augen ist ebenfalls möglich. Die Substanzen sind meistens farb- und geruchslos.

3 Symptomatik

Kontakt mit Nervenkampfstoffen löst die Symptomatik eines akuten cholinergen Syndroms aus. Dabei kommt es zu Muskelkrämpfen, Miosis, Hypersalivation, unkontrollierbarem Stuhlgang und Wasserlassen. Durch Lähmung der Atemmuskulatur kommt es zum Tod durch Ersticken.

4 Einteilung

Nervenkampfstoffe werden nach ihrer Herstellung in sogenannte Reihen eingeteit. Bei allen Verbindungen handelt es sich im erweiterten Sinn um Phosphorsäureester.

4.1 G-Reihe

Der Name leitet sich von "made in Germany" ab, da die Verbindungen während des Zweiten Weltkrieges von einem deutschen Chemiker entwickelt wurden. Dazu gehören vor allem:

Die Verbindungen werden auch als 1. Generation der Nervenkampfstoffe bezeichnet. Sie sind nicht-persistent und können durch Phosphodiesterasen angebaut werden.

4.2 V-Reihe

Der Name leitet sich von dem Wort "viscous" ab. Die Verbindungen haben eine ölige Konsistenz und sind im Vergleich zur G-Reihe persistent, d.h. sie lassen sich nur schwer abwaschen und werden nicht biologisch oder chemisch abgebaut. Zu den Verbindungen, die auch als 2. Generation bezeichnet werden, gehören u.a.:

4.3 Novichok-Reihe

Als Novichok-Reihe werden Substanzen bezeichnet, die während des Kalten Krieges vor allem in der Sowjetunion entwickelt wurden. Die Substanzen sind nach heutigem Stand nie zum Einsatz gekommen und über die genauen chemischen Strukturen ist wenig bekannt.

5 Verwendung

Nervenkampfstoffe zählen zu den Massenvernichtungswaffen. Unterzeichner der 1997 in Kraft getretenen Chemical Weapons Convention bekennen sich zum Verbot der Entwicklung, der Produktion, dem Erwerb, der Lagerung, der Aufbewahrung, der Übertragung oder der Verwendung von chemischen Waffen. Aktuell haben 192 Staaten die Konvention unterschrieben (Stand 2015).

Diese Seite wurde zuletzt am 25. März 2019 um 02:53 Uhr bearbeitet.

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