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Nahtmaterial

Version vom 20. Mai 2021, 19:55 Uhr von Dr. Frank Antwerpes (Diskussion | Beiträge)

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Synonym: Faden
Englisch: suture material

1 Definition

Nahtmaterial dient in der Chirurgie dem Verschluss von Wunden, sei es als Folge von Unfällen oder im Rahmen chirurgischer Eingriffe, sowie der Ligatur bestimmter Strukturen (beispielsweise Gefäße). Umgangssprachlich wird es auch als Faden bezeichnet.

2 Eigenschaften

Nahtmaterialien werden so produziert, dass sie möglichst optimal auf den Gewebetyp abgestimmt sind, bei dem sie eingesetzt werden.

2.1 Fadenstärke

Unter der Fadenstärke versteht man den Durchmesser, also die Dicke, des Nahtmaterials. Ziel ist es, so wenig Fremdmaterial wie möglich in das Gewebe einzubringen. Aus diesem Grund verwendet man in der Regel den kleinsten Fadendurchmesser, der einen noch ausreichend hohen Halt gewährleistet. Die Fadenstärke wird entweder in USP (United States Pharmacopeia) oder "metric" (European Pharmacopeia) angegeben. 1 metric entspricht einer Dicke von 0,1 mm.

2.2 Elastizität

Die Elastizität oder auch Flexibilität eines Nahtmaterials beeinflusst dessen Handhabung und ergibt sich aus den Materialeigenschaften in Kombination mit dem Durchmesser. Elastisches Nahtmaterial wird beispielsweise für Gefäßligaturen benötigt.

2.3 Plastizität

Die Plastizität beschreibt die Fähigkeit eines Nahtmaterials, bei Krafteinwirkung eine neue Form anzunehmen und diese auch beizubehalten.

2.4 Oberflächenbeschaffenheit

Die Oberfläche des Nahtmaterials bestimmt die Gleiteigenschaften des Fadens und wird durch den Fadenaufbau bestimmt. Je geringer der Widerstand, umso geringer das Gewebetrauma beim Gleiten.

  • Geflochtenes (multifilamentes) Nahtmaterial hat - sofern es nicht beschichtet ist - eine raue Oberfläche und gleitet demnach träger im Gewebe, was eine größere Traumatisierung bedeutet. Im Gegensatz zu glattem Fadenmaterial verfügt es allerdings über einen Saugeffekt und besitzt eine größere Knotensicherheit.
  • Monofiles Nahtmaterial besitzt eine glatte Oberfläche und erzeugt eine höhere Spannung, weshalb es sich besser für eine exakte Apposition der Wundränder eignet. Es besitzt jedoch eine deutlich geringere Knotensicherheit.

2.5 Kapillarität

Je filamentöser ein Nahtmaterial ist, desto größer die Kapillarkräfte, die Flüssigkeit und Mikroorganismen aufsaugen. Geflochtenes Nahtmaterial eignet sich daher nicht für infizierte oder kontaminierte Wunden.

2.6 Zugfestigkeit

Die Zugfestigkeit oder auch Reißfestigkeit legt fest, welche Krafteinwirkung Nahtmaterial aufnehmen kann, ohne zu zerreißen. Geflochtenes Nahtmaterial kann höhere Kräfte tolerieren als monofile Fäden.

2.7 Knotenfestigkeit

Die Knotenfestigkeit beschreibt jene Kraft, die notwendig ist, um einen bereits geknoteten Faden zum Reißen zu bringen.

2.8 Knotensicherheit

Die Knotensicherheit beschreibt die Kraft, die notwendig ist, um einen Knoten zum Abrutschen zu bringen. Einen Einfluss auf die Knotensicherheit haben die Reibungs- und Plastizitätseigenschaften des Fadens.

2.9 Memory-Effekt

Der Memory-Effekt ist eine unerwünschte Eigenschaft, die vor allem synthetischer Nahtmaterialien betrifft. Er beschreibt das Bestreben des Fadens, seine verpackungsbedingten Kurven und Knicke beizubehalten und kann in der Regel durch leichte Dehnung des Nahtmaterials überwunden werden.

3 Einteilung

Nahtmaterial kann nach mehreren Aspekte unterteilt werden, beispielweise in resorbierbares und nicht-resorbierbares Nahtmaterial, in Monofilamente, Polyfilamente und Pseudopolyfilamente, sowie in synthetisches und natürliches Nahtmaterial.

3.1 Resorbierbares Nahtmaterial

Synthetisches Nahtmaterial wird über Hydrolyse resorbiert. Die resorbierbaren Nahtmaterialien werden anhand ihrer Halbwertszeit bzw. Resorptionszeit unterschieden. Sie gibt den Zeitraum an, in dem das Nahtmaterial die Hälfte seiner Reißfestigkeit verliert.

3.2 Nicht-resorbierbares Nahtmaterial

Spezielle Indikationen für den Einsatz nicht-resorbierbaren Nahtmaterials sind v.a. im Bereich der Viszeral- und Thoraxchirurgie gegeben.

4 Anwendung

Der Faden liegt entweder schon verknüpft als verpackte Nadel-Faden-Kombination vor oder wird als separater Faden in eine spezielle Öse einer Nadel eingeführt.

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Dezember 2011 um 23:58 Uhr bearbeitet.

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