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Migrierender motorischer Komplex: Unterschied zwischen den Versionen

 
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'''''Englisch:''' migrating motor complex, migrating myoelectric complex, migratory  motor complex, migratory myoelectric complex''
  
 
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Der '''Migrierende Motorische Komplex''' beschreibt eine Abfolge von Kontraktionen in [[Magen]] und [[Duodenum]], v.a. in der interdigestiven Phase.
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Der '''migrierende motorische Komplex''', kurz '''MMC''', ist ein zyklisches [[Kontraktion]]smuster in [[Magen]] und [[Dünndarm]]. Der MMC tritt im [[Nüchtern]]zustand auf und dient dazu, den Magen zwischen den Mahlzeiten zu leeren und unverdauliche [[Ballaststoff]]e und [[Bakterien]] in den [[Dickdarm]] zu transportieren ("Ausputzerfunktion").
  
==Hintergrund==
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==Physiologie==
Der Komplex hat eine sog. Ausputzerfunktion. Gesteuert durch [[Motilin]], beginnt er ca. 2 Stunden nach einer Mahlzeit mit variierenden Kontraktionen, wodurch u.a. das hörbare "Magenknurren" entsteht.
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Der MMC tritt in der [[interdigestive Phase|interdigestiven Phase]] ungefähr alle 30-120 Minuten auf, wobei eine hohe [[interindividuell|inter-]] und [[intraindividuell]]e Variabilität vorliegt. Er hat seinen Ursprung v.a. in den [[Cajal-Zelle]]n des Magens. Dabei unterscheidet man vier sich zyklisch wiederholende Phasen:
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* Phase 1: Ruhephase (50-60 % der Gesamtzeit)
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* Phase 2: erhöhte Frequenz von [[Aktionspotential]]en und [[Kontraktilität]] (10-20 % der Gesamtzeit)
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* Phase 3 (MMC im engeren Sinne): höchste elektrische und mechanische Aktivität, verantwortlich für das "Magenknurren" (10-20 % der Gesamtzeit)
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* Phase 4: Aktivität kehrt in die Ruhephase zurück
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Der MMC wird durch das [[zentrales Nervensystem|zentrale]] und [[autonomes Nervensystem|autonome Nervensystem]] sowie durch [[Peptid]]e und [[Hormon]]e reguliert. Beim Übergang von der zweiten in die dritte Phase scheint [[Motilin]] aus den [[duodenal]]en [[M-Zelle]]n eine entscheidende Rolle zu spielen. Der Wechsel zwischen digestiver und interdigestiver Phase wird durch den [[Nervus vagus]] und den Energiegehalt der Nahrung beeinflusst.
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==Klinik==
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Eine Beeinträchtigung der MMC (z.B. durch [[Stress]], [[Narkotikum|Narkotika]] oder [[Autoimmunreaktion]] nach [[Infektion]] mit [[Campylobacter jejuni]]) kann zu einer [[SIBO|bakteriellen Überwucherung des Dünndarms]] (SIBO) führen.
 
[[Fachgebiet:Physiologie]]
 
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[[Tag:Cajal-Zelle]]
 
[[Tag:Darmmotilität]]
 
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[[Tag:Peristaltik]]

Aktuelle Version vom 9. Dezember 2020, 13:55 Uhr

Synonyme: Migrierender Motorkomplex, wandernder myoelektrischer Komplex, wandernder motorischer Komplex, myoelektrischer Motorkomplex, MMK, MMC
Englisch: migrating motor complex, migrating myoelectric complex, migratory motor complex, migratory myoelectric complex

1 Definition

Der migrierende motorische Komplex, kurz MMC, ist ein zyklisches Kontraktionsmuster in Magen und Dünndarm. Der MMC tritt im Nüchternzustand auf und dient dazu, den Magen zwischen den Mahlzeiten zu leeren und unverdauliche Ballaststoffe und Bakterien in den Dickdarm zu transportieren ("Ausputzerfunktion").

2 Physiologie

Der MMC tritt in der interdigestiven Phase ungefähr alle 30-120 Minuten auf, wobei eine hohe inter- und intraindividuelle Variabilität vorliegt. Er hat seinen Ursprung v.a. in den Cajal-Zellen des Magens. Dabei unterscheidet man vier sich zyklisch wiederholende Phasen:

  • Phase 1: Ruhephase (50-60 % der Gesamtzeit)
  • Phase 2: erhöhte Frequenz von Aktionspotentialen und Kontraktilität (10-20 % der Gesamtzeit)
  • Phase 3 (MMC im engeren Sinne): höchste elektrische und mechanische Aktivität, verantwortlich für das "Magenknurren" (10-20 % der Gesamtzeit)
  • Phase 4: Aktivität kehrt in die Ruhephase zurück

3 Regulation

Der MMC wird durch das zentrale und autonome Nervensystem sowie durch Peptide und Hormone reguliert. Beim Übergang von der zweiten in die dritte Phase scheint Motilin aus den duodenalen M-Zellen eine entscheidende Rolle zu spielen. Der Wechsel zwischen digestiver und interdigestiver Phase wird durch den Nervus vagus und den Energiegehalt der Nahrung beeinflusst.

4 Klinik

Eine Beeinträchtigung der MMC (z.B. durch Stress, Narkotika oder Autoimmunreaktion nach Infektion mit Campylobacter jejuni) kann zu einer bakteriellen Überwucherung des Dünndarms (SIBO) führen.

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Dezember 2020 um 12:59 Uhr bearbeitet.

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