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Metastase: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Mechanismen der Metastasierung sind noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um einen sehr komplexen Prozess, der durch die Tumorzellen selbst, aber auch durch das [[Immunsystem]] und das umgebende [[Gewebe]] beeinflusst wird.
 
Die Mechanismen der Metastasierung sind noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um einen sehr komplexen Prozess, der durch die Tumorzellen selbst, aber auch durch das [[Immunsystem]] und das umgebende [[Gewebe]] beeinflusst wird.
  
Die meisten bösartigen Tumoren werden im Gegensatz zu gesunden Geweben nicht von einem bindegewebigen [[Stroma]] stabilisiert, so dass die Tumorzellen einen mehr oder minder lockeren, undifferenzierten Zellverband bilden. Der Umstand, dass sich Tumorzellen aus dem Zellverband lösen können, ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Adhäsionsmoleküle auf der [[Zellmembran]] vermindert ist. Einzelne Tumorzellen oder Tumorzellgruppen, die in das umgebende Gewebe einwachsen, können so vom [[Blut]]- oder [[Lymphsystem|Lymphstrom]] erfasst und verschleppt werden.
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Die meisten bösartigen Tumore werden im Gegensatz zu gesunden Geweben nicht von einem bindegewebigen [[Stroma]] stabilisiert, sodass die Tumorzellen einen mehr oder minder lockeren, undifferenzierten Zellverband bilden. Der Umstand, dass sich Tumorzellen aus dem Zellverband lösen können, ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Adhäsionsmoleküle auf der [[Zellmembran]] vermindert ist. Dabei spielt wahrscheinlich der Verlust von epithelialem [[Cadherin]] ([[CDH1]]) eine entscheidende Rolle. Einzelne Tumorzellen oder Tumorzellgruppen, die in das umgebende Gewebe einwachsen, können so vom [[Blut]]- oder [[Lymphsystem|Lymphstrom]] erfasst und verschleppt werden.
  
Neben der Fähigkeit, sich aus dem Zellverband zu lösen, müssen Tumorzellen jedoch noch die Fähigkeit besitzen, sich in einem intakten Gewebe anzusiedeln. Hier kommt ihnen zugute, dass sie vom Immunsystem nicht als fremd erkannt werden. Sie müssen sich aber auch in die [[Gewebematrix]] des neuen Wirtsgewebe integrieren. Die Fähigkeit, an anderen Orten des Körpers "anzudocken", hängt vom Vorhandensein bestimmter [[Kollagenase]]n und [[Membranrezeptor]]en auf der Tumorzelloberfläche ab. Neben [[Laminin]]- und [[Fibronectin]]rezeptoren spielt in diesem Zusammenhang der [[Hyaluronsäure]]-Rezeptor eine wichtige Rolle. Er wird durch das Gen [[CD44]] codiert.
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Manche metastasierenden Tumorzellen besitzen im Blut einen Belag aus [[Fibrin]] und [[Thrombozyt]]en, der sie vor der Erkennung durch [[Immunzelle]]n schützt.
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Neben der Fähigkeit, sich aus dem Zellverband zu lösen, müssen Tumorzellen jedoch noch die Fähigkeit besitzen, sich in einem intakten Gewebe anzusiedeln. Hier kommt ihnen zugute, dass sie vom Immunsystem nicht als fremd erkannt werden. Sie müssen sich aber auch in die [[Gewebematrix]] des neuen Wirtsgewebes integrieren. Die Fähigkeit, an anderen Orten des Körpers "anzudocken", hängt vom Vorhandensein bestimmter [[Kollagenase]]n und [[Membranrezeptor]]en auf der Tumorzelloberfläche ab. Neben [[Laminin]]- und [[Fibronectin]]rezeptoren spielt in diesem Zusammenhang der [[Hyaluronsäure]]-Rezeptor eine wichtige Rolle. Er wird durch das Gen [[CD44]] codiert.
  
 
Haben die Tumorzellen erfolgreich im gesunden Gewebe angedockt, durchbrechen sie die [[Basalmembran]] und induzieren die Neubildung von Blutgefäßen ([[Angiogenese]]). Im weiteren Verlauf wächst die Metastase dann wie der Primärtumor [[invasiv]] unter Verdrängung des Wirtsgewebes.
 
Haben die Tumorzellen erfolgreich im gesunden Gewebe angedockt, durchbrechen sie die [[Basalmembran]] und induzieren die Neubildung von Blutgefäßen ([[Angiogenese]]). Im weiteren Verlauf wächst die Metastase dann wie der Primärtumor [[invasiv]] unter Verdrängung des Wirtsgewebes.
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Die Wahrscheinlichkeit der Metastasierung hängt - neben den spezifischen [[Histologie|histologischen]] Eigenschaften des Tumors - von vielen weiteren Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem:
 
Die Wahrscheinlichkeit der Metastasierung hängt - neben den spezifischen [[Histologie|histologischen]] Eigenschaften des Tumors - von vielen weiteren Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem:
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Metastasen können sich auf verschiedenen Wegen verbreiten. Der bevorzugte Weg ist u.a. von der Art und vom [[pathohistologisch]]en Zustand des Tumors, sowie seiner jeweiligen Lokalisation abhängig. Maligne Tumoren, die stark vaskularisiert sind, streuen z.B. bevorzugt auf dem Blutweg. Bei vielen Tumoren findet man ein typisches, für sie charakteristisches Metastasierungsverhalten.
 
Metastasen können sich auf verschiedenen Wegen verbreiten. Der bevorzugte Weg ist u.a. von der Art und vom [[pathohistologisch]]en Zustand des Tumors, sowie seiner jeweiligen Lokalisation abhängig. Maligne Tumoren, die stark vaskularisiert sind, streuen z.B. bevorzugt auf dem Blutweg. Bei vielen Tumoren findet man ein typisches, für sie charakteristisches Metastasierungsverhalten.
  
Metastasen können sich verbreiten
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Metastasen können sich auf unterschiedlichen Wegen verbreiten:
 
* auf dem [[Blut]]weg: [[hämatogen]]e Metastasen
 
* auf dem [[Blut]]weg: [[hämatogen]]e Metastasen
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** Pfortader-Typ: Primärtumor im [[Verdauungstrakt]] ([[Ösophagus]] bis oberes [[Rektum]]), Streuung über [[Vena portae]] zur [[Leber]])
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** Cava-Typ: Primärtumor in [[Knochen]], [[Niere]], [[Leber]], [[Kopf]] und [[Hals]], Streuung über [[Vena cava]] zur [[Lunge]]
 
* über die [[Lymphgefäß]]e: [[lymphogen]]e Metastasen  
 
* über die [[Lymphgefäß]]e: [[lymphogen]]e Metastasen  
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** [[Lymphangiosis carcinomatosa]]
 
** [[Lymphknotenmetastase]]n
 
** [[Lymphknotenmetastase]]n
* über den [[Liquor]]: [[liquorgen]]e Metastasen
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* in einer Körperhöhle: [[intrakavitäre Metastasierung|intrakavitäre Metastasen]]
* in einer Körperhöhle: [[intrakavitär]]e Metastasen
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** im [[Liquorraum]]: [[Meningeosis neoplastica]]  
** [[Implantationsmetastase]]n
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** [[Implantationsmetastase]]n (incl. [[Abtropfmetastase]]n)
** [[Abtropfmetastase]]n
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** [[Abklatschmetastase]]n (Kontaktmetastasen)
 
** [[Abklatschmetastase]]n (Kontaktmetastasen)
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** [[Pleurakarzinose]]
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** [[Peritonealkarzinose]]
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* über anatomische Gangsysteme: [[kanalikuläre Metastasierung]]
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** z.B. über [[Milchgang|Milchgänge]] oder [[Harnweg]]e
 
* durch ärztliche Eingriffe: [[iatrogen]]e Metastasen
 
* durch ärztliche Eingriffe: [[iatrogen]]e Metastasen
 
** [[Impfmetastase]]n
 
** [[Impfmetastase]]n
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* [[Knochenmetastase]]n
 
* [[Knochenmetastase]]n
 
* [[Gehirnmetastase]]n
 
* [[Gehirnmetastase]]n
* u.v.a.  
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* u.v.a.
 
Sehr kleine, nur mit Spezialverfahren nachweisbare Metastasen bezeichnet man als [[Mikrometastase]]n. Die diffuse Metastasierung ganzer Organe oder Körperregionen bezeichnet man als [[Karzinose]].
 
Sehr kleine, nur mit Spezialverfahren nachweisbare Metastasen bezeichnet man als [[Mikrometastase]]n. Die diffuse Metastasierung ganzer Organe oder Körperregionen bezeichnet man als [[Karzinose]].
 
[[Fachgebiet:Pathologie]]
 
[[Fachgebiet:Pathologie]]
 
[[Tag:Krebs]]
 
[[Tag:Krebs]]

Aktuelle Version vom 22. Oktober 2019, 15:35 Uhr

Synonyme: Tochtergeschwulst, Tumorabsiedelung, Filia/Filiae
Englisch: metastasis

1 Definition

Metastasen sind von einem Primärtumor räumlich getrennte, gleichartige Tochtergeschwülste, die durch Verschleppung von lebensfähigen Tumorzellen entstehen. Den Prozess einer Metastasenbildung bezeichnet man als Metastasierung.

Eine weitere Bedeutung des Begriffs "Metastase", die heutzutage nur noch selten genutzt wird, ist die Absiedlung von Bakterien bei eitrigem Fokus (septische Metastase).

2 Pathogenese

Die Mechanismen der Metastasierung sind noch nicht vollständig geklärt. Es handelt sich um einen sehr komplexen Prozess, der durch die Tumorzellen selbst, aber auch durch das Immunsystem und das umgebende Gewebe beeinflusst wird.

Die meisten bösartigen Tumore werden im Gegensatz zu gesunden Geweben nicht von einem bindegewebigen Stroma stabilisiert, sodass die Tumorzellen einen mehr oder minder lockeren, undifferenzierten Zellverband bilden. Der Umstand, dass sich Tumorzellen aus dem Zellverband lösen können, ist wahrscheinlich darauf zurückzuführen, dass die Zahl der Adhäsionsmoleküle auf der Zellmembran vermindert ist. Dabei spielt wahrscheinlich der Verlust von epithelialem Cadherin (CDH1) eine entscheidende Rolle. Einzelne Tumorzellen oder Tumorzellgruppen, die in das umgebende Gewebe einwachsen, können so vom Blut- oder Lymphstrom erfasst und verschleppt werden.

Manche metastasierenden Tumorzellen besitzen im Blut einen Belag aus Fibrin und Thrombozyten, der sie vor der Erkennung durch Immunzellen schützt.

Neben der Fähigkeit, sich aus dem Zellverband zu lösen, müssen Tumorzellen jedoch noch die Fähigkeit besitzen, sich in einem intakten Gewebe anzusiedeln. Hier kommt ihnen zugute, dass sie vom Immunsystem nicht als fremd erkannt werden. Sie müssen sich aber auch in die Gewebematrix des neuen Wirtsgewebes integrieren. Die Fähigkeit, an anderen Orten des Körpers "anzudocken", hängt vom Vorhandensein bestimmter Kollagenasen und Membranrezeptoren auf der Tumorzelloberfläche ab. Neben Laminin- und Fibronectinrezeptoren spielt in diesem Zusammenhang der Hyaluronsäure-Rezeptor eine wichtige Rolle. Er wird durch das Gen CD44 codiert.

Haben die Tumorzellen erfolgreich im gesunden Gewebe angedockt, durchbrechen sie die Basalmembran und induzieren die Neubildung von Blutgefäßen (Angiogenese). Im weiteren Verlauf wächst die Metastase dann wie der Primärtumor invasiv unter Verdrängung des Wirtsgewebes.

Animation zur Metastasierung (englisch)

3 Einflussgrößen

Die Wahrscheinlichkeit der Metastasierung hängt - neben den spezifischen histologischen Eigenschaften des Tumors - von vielen weiteren Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem:

4 Einteilung

4.1 ...nach Abstand vom Primärtumor

4.2 ...nach dem Weg der Metastasierung

Metastasen können sich auf verschiedenen Wegen verbreiten. Der bevorzugte Weg ist u.a. von der Art und vom pathohistologischen Zustand des Tumors, sowie seiner jeweiligen Lokalisation abhängig. Maligne Tumoren, die stark vaskularisiert sind, streuen z.B. bevorzugt auf dem Blutweg. Bei vielen Tumoren findet man ein typisches, für sie charakteristisches Metastasierungsverhalten.

Metastasen können sich auf unterschiedlichen Wegen verbreiten:

4.3 ...nach Organlokalisation

Sehr kleine, nur mit Spezialverfahren nachweisbare Metastasen bezeichnet man als Mikrometastasen. Die diffuse Metastasierung ganzer Organe oder Körperregionen bezeichnet man als Karzinose.

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Fachgebiete: Pathologie

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