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Metamizol: Unterschied zwischen den Versionen

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Der Wirkmechanismus von Metamizol ist nicht vollständig aufgeklärt. Als gesichert angesehen werden eine Hemmung der Cyclooxygenasen im ZNS und in der Peripherie und damit eine verminderte Synthese von Prostaglandinen. Nicht geklärt ist jedoch, inwieweit die aktiven Metaboliten die einzelnen COX-Isoformen kompetitiv oder allosterisch hemmen. Der Hauptmetabolit 4-Methylaminoantipyrin reduziert im Hypothalamus das PGE<sub>2</sub>-induzierte und das davon unabhängige Fieber. Weitere Mechanismen werden diskutiert:
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Der Wirkmechanismus von Metamizol ist aktuell (2019) nicht vollständig aufgeklärt. Als gesichert angesehen werden eine Hemmung der [[Cyclooxygenase]]n (COX) im [[ZNS|zentralen Nervensystem]] und in der Peripherie und damit eine verminderte Synthese von [[Prostaglandin]]en. Nicht geklärt ist jedoch, inwieweit die aktiven [[Metabolit]]en die einzelnen COX-Isoformen [[COX-1]] und [[COX-2]] [[kompetitive Hemmung|kompetitiv]] oder [[allosterische Hemmung|allosterisch]] hemmen.  
* analgetische Wirkung durch Agonismus an CB<sub>1</sub>-Rezeptoren durch Amide aus Arachidonsäure und der Metabolite 4-Methylaminoantipyrin und 4-Aminoantipyrin sowie Blockade von TRPA1-Kanälen
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* spasmolytische Effekte durch Wirkung an Cannabinoid-Rezeptoren und reduzierte intrazelluläre Calcium-Freisetzung durch Hemmung der Phospholipase C in glatten Muskelzellen
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Der Hauptmetabolit [[Methylaminoantipyrin|4-Methylaminoantipyrin]] (MAA) reduziert im [[Hypothalamus]] das PGE<sub>2</sub>-induzierte und das davon unabhängige [[Fieber]].  
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Des Weiteren wird eine [[analgetisch]]e Wirkung durch [[Agonismus]] an [[Cannabinoid-Rezeptor|CB<sub>1</sub>-Rezeptoren]] sowie Blockade von [[TRPA1|TRPA1-Kanälen]] diskutiert.
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Als einziges [[Nicht-Opioid-Analgetikum]] wirkt Metamizol spasmolytisch, vermutlich durch Wirkung an Cannabinoid-Rezeptoren und reduzierter [[intrazellulär]]er [[Calcium]]-Freisetzung durch Hemmung der [[Phospholipase C]] in [[glatte Muskelzelle|glatten Muskelzellen]].
  
 
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Metamizol wirkt [[analgetisch]], [[antipyretisch]] und [[spasmolytisch]]. Einsatzgebiete sind daher unter anderem:
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Metamizol ist ein [[Prodrug]], das in der Leber zum pharmakologisch wirksamen [[Metabolit|Hauptmetabolit]]en [[Methylaminoantipyrin|4-N-Methylaminoantipyrin]] (MAA) [[Hydrolyse|hydrolysiert]] wird. Der Wirkungseintritt nach oraler Gabe setzt innerhalb einer Stunde ein und hält für etwa 6 Stunden an. Die Bioverfügbarkeit von Methylaminoantipyrin liegt nach [[oral]]er Gabe bei etwa 90 %. Die [[Plasmahalbwertzeit]] kann 1,8 bis 4,6 Stunden betragen. Die Ausscheidung erfolgt in erster Linie [[renal]] - bei akutem Nierenversagen oder schwerer [[Niereninsuffizienz]] ist deshalb eine Dosisanpassung notwendig.
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Metamizol ist ein [[Prodrug]], das in der Leber zum pharmakologisch wirksamen Hauptmetaboliten MAA [[Hydrolyse|hydrolysiert]] wird. Der Wirkungseintritt nach oraler Gabe setzt innerhalb einer Stunde ein und hält für etwa 6 Stunden an. Die Bioverfügbarkeit von Methylaminoantipyrin liegt nach [[oral]]er Gabe bei etwa 90 %. Die [[Plasmahalbwertzeit]] kann 1,8 bis 4,6 Stunden betragen. Die Ausscheidung erfolgt in erster Linie [[renal]] - bei akutem Nierenversagen oder schwerer [[Niereninsuffizienz]] ist deshalb eine Dosisanpassung notwendig.
  
 
==Anwendungsformen==
 
==Anwendungsformen==

Version vom 9. September 2019, 15:10 Uhr

Synonym: Novaminsulfon
Handelsname: Novalgin®
Englisch: metamizole dipyrone

1 Definition

Metamizol ist ein zu den Pyrazolonen zählendes Analgetikum und Antipyretikum.

2 Chemie

Metamizol hat die Summenformel C13H16N3NaO4S und eine molare Masse von 311,36 g/mol.

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3 Wirkungsmechanismus

Der Wirkmechanismus von Metamizol ist aktuell (2019) nicht vollständig aufgeklärt. Als gesichert angesehen werden eine Hemmung der Cyclooxygenasen (COX) im zentralen Nervensystem und in der Peripherie und damit eine verminderte Synthese von Prostaglandinen. Nicht geklärt ist jedoch, inwieweit die aktiven Metaboliten die einzelnen COX-Isoformen COX-1 und COX-2 kompetitiv oder allosterisch hemmen.

Der Hauptmetabolit 4-Methylaminoantipyrin (MAA) reduziert im Hypothalamus das PGE2-induzierte und das davon unabhängige Fieber.

Des Weiteren wird eine analgetische Wirkung durch Agonismus an CB1-Rezeptoren sowie Blockade von TRPA1-Kanälen diskutiert.

Als einziges Nicht-Opioid-Analgetikum wirkt Metamizol spasmolytisch, vermutlich durch Wirkung an Cannabinoid-Rezeptoren und reduzierter intrazellulärer Calcium-Freisetzung durch Hemmung der Phospholipase C in glatten Muskelzellen.

4 Anwendung

Metamizol wirkt analgetisch, antipyretisch und spasmolytisch. Einsatzgebiete sind daher unter anderem:

Auf Intensivstationen und im Rettungsdienst wird Metamizol häufig als Standard-Schmerzmedikation eingesetzt. Metamizol ist für Kinder ab dem 3. Lebensmonat zugelassen.

5 Pharmakokinetik

Metamizol ist ein Prodrug, das in der Leber zum pharmakologisch wirksamen Hauptmetaboliten MAA hydrolysiert wird. Der Wirkungseintritt nach oraler Gabe setzt innerhalb einer Stunde ein und hält für etwa 6 Stunden an. Die Bioverfügbarkeit von Methylaminoantipyrin liegt nach oraler Gabe bei etwa 90 %. Die Plasmahalbwertzeit kann 1,8 bis 4,6 Stunden betragen. Die Ausscheidung erfolgt in erster Linie renal - bei akutem Nierenversagen oder schwerer Niereninsuffizienz ist deshalb eine Dosisanpassung notwendig.

6 Anwendungsformen

Metamizol kann peroral in Form von Tabletten und Tropfen oder als Lösung intravenös, intramuskulär oder in Form von Suppositorien rektal verabreicht werden.

7 Dosierung

Die Einzeldosierung für Erwachsene liegt gewichtsadaptiert bei 500-1.000 mg bzw. 20-40 Tropfen. Die Tageshöchstdosis liegt aktuell (2019) bei 4 g/d peroral und 5 g/d i.v..

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Nebenwirkungen

Metamizol kann wie alle Pyrazolone selten einen toxischen Effekt auf das Knochenmark haben. Daraus kann eine Leukopenie oder Agranulozytose resultieren. Bei Zeichen einer Agranulozytose oder beginnender Leukopenie sollte Metamizol daher sofort abgesetzt werden.

Selten kann es, vor allem unter zügiger intravenöser Gabe, zu bedrohlichen Abfällen des Blutdruckes bis hin zum Schock kommen. Eine intravenöse Gabe sollte deswegen immer in Form einer Kurzinfusion (> 100 ml) erfolgen. Sehr selten kann es zu Hautreaktionen im Sinne eines Arzneimittelexanthems, Stevens-Johnson-Syndroms oder Lyell-Syndroms kommen. Bei vorliegender Hypovolämie ist eine Nephrotoxizität zu befürchten.

Bei Asthmatikern kann Metamizol einen Asthmaanfall auslösen.

Im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln wie z.B. Diclofenac oder Ibuprofen werden gastrointestinale Nebenwirkungen wie das Auftreten eines gastroduodenalen Ulkuskrankheit sehr selten beobachtet.

Aufgrund der Möglichkeit dieser schweren Nebenwirkungen ist Metamizol in vielen Ländern nicht zugelassen. In Deutschland wird Metamizol vor allem bei kolikbedingtem Schmerz eingesetzt. Als gängige Vorsichtsmaßnahmen gelten:

  • keine langfristige Metamizolgabe (> 1 Woche)
  • Vorsicht bei vorbestehenden Knochenmarksschädigungen

8.1 Häufigkeit der Agranulozytose

Die Angaben zum Agranulozytoserisiko von Metamizol schwanken. Dabei werden Zahlen von 1 zu 1,1 Millionen Anwendungswochen[1] bis hin zu 1 auf 1.439 Verordnungen[2] genannt. Der Konsens geht dahin, dass es sich bei der Agranulozytose um eine sehr seltene Nebenwirkung mit einer Häufigkeit von < 1 auf 10.000 Behandlungen handelt.

9 Störfaktor

Metamizol kann Laboruntersuchungen stören, die auf der Trinder-Reaktion basieren (Präanalytik). Die Entnahme von Blutproben sollte vor der Gabe von Metamizol erfolgen.

10 Quellen

  1. Risks of agranulocytosis and aplastic anemia. A first report of their relation to drug use with special reference to analgesics. The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study. JAMA 1986; 256: 1749–57
  2. Hedenmalm K, Spigset O: Agranulocytosis and other blood dyscrasias associated with dipyrone (metamizole). Eur J Clin Pharmacol 2002; 58: 265–74

Diese Seite wurde zuletzt am 10. Juli 2020 um 14:57 Uhr bearbeitet.

Guter Hinweis. Wäre schön, wenn du das selbst einbaust.
#5 am 15.11.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Vielleicht wäre es interessant oder gut zu erwähnen, dass Novalgin bzw. Metamizol ein „Hapten“ ist und es deshalb zu einer schwerwiegenden Aggranulozytose kommen kann. Ein Hapten bindet an Proteine Bzw. Oberflächen. In diesem Fall an Neutrophilen Granulozyten. Das Abwehrsystem des Körpers bildet dann Antikörper, die einen Ausfall dieser enstandenen Komplexe induzieren und somit einen „mit“ Untergang der Granulozyten. Es folgt eine Agranulozytose. Handelt es sich um einen Komplex zwischen Vorläufer Granulozyten und Metamizol, ist das Knochenmark miteinbezogen. Gruß aus Köln
#4 am 14.11.2019 von Süly Kanatli (Student/in der Humanmedizin)
Sie ist so selten (<1 auf 10.000 Anwendungen), dass man das Risiko in Kauf nimmt.
#3 am 13.08.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
Nachdem andere NSAR wegen ihrer Nebenwirkungen am Herz in Verruf geraten sind (Diclofenac, Ibuprofen) wird doch vermehrt Metamizol auch als Dauermedikation verordnet. Ist den Ärzten die Nebenwirkung der Leukopenie bekannt oder ist sie so selten, dass man dieses Risiko in Kauf nimmt?
#2 am 17.03.2017 von Gast (Apotheker/in)
Es gibt drei verschieden Tageshöchstdosen: 3g/d für die Tropfen, 4g/d für Tabletten, Brausetabletten, Suppositorien und 5g/d für die Injektionslösung.
#1 am 17.01.2017 von Falk Kröber (Selbstst. Apotheker)

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