Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Metamizol: Unterschied zwischen den Versionen

K (Änderungen von 79.30.110.245 (Diskussion) wurden auf die letzte Version von Dr. Frank Antwerpes zurückgesetzt)
 
(47 dazwischenliegende Versionen von 16 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
''Handelsnamen: Novalgin®, Novaminsulfon''
+
''Synonym: Novaminsulfon''<BR>
 +
''Handelsnamen: Novalgin<sup>®</sup>, Novasul<sup>®</sup> (Veterinärmedizin)<BR>
 +
'''''Englisch''': metamizole'' ''dipyrone ''
  
 
==Definition==
 
==Definition==
 
'''Metamizol''' ist ein zu den [[Pyrazolon]]en zählendes [[Analgetikum]] und [[Antipyretikum]].
 
'''Metamizol''' ist ein zu den [[Pyrazolon]]en zählendes [[Analgetikum]] und [[Antipyretikum]].
  
==Wirkungsmechanismus==
+
==Chemie==
Der Wirkungsmechanismus von Metamizol ist nicht vollständig aufgeklärt. Neben einer Hemmung der [[Cyclooxigenase]]n mit Hemmung der [[Prostaglandin]]synthese werden zentrale Effekte an [[Neuron]]en des [[Thalamus]] und [[Hypothalamus]] postuliert. Dadurch sollen Effekte auf die [[Schmerz]]verarbeitung und [[Thermoregulation]] vermittelt werden.  
+
Metamizol hat die [[Summenformel]] C<sub>13</sub>H<sub>16</sub>N<sub>3</sub>NaO<sub>4</sub>S und eine [[molare Masse]] von 311,36 g/[[mol]].
  
Eine Studie der Universität Münster aus dem Jahr 2008 [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-4440/diss_khodai.pdf] ergab, dass Metamizol unter anderem am [[NMDA-Rezeptor]] ansetzt, an dem auch [[Opiat]]e einen Teil ihrer Wirkung entfalten. Daraus ergibt sich ein positiver Effekt auf die Wirkungssteigerung der Kombination von Metamizol mit [[Morphin]]. Die Resistenzentwicklung und der damit erhöhte Morphin-Bedarf könnte ggf. in der Langzeittherapie reduziert werden.
+
<dc3dmodel id=069419a46c36446086867d4b7b4ff80a ui_controls="1"  />
  
==Anwendung==
+
==Wirkmechanismus==
Metamizol wirkt [[analgetisch]], [[antipyretisch]] und [[spasmolytisch]]. Einsatzgebiete sind daher unter anderem:
+
Der Wirkmechanismus von Metamizol ist aktuell (2019) nicht vollständig aufgeklärt. Als gesichert angesehen werden eine Hemmung der [[Cyclooxygenase]]n (COX) im [[ZNS|zentralen Nervensystem]] und in der Peripherie und damit eine verminderte Synthese von [[Prostaglandin]]en. Nicht geklärt ist jedoch, inwieweit die aktiven [[Metabolit]]en die einzelnen COX-Isoformen [[COX-1]] und [[COX-2]] [[kompetitive Hemmung|kompetitiv]] oder [[allosterische Hemmung|allosterisch]] hemmen.  
* [[Kolik]]en
+
 
* hohes [[Fieber]], das mit [[Paracetamol]] und [[NSAR]] nicht gesenkt werden kann
+
Daneben werden zentrale Effekte an [[Neuron]]en des [[Thalamus]] und [[Hypothalamus]] postuliert. Dadurch sollen Effekte auf die [[Schmerz]]verarbeitung und [[Thermoregulation]] vermittelt werden.
* stärkere Schmerzen (z.B. nach Operationen und Traumen, [[Tumorschmerz]])
+
 
Auf [[Intensivstation]]en wird Metamizol häufig als Standard-Schmerzmedikation eingesetzt.  
+
Als einziges [[Nicht-Opioid-Analgetikum]] wirkt Metamizol [[spasmolytisch]], vermutlich durch Agonismus an [[Cannabinoid-Rezeptor]]en (z.B. am CB<sub>1</sub>-Rezeptor) und reduzierter [[intrazellulär]]er [[Kalzium]]freisetzung durch Hemmung der [[Phospholipase C]] in [[glatte Muskelzelle|glatten Muskelzellen]].
 +
 
 +
Eine Studie der Universität Münster aus dem Jahr 2008 [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-4440/diss_khodai.pdf] ergab, dass Metamizol unter anderem am [[NMDA-Rezeptor]] ansetzt, an dem auch [[Opiat]]e einen Teil ihrer Wirkung entfalten. Daraus ergibt sich ein positiver Effekt auf die Wirkungssteigerung der Kombination von Metamizol mit [[Morphin]]. Die Resistenzentwicklung und der damit erhöhte [[Morphin]]-Bedarf könnte ggf. in der Langzeittherapie reduziert werden.
 +
 
 +
Eine weitere Studie aus dem Jahr 2015 weist Metamizol eine hemmende Wirkung auf [[TRPA1]]-[[Kanalprotein]]e zu, die über eine Beteiligung am Kalziumeinstrom in Zellen des [[nozizeptiv]]en Systems bei der Schmerzweiterleitung mitwirken.<ref>[http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/25765567 Nassini et al., 2015]</ref>
  
 
==Pharmakokinetik==
 
==Pharmakokinetik==
Metamizol ist ein [[Prodrug]], das in der Leber zum pharmakologisch wirksamen [[Metabolit|Hauptmetabolit]]en [[Methylaminoantipyrin|4-N-Methylaminoantipyrin]] (MAA) [[Hydrolyse|hydrolysiert]] wird. Der Wirkungseintritt nach oraler Gabe setzt innerhalb einer Stunde ein und hält für etwa 6 Stunden an. Die Bioverfügbarkeit von Methylaminoantipyrin liegt nach [[oral]]er Gabe bei etwa 90 %. Die [[Plasmahalbwertzeit]] kann 1,8 bis 4,6 Stunden betragen. Die Ausscheidung erfolgt in erster Linie [[renal]] - bei akutem Nierenversagen oder schwerer [[Niereninsuffizienz]] ist deshalb eine Dosisanpassung notwendig.
+
Metamizol ist ein [[Prodrug]], das in der Leber zum pharmakologisch wirksamen Hauptmetaboliten MAA [[Hydrolyse|hydrolysiert]] wird. Der Wirkungseintritt nach oraler Gabe setzt innerhalb einer Stunde ein und hält für etwa 6 Stunden an. Die Bioverfügbarkeit von Methylaminoantipyrin liegt nach [[oral]]er Gabe bei etwa 90 %. Die [[Plasmahalbwertzeit]] kann 1,8 bis 4,6 Stunden betragen. Die Ausscheidung erfolgt in erster Linie [[renal]] - bei akutem Nierenversagen oder schwerer [[Niereninsuffizienz]] ist deshalb eine Dosisanpassung notwendig.
 +
 
 +
==Indikationen==
 +
Metamizol wirkt analgetisch, [[antipyretisch]] und spasmolytisch. Einsatzgebiete sind daher unter anderem:
 +
* [[Kolik]]en
 +
* hohes [[Fieber]], das mit [[Paracetamol]] und [[NSAR]] nicht gesenkt werden kann
 +
* stärkere Schmerzen (z.B. nach [[Operation]]en und [[Trauma]]ta, [[Tumorschmerz]])
 +
Auf [[Intensivstation]]en und im [[Rettungsdienst]] wird Metamizol häufig als Standard-Schmerzmedikation eingesetzt. Metamizol ist für Kinder ab dem 3. Lebensmonat zugelassen.
  
 
==Anwendungsformen==
 
==Anwendungsformen==
Zeile 23: Zeile 36:
  
 
==Dosierung==
 
==Dosierung==
Die Einzeldosierung für Erwachsene liegt gewichtsadaptiert bei 500-1000 mg bzw. 20-40 Tropfen. Die Tageshöchstdosis liegt aktuell bei etwa 5g/d.
+
Die Einzeldosierung für Erwachsene liegt gewichtsadaptiert bei 500-1.000 mg bzw. 20-40 Tropfen. Die Tageshöchstdosis liegt aktuell (2019) bei 4 g/d peroral und 5 g/d [[i.v.]].
 +
{{dosis}}
  
 
==Nebenwirkungen==
 
==Nebenwirkungen==
Metamizol kann wie alle Pyrazolone selten einen toxischen Effekt auf das [[Knochenmark]] haben. Daraus kann eine [[Leukopenie]] oder [[Agranulozytose]] resultieren. Bei Zeichen einer Agranulozytose oder beginnender Leukopenie sollte Metamizol daher sofort abgesetzt werden.
+
Metamizol kann wie alle Pyrazolone selten einen toxischen Effekt auf das [[Knochenmark]] ausüben. Daraus kann eine [[Leukopenie]] oder [[Agranulozytose]] resultieren.  
  
Selten kann es, vor allem unter intravenöser Gabe zu bedrohlichen Abfällen des [[Blutdruck]]es bishin zum [[Schock]] kommen. Eine intravenöse Gabe ist daher möglichst zu unterlassen. Sehr selten kann es zu Hautreaktionen im Sinne eines [[Arzneimittelexanthem]]s, [[Stevens-Johnson-Syndrom]] und [[Lyell-Syndrom]] kommen. Bei vorliegender Hypovolämie ist eine [[Nephrotoxizität]] zu befürchten.
+
===Agranulozytose===
 +
Metamizol ist ein [[Hapten]]. Der Wirkstoff bindet an [[Plasmaprotein]]e und modifiziert sie zu [[Antigen|Vollantigen]]en. Das Immunsystem bildet daraufhin [[Antikörper]], die zur Ausbildung von [[Immunkomplex]]en führen. Durch [[Adsorption]] der Immunkomplexe an Granulozyten kommt es zur [[Komplement]]aktivierung, die eine [[Apoptose]] bzw. Zelllyse der Granulozyten induziert. Daraus resultiert eine Agranulozytose. Bei Zeichen einer Agranulozytose oder beginnender Leukopenie sollte Metamizol daher sofort abgesetzt werden.
  
Aufgrund der Möglichkeit dieser schweren Nebenwirkungen ist Metamizol in vielen Ländern nicht zugelassen. In Deutschland ist Metamizol ein beliebtes Medikament, insbesondere bei kolikbedingtem Schmerz. Als gängige Vorsichtsmaßnahmen gelten:
+
===Weitere Nebenwirkungen===
 +
Selten kann es, vor allem unter zügiger intravenöser Gabe, zu bedrohlichen Abfällen des [[Blutdruck]]es bis hin zum [[Schock]] kommen. Eine [[intravenös]]e Gabe sollte deswegen immer in Form einer Kurzinfusion (> 100 ml) erfolgen. Sehr selten kann es zu Hautreaktionen im Sinne eines [[Arzneimittelexanthem]]s, [[Stevens-Johnson-Syndrom]]s oder [[Lyell-Syndrom]]s kommen. Bei vorliegender Hypovolämie ist eine [[Nephrotoxizität]] zu befürchten.
 +
 
 +
Weitaus weniger beachtet ist das Risiko der [[Lebertoxizität]]. Dabei können Patienten typischerweise mit dem Bild einer [[cholestatisch]]en Störung auffallen, die häufig bei medikamentös-toxischen Schäden zu sehen ist.
 +
 
 +
Bei [[Asthma]]tikern kann Metamizol einen [[Asthmaanfall]] auslösen.
 +
 
 +
Im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln wie z.B. [[Diclofenac]] oder [[Ibuprofen]] werden gastrointestinale Nebenwirkungen wie das Auftreten eines [[Gastroduodenale Ulkuskrankheit|gastroduodenalen Ulkuskrankheit]] sehr selten beobachtet.
 +
 
 +
Aufgrund der Möglichkeit dieser schweren Nebenwirkungen ist Metamizol in vielen Ländern nicht zugelassen. In Deutschland wird Metamizol vor allem bei kolikbedingtem Schmerz eingesetzt. Als gängige Vorsichtsmaßnahmen gelten:
 
* keine langfristige Metamizolgabe (> 1 Woche)
 
* keine langfristige Metamizolgabe (> 1 Woche)
 
* Vorsicht bei vorbestehenden Knochenmarksschädigungen
 
* Vorsicht bei vorbestehenden Knochenmarksschädigungen
 +
 +
===Häufigkeit der Agranulozytose===
 +
Die Angaben zum Agranulozytoserisiko von Metamizol schwanken. Dabei werden Zahlen von 1 zu 1,1 Millionen Anwendungswochen<ref>Risks of agranulocytosis and aplastic anemia. A first report of their relation to drug use with special reference to analgesics. The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study. JAMA 1986; 256: 1749–57</ref>  bis hin zu 1 auf 1.439 Verordnungen<ref>Hedenmalm K, Spigset O: Agranulocytosis and other blood dyscrasias associated with dipyrone (metamizole). Eur J Clin Pharmacol 2002; 58: 265–74</ref> genannt. Der Konsens geht dahin, dass es sich bei der Agranulozytose um eine sehr seltene Nebenwirkung mit einer Häufigkeit von < 1 auf 10.000 Behandlungen handelt.
 +
 +
== Störfaktor ==
 +
Metamizol kann Laboruntersuchungen stören, die auf der [[Trinder-Reaktion]] basieren ([[Präanalytik]]). Die Entnahme von [[Blutprobe]]n sollte vor der Gabe von Metamizol erfolgen.
 +
 +
==Quellen==
 +
<references/>
 +
[[Fachgebiet:Arzneimittel]]
 +
[[Fachgebiet:Pharmakologie]]
 +
[[Tag:3D-Molekül]]
 +
[[Tag:Analgetikum]]
 +
[[Tag:Leukopenie]]
 +
[[Tag:Präanalytik]]

Aktuelle Version vom 10. Juli 2020, 14:57 Uhr

Synonym: Novaminsulfon
Handelsnamen: Novalgin®, Novasul® (Veterinärmedizin)
Englisch: metamizole dipyrone

1 Definition

Metamizol ist ein zu den Pyrazolonen zählendes Analgetikum und Antipyretikum.

2 Chemie

Metamizol hat die Summenformel C13H16N3NaO4S und eine molare Masse von 311,36 g/mol.

Klicken und ziehen, um das 3D-Modell auf der Seite zu verschieben.

3 Wirkmechanismus

Der Wirkmechanismus von Metamizol ist aktuell (2019) nicht vollständig aufgeklärt. Als gesichert angesehen werden eine Hemmung der Cyclooxygenasen (COX) im zentralen Nervensystem und in der Peripherie und damit eine verminderte Synthese von Prostaglandinen. Nicht geklärt ist jedoch, inwieweit die aktiven Metaboliten die einzelnen COX-Isoformen COX-1 und COX-2 kompetitiv oder allosterisch hemmen.

Daneben werden zentrale Effekte an Neuronen des Thalamus und Hypothalamus postuliert. Dadurch sollen Effekte auf die Schmerzverarbeitung und Thermoregulation vermittelt werden.

Als einziges Nicht-Opioid-Analgetikum wirkt Metamizol spasmolytisch, vermutlich durch Agonismus an Cannabinoid-Rezeptoren (z.B. am CB1-Rezeptor) und reduzierter intrazellulärer Kalziumfreisetzung durch Hemmung der Phospholipase C in glatten Muskelzellen.

Eine Studie der Universität Münster aus dem Jahr 2008 [1] ergab, dass Metamizol unter anderem am NMDA-Rezeptor ansetzt, an dem auch Opiate einen Teil ihrer Wirkung entfalten. Daraus ergibt sich ein positiver Effekt auf die Wirkungssteigerung der Kombination von Metamizol mit Morphin. Die Resistenzentwicklung und der damit erhöhte Morphin-Bedarf könnte ggf. in der Langzeittherapie reduziert werden.

Eine weitere Studie aus dem Jahr 2015 weist Metamizol eine hemmende Wirkung auf TRPA1-Kanalproteine zu, die über eine Beteiligung am Kalziumeinstrom in Zellen des nozizeptiven Systems bei der Schmerzweiterleitung mitwirken.[1]

4 Pharmakokinetik

Metamizol ist ein Prodrug, das in der Leber zum pharmakologisch wirksamen Hauptmetaboliten MAA hydrolysiert wird. Der Wirkungseintritt nach oraler Gabe setzt innerhalb einer Stunde ein und hält für etwa 6 Stunden an. Die Bioverfügbarkeit von Methylaminoantipyrin liegt nach oraler Gabe bei etwa 90 %. Die Plasmahalbwertzeit kann 1,8 bis 4,6 Stunden betragen. Die Ausscheidung erfolgt in erster Linie renal - bei akutem Nierenversagen oder schwerer Niereninsuffizienz ist deshalb eine Dosisanpassung notwendig.

5 Indikationen

Metamizol wirkt analgetisch, antipyretisch und spasmolytisch. Einsatzgebiete sind daher unter anderem:

Auf Intensivstationen und im Rettungsdienst wird Metamizol häufig als Standard-Schmerzmedikation eingesetzt. Metamizol ist für Kinder ab dem 3. Lebensmonat zugelassen.

6 Anwendungsformen

Metamizol kann peroral in Form von Tabletten und Tropfen oder als Lösung intravenös, intramuskulär oder in Form von Suppositorien rektal verabreicht werden.

7 Dosierung

Die Einzeldosierung für Erwachsene liegt gewichtsadaptiert bei 500-1.000 mg bzw. 20-40 Tropfen. Die Tageshöchstdosis liegt aktuell (2019) bei 4 g/d peroral und 5 g/d i.v..

Hinweis: Diese Dosierungsangaben können Fehler enthalten. Ausschlaggebend ist die Dosierungsempfehlung in der Herstellerinformation.

8 Nebenwirkungen

Metamizol kann wie alle Pyrazolone selten einen toxischen Effekt auf das Knochenmark ausüben. Daraus kann eine Leukopenie oder Agranulozytose resultieren.

8.1 Agranulozytose

Metamizol ist ein Hapten. Der Wirkstoff bindet an Plasmaproteine und modifiziert sie zu Vollantigenen. Das Immunsystem bildet daraufhin Antikörper, die zur Ausbildung von Immunkomplexen führen. Durch Adsorption der Immunkomplexe an Granulozyten kommt es zur Komplementaktivierung, die eine Apoptose bzw. Zelllyse der Granulozyten induziert. Daraus resultiert eine Agranulozytose. Bei Zeichen einer Agranulozytose oder beginnender Leukopenie sollte Metamizol daher sofort abgesetzt werden.

8.2 Weitere Nebenwirkungen

Selten kann es, vor allem unter zügiger intravenöser Gabe, zu bedrohlichen Abfällen des Blutdruckes bis hin zum Schock kommen. Eine intravenöse Gabe sollte deswegen immer in Form einer Kurzinfusion (> 100 ml) erfolgen. Sehr selten kann es zu Hautreaktionen im Sinne eines Arzneimittelexanthems, Stevens-Johnson-Syndroms oder Lyell-Syndroms kommen. Bei vorliegender Hypovolämie ist eine Nephrotoxizität zu befürchten.

Weitaus weniger beachtet ist das Risiko der Lebertoxizität. Dabei können Patienten typischerweise mit dem Bild einer cholestatischen Störung auffallen, die häufig bei medikamentös-toxischen Schäden zu sehen ist.

Bei Asthmatikern kann Metamizol einen Asthmaanfall auslösen.

Im Gegensatz zu anderen Schmerzmitteln wie z.B. Diclofenac oder Ibuprofen werden gastrointestinale Nebenwirkungen wie das Auftreten eines gastroduodenalen Ulkuskrankheit sehr selten beobachtet.

Aufgrund der Möglichkeit dieser schweren Nebenwirkungen ist Metamizol in vielen Ländern nicht zugelassen. In Deutschland wird Metamizol vor allem bei kolikbedingtem Schmerz eingesetzt. Als gängige Vorsichtsmaßnahmen gelten:

  • keine langfristige Metamizolgabe (> 1 Woche)
  • Vorsicht bei vorbestehenden Knochenmarksschädigungen

8.3 Häufigkeit der Agranulozytose

Die Angaben zum Agranulozytoserisiko von Metamizol schwanken. Dabei werden Zahlen von 1 zu 1,1 Millionen Anwendungswochen[2] bis hin zu 1 auf 1.439 Verordnungen[3] genannt. Der Konsens geht dahin, dass es sich bei der Agranulozytose um eine sehr seltene Nebenwirkung mit einer Häufigkeit von < 1 auf 10.000 Behandlungen handelt.

9 Störfaktor

Metamizol kann Laboruntersuchungen stören, die auf der Trinder-Reaktion basieren (Präanalytik). Die Entnahme von Blutproben sollte vor der Gabe von Metamizol erfolgen.

10 Quellen

  1. Nassini et al., 2015
  2. Risks of agranulocytosis and aplastic anemia. A first report of their relation to drug use with special reference to analgesics. The International Agranulocytosis and Aplastic Anemia Study. JAMA 1986; 256: 1749–57
  3. Hedenmalm K, Spigset O: Agranulocytosis and other blood dyscrasias associated with dipyrone (metamizole). Eur J Clin Pharmacol 2002; 58: 265–74

Diese Seite wurde zuletzt am 23. Mai 2013 um 10:09 Uhr bearbeitet.

Guter Hinweis. Wäre schön, wenn du das selbst einbaust.
#5 am 15.11.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Vielleicht wäre es interessant oder gut zu erwähnen, dass Novalgin bzw. Metamizol ein „Hapten“ ist und es deshalb zu einer schwerwiegenden Aggranulozytose kommen kann. Ein Hapten bindet an Proteine Bzw. Oberflächen. In diesem Fall an Neutrophilen Granulozyten. Das Abwehrsystem des Körpers bildet dann Antikörper, die einen Ausfall dieser enstandenen Komplexe induzieren und somit einen „mit“ Untergang der Granulozyten. Es folgt eine Agranulozytose. Handelt es sich um einen Komplex zwischen Vorläufer Granulozyten und Metamizol, ist das Knochenmark miteinbezogen. Gruß aus Köln
#4 am 14.11.2019 von Süly Kanatli (Student/in der Humanmedizin)
Sie ist so selten (<1 auf 10.000 Anwendungen), dass man das Risiko in Kauf nimmt.
#3 am 13.08.2019 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
Nachdem andere NSAR wegen ihrer Nebenwirkungen am Herz in Verruf geraten sind (Diclofenac, Ibuprofen) wird doch vermehrt Metamizol auch als Dauermedikation verordnet. Ist den Ärzten die Nebenwirkung der Leukopenie bekannt oder ist sie so selten, dass man dieses Risiko in Kauf nimmt?
#2 am 17.03.2017 von Gast (Apotheker/in)
Es gibt drei verschieden Tageshöchstdosen: 3g/d für die Tropfen, 4g/d für Tabletten, Brausetabletten, Suppositorien und 5g/d für die Injektionslösung.
#1 am 17.01.2017 von Falk Kröber (Selbstst. Apotheker)

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

84 Wertungen (3.74 ø)

363.531 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2020 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: