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Meningeom

Version vom 4. Februar 2015, 14:16 Uhr von Nicht mehr aktiv :-( (Diskussion | Beiträge)

Synonym: Meningiom
Englisch: meningeoma

1 Definition

Meningeome sind Tumoren, die ihren Ursprung von den Hirnhäuten nehmen und praktisch nur bei Erwachsenen vorkommen.

2 Einteilung

  • nach dem Malignitätsgrad von Grad I, benigne bis maligne, anaplastisch, Grad III bis IV
  • nach dem histologischen Erscheinungsbild (siehe weiter unten)

3 Ätiologie

Meningeome sind pathologische Proliferate veränderter Zellen der Arachnoidea. Die zur Transformation führende Ursache ist zur Zeit (2014) noch nicht genau bekannt. Nach Radiatio und bei Patienten mit Neurofibromatose Typ II kommen Meningeome vermehrt vor. Auffällig ist eine Monosomie 22 bei 27% der Meningeome.

4 Epidemiologie

15% aller hirneigenen Tumoren sind Meningeome. Die meisten Patienten erkranken zwischen dem 40 und 60 Lebensjahr. Frauen werden bevorzugt. Jüngere Patienten neigen zu höher malignen Meningeomen.

5 Lokalisation

90 % der Meningeome wachsen intrakraniell, 9% spinal und 1% ektop in der Orbita, am Nacken, im Thorax, in der Haut, den Nasennebenhöhlen oder der Parotis. Intrakraniell kommen Menigeome vor allem in der Nähe der arachnoidalen Granulationen vor, am häufigsten parasagittal im mittleren Drittel des Sinus sagittalis superior und an der Konvexität in Nachbarschaft zur Koronarnaht (zusammen 50%). Weitere Lokalisationen sind Planum sphenoidale, Keilbeinflügel, Bulbus olfactorius, Foramen magnum, Nervus opticus und Tentorium, oder seltener intraventrikulär im linken Seitenventrikel an der Tela choroidea.

9% aller Patienten haben multiple Meningeome.

In der Literatur finden sich sporadische Berichte über Metastasen von Fremdtumoren im Inneren von Meningeomen.

6 Morphologie und Histologie

Makroskopisch handelt es sich um glatt begrenzte, gut demarkierte und feste Raumforderungen. Sie können plan oder kugelig sein. Histologisch lassen sich in der üblichen HE-Färbung basophile Psammomkörperchen sowie charakteristische Wirbelbildungen nachweisen. Zellkernatypien sind nicht untypisch. Immunhistochemisch zeigen sich mesenchymale Zellen mit Vimentin und epitheliale Anteile mit epithelialem Membranantigen.

Im Detail unterscheidet man folgende "typische" histologische Subtypen:

  1. meningothelial oder synzytial mit Wirbelbildung aber nur wenigen Psammonkörperchen
  2. fibroblastisch mit einem Zellrasen
  3. transitional mit synzytialen und fibroblastischen Bestandteilen; der mit Abstand häufigste histopathologische Befund.
  4. psammomatös
  5. angiomatös

Die "atypischen" Meningeome zeichnen sich durch eine vermehrte Zelldichte, eine erhöhte Mitoserate und nekrotische Anteile aus. Nur die anaplastischen Meningeome infiltrieren das Gehirn.

Anaplastische Meningeome sind v.a. in jüngeren Patienten papillär, wachsen schnell, haben eine hohe Mitoserate und zahlreiche nekrotische Anteile.

7 Pathophysiologie

7.1 Rezeptoren

Meningeome verfügen gehäuft über Rezeptoren für Östrogen, Progesteron, Peptide, Amine, Androgene, Kortison, Somatostatin oder Cholezystokinin. So können sie vermehrt z.B. während der Schwangerschaft wachsen.

7.2 Blutversorgung

Die Blutversorgung ist über meningeale Äste der Arteria carotis externa gewährleistet. Zusätzlich können sie parasitär über Pia-Äste der Arteria carotis interna gespeist werden.

7.3 Wachstum

Meningeome wachsen verdrängend, können jedoch Dura und Schädelknochen hyperostotisch arrodieren. Lytische Kalottenveränderungen durch Meningeome kommen praktisch nicht vor.

8 Symptomatik

Menigeome erreichen oft eine beträchtliche Größe ohne symptomatisch zu werden, da sie in der Regel nur langsam wachsen. Viele Meningeome machen sich erst durch das perifokale Ödem bemerkbar. Häufig Erstsymptome sind, natürlich je nach Lokalisation variierend, Visusminderung, Kopfschmerzen, epileptische Anfälle oder Gangunsicherheit bei intrakranieller Lage.

Eine besondere Symptomkonstellation bietet das Forster-Kennedy-Syndrom: Eine Optikusatrophie am ipsilateralen Auge und ein Papillenödem am kontralateralen Auge bei Olfaktoriusmeningeomen.

Spinal verursachen Menigeome lokale Kompressionssymptome mit Schmerzen im entsprechenden Dermatom und ggf. Sensibilitätsstörungen und Wurzelparesen. Bei beträchtlicher spinaler Raumforderung kommt es zu einer Spinalkanalstenose mit Myelopathie.

9 Diagnostik

Wegen ihrer Kalkanteile haben Meningeome in der Computertomografie ein charakteristisches Aussehen. Sie reichern zu 90% Kontrastmittel an, 75% erscheinen hyperdens, 25% isodens, 25% sind verkalkt und 10% haben zystische Anteile. Fast beweisend für das Vorliegen eines Meningeoms sind sonnenstrahlartige Duraausläufer.

Zusammen mit der oft wenig ausgeprägten Klinik gilt die Diagnose als fast gesichert.

10 Therapie

Die Therapie der Meningeome ist unter anderem abhängig von ihrer Ausdehnung, ihrer Lokalisation und vom Malignitätsgrad. Wenn keine Kontraindikationen vorliegen, wird eine operative Entfernung angestrebt. Weitere Behandlungsmöglichkeiten sind die fraktionierte oder stereotaktische Bestrahlung (Radiatio) oder das Gamma-Knife.

11 Prognose

Die Prognose der "typischen" Meningeome ist gut: eine vollständige Tumorentfernung ist einer Heilung gleich zu setzen.

Das Outcome der atypischen Meningeome ist trotz fehlender Gehirninvasion nicht besonders gut: die 5-Jahres-Überlebensrate beträgt lediglich 30%. Bei 50% der behandelten Patienten kommt es innerhalb von 1-2 Jahren zum Rezidiv. 5% der Meningeome metastasieren.

Die anaplastischen Meningeome wachsen infiltrativ und metastasieren in 30% der Fälle. 70% der behandelten Patienten erleiden mindestens ein Rezidiv.

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Fachgebiete: Neurochirurgie

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Februar 2015 um 14:16 Uhr bearbeitet.

Überprüft und Angaben aktualisiert. Die Datenlage zur 5-Jahres-Überlebensrate der verschiedenen Meningeom-Grade ist leider nicht sehr gut. Sie soll für maligne Meningeome bei rund 50% liegen.
#4 am 12.07.2017 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
In Abschnitt 11 Prognose scheint mir eine Verwechslung vorzuliegen. Ggf. wurde hier anaplastisch und atypisch verwechselt? Diese derart schlechte Prognose (insbes. die 5-Jahres-Überlebensrate) für ein gutartiges, nicht metastasierendes Grad II Meningeom habe ich in keiner anderen Quelle gelesen. Bitte überprüfen. Danke.
#3 am 07.07.2017 von Gast (Biologe/in | Chemiker/in | Naturwissenschaftler/in)
Hallo Herr Meissner, wenn Sie Fehler in Artikeln entdecken, freuen wir uns sehr, wenn Sie sie selbst verbessern. Das Flexikon ist ein Mitmach-Service, bei dem sich jeder beteiligen kann. Sollten Sie Fragen haben bezüglich des Bearbeitens von Artikeln haben, können Sie sich gerne an mich wenden. Mit freundlichem Gruß Hannah Schulten
#2 am 04.01.2017 von Hannah Theresa Schulten (DocCheck Team)
Hallo, ich glaube es ist ein Fehler hier: Meningeome sind NICHT hirneigene Tumoren. Zitat: "Epidemiologie: 15% aller hirneigenen Tumoren sind Meningeome." Gruß AM
#1 am 18.12.2016 von Andreas Meissner (Student/in der Humanmedizin)

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