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Mandibula

Version vom 16. März 2008, 02:36 Uhr von Nicht mehr aktiv :-( (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Mandibel, Unterkiefer, Unterkieferknochen
Englisch: mandible, lower jaw

1 Definition

Die Mandibula ist der größte und stärkste Knochen des Gesichtsschädels. Er besteht aus einem U-förmig gebogenen Körper, dem Corpus mandibulae, und zwei rechts und links an den Kieferwinkeln (Anguli mandibulae) aufsteigenden Ästen, den Rami mandibulae.

2 Corpus mandibulae mit Processus alveolaris

Das Corpus mandibulae ist hufeisenförmig gebogen. Seine obere Begrenzung ist der Alveolarfortsatz (Processus alveolaris), der die 16 knöchernen Zahnfächer enthält und je nach Bezahnung in seiner Form erheblich variieren kann. Bei Zahnverlust im Alter verschwindet der Alveolarfortsatz aus diesem Grunde fast völlig, so dass dieses keine Varietät, sondern eine physiologische Veränderung darstellt.

Der untere Rand des Corpus mandibulae geht nach dorsal beidseits in den Angulus mandibulae über. Der Corpus weist 2 Flächen auf:

2.1 Facies externa

Als Facies externa bezeichnet man die konvexe Seite der Mandibula. In der Medianlinie markiert eine kleine Knochenleiste den Ort, an dem die rechten und linken Anteile des Unterkieferknochens während der Embryonalzeit zusammenwachsen. Er wird wie beim Schambein als Symphyse bezeichnet. Die Knochenleiste teilt sich auf ihrem Verlauf nach kaudal und geht dort in eine dreieckige Erhebung, die Protuberantia mentalis (Kinnvorsprung) über. Sie weist links und rechts je eine Erhebung (Tuberculum mentale) auf, die beidseits später in einen feinen, schräg über den Knochen verlaufenden Grat übergeht (Linea obliqua).

Die Linea obliqua läuft nach kranial und dorsal bis zum vorderen Rand des jeweiligen Ramus mandibulae. An ihr haben der Musculus triangularis und der Musculus depressor labii inferioris ihren Urspung, kaudal davon setzt das Platysma an. Kranial der Linea obliqua am Alveolarfortsatz direkt unterhalb der Molaren findet sich der Ansatz des Musculus buccinator.

Unterhalb der Schneidezähne verläuft die Fossa incisiva, die als Ursprung des Musculus mentalis und eines Teils des Musculus orbicularis oris dient. Kaudal des zweiten Prämolaren tritt beidseits im Foramen mentale der Nervus mentalis, und die Arteria und Vena mentalis aus.

2.2 Facies interna

Die konkave Seite der Mandibula ist die Facies interna. Nahe des unteren Teils der Symphyse imponieren kleine Vorsprünge, die Spinae mentales, die den Ursprung des Musculus genioglossus und Musculus geniohyoideus darstellen. Diese Spinae können jedoch auch zu einer Knochenleiste oder einem Tuberculum konfluieren. Unterhalb der Spinae liegt die kleine ovale Fossa digastrica mandibulae, die den Ursprung des Musculus digastricus darstellt. Nach dorsal und kranial steigt - den Verlauf der außen liegenden Linea obliqua imitierend - beidseits die Linea mylohyoidea mandibulae auf. Sie ist der Urprung des Musculus mylohyoideus, im hinteren Teil des Musculus constrictor pharyngis superior. Oberhalb und unterhalb der Linea erkennt man zwei Vertiefungen (Fossae), in denen sich die Glandula sublingualis bzw. die Glandula submandibularis an den Knochen anlagern.

3 Ramus mandibulae

Der beidseits an den Anguli mandibulae entspringende Unterkieferast (Ramus mandibulae) hat eine viereckige Grundform mit 2 Flächen, 4 Rändern und 2 Vorsprüngen (Processi).

3.1 Processus coronoideus

Der Processus coronoideus ist ein dünner, dreieckiger, beidseitig abgeplatteter Knochenvorsprung. Sein anteriorer Rand ist konvex und geht kaudal in die Margo anterior des Ramus mandibulae über. Der posteriore Rand ist konkav und formt den Vorderrand der Incisura mandibulae. Die laterale Fläche ist glatt und dient als Ansatz für den Musculus masseter und den Musculus temporalis. Die mediale Fläche dient ebenfalls als Muskelansatz für den Musculus temporalis. Sie weist eine kleine Knochenkante auf, die nach anteroinferior zum letzten Molaren läuft. Zwischen dieser und dem Vorderrand des Ramus mandibulae liegt ein kleine dreieckige Fläche, die dem Musculus temporalis und einigen Fasern des Musculus buccinator als Ansatz bzw. Ursprung dient.

3.2 Processus condylaris

Der Processus condylaris ist massiver als der Processus coronoideus und besteht aus zwei Teilen: Dem Unterkieferhals (Collum mandibulae) und dem Gelenkköpfchen (Caput mandibulae).

Das Caput mandibulae bildet zusammen mit dem dazwischen liegenden Meniscus articularis und der Fossa mandibularis des Os temporale das Kiefergelenk (Articulatio temporomandibularis). Es besitzt eine in Längs- und Querrichtung konvexe Oberfläche. Seine Längsachse weist nach medial und leicht nach dorsal. Am lateralen Ausläufer des Gelenkköpfchens findet sich ein kleines Tuberkel, das dem Ligamentum temporomandibulare als Ansatz dient.

Das Collum mandibulae ist relativ grazil ausgeprägt und wird durch seitlich und frontal herabziehende Knochenleisten verstärkt. Die Vorderseite ins konkav und bildet die dorsale Begrenzung der Incisura mandibulae. Medial setzt der Musculus pterygoideus externus an.

Fachgebiete: Kopf und Hals

Danke für Deinen Kommentar, Tina! :-) Dieses 3D-Modell wird heute auch bei der Live OP der Sectio chirurgica auf DocCheck zu sehen sein. Das Thema der Live OP: „Der Unterkiefer-Defekt beim Mundhöhlenkarzinom - Computergeplante Rekonstruktion mit mikrochirurgischem Fibulatransplantat“. Alle Infos hier: http://docc.hk/live
#2 am 27.10.2016 von Dr. Carina Hönscher
Diese 3D - Animation ist grandios!!! Man möchte nur noch lernen!
#1 am 24.10.2016 von Tina Röhl (Tierärztin)

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