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Mallory-Weiss-Syndrom: Unterschied zwischen den Versionen

 
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Als '''Mallory-Weiss-Syndrom''' werden longitudinale [[Schleimhaut]]einrisse im Grenzgebiet zwischen [[Magen]] und [[Ösophagus]] bezeichnet. Der Beginn der Schleimhauteinrisse ist dabei definitionsgemäß im Magen.
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Als '''Mallory-Weiss-Syndrom''' werden longitudinale [[Schleimhaut]]einrisse im Bereich des [[gastroösophagealer Übergang|gastroösophagealen Übergangs]] bezeichnet. Im Gegensatz zum [[Boerhaave-Syndrom]] sind die Läsionen auf die [[Mukosa]] und [[Submukosa]] beschränkt.
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*[[ICD10]]-Code: K22.6 - Mallory-Weiss-Syndrom
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Das Mallory-Weiss-Syndrom ist für ca. 2-10 % aller stationären Aufenthalte aufgrund einer oberen [[gastrointestinale Blutung|gastrointestinalen Blutung]] verantwortlich. Männer sind dreimal häufiger betroffen.
  
 
==Ätiologie==
 
==Ätiologie==
Das Mallory-Weiss-Syndrom tritt gehäuft bei [[Alkoholiker]]n mit vorgeschädigter Schleimhaut und im Rahmen einer chronischen [[Refluxösophagitis]] auf. Die Auslösesituation umfasst insbesondere den Zeitraum nach einem Alkoholexzess mit [[Erbrechen]] und damit verbundener Druckerhöhung im Magen und Ösophagus.
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Das Mallory-Weiss-Syndrom entsteht durch [[Erbrechen]], Würgen oder heftiges [[Husten]]. Es tritt gehäuft bei [[Alkoholiker]]n mit vorgeschädigter [[Schleimhaut]] und im Rahmen einer chronischen [[Refluxösophagitis]] auf. Die Auslösesituation umfasst insbesondere den Zeitraum nach einem Alkoholexzess mit [[Erbrechen]] und damit verbundener Druckerhöhung im [[Magen]] und [[Ösophagus]].  
  
 
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==Klinik==
Betroffene Patienten berichten über Blut im Erbrochenen ([[Hämatemesis]]) und Schmerzen im Epigastrium. In der Anamnese lässt sich häufig eine zeitlich nah vorangehende typische Auslösesituation eruieren.
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Betroffene Patienten berichten über Blut im Erbrochenen ([[Hämatemesis]]) und [[Schmerz]]en im [[Epigastrium]]. [[Anamnestisch]] wird oft über ein vorhergehendes Erbrechen berichtet.
  
Komplizierend kann es beim Mallory-Weiss-Syndrom zu massiven [[Blutung]]en aus den Schleimhauteinrissen kommen, insbesondere bei Arrosion von [[arteriell]]en Gefäßen.
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Die [[Blutung]] sistiert bei 80-90 % der Patienten spontan. Komplizierend kann es jedoch zu massiven Blutungen aus den Schleimhauteinrissen kommen, insbesondere bei [[Arrosion]] von submukösen [[Arteriole]]n.  
  
 
==Diagnostik==
 
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Die Diagnose kann durch eine [[Ösophagogastroduodenoskopie]] gesichert werden, welche auch eine direkte therapeutische Intervention ermöglicht.
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Die Diagnose kann durch eine [[Ösophagogastroduodenoskopie]] (ÖGD) gesichert werden, welche auch eine direkte therapeutische Intervention ermöglicht.
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==
Die Therapie des Mallory-Weiss-Syndroms kann in der Regel [[Endoskopie|endoskopisch]] durchgeführt werden. Dabei werden Blutungen sorgfältig und unter wiederholter Spülung und Sichtkontrolle gestillt. Die Blutstillung erfolgt hierbei entweder mit [[Clips]] oder [[Fibrinkleber]].
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Akut blutende Läsionen werden [[Endoskopie|endoskopisch]] unter wiederholter Spülung und Sichtkontrolle mit [[Clip]]s oder [[Fibrinkleber]] gestillt. Weiterhin kann [[topisch]]es [[Adrenalin]] verabreicht oder eine [[angiografisch]]e [[Embolisation]] durchgeführt werden.
  
Nur selten ist ein [[Chirurgie|chirurgisches]] Vorgehen unumgänglich. Dabei werden größere Blutungen überstochen oder es erfolgt eine befundadaptierte [[Resektion]] von Anteilen des Magens.  
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Nur selten ist ein [[Chirurgie|chirurgisches]] Vorgehen notwendig. Dabei werden größere Blutungen überstochen oder es erfolgt eine befundadaptierte [[Resektion]] von Anteilen des Magens.  
  
Zur Überbrückung zwischen endoskopischem und operativen Eingriff kann eine [[Ballonsonde]] eingelegt werden. Dies sollte nur kurzfristig erfolgen, da Durchblutungsstörungen zu [[Drucknekrose]]n führen können.
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Zur Überbrückung zwischen endoskopischem und operativen Eingriff kann in Ausnahmefällen eine [[Ballonsonde]] eingelegt werden. Dies sollte nur kurzfristig erfolgen, da [[Drucknekrose]]n und [[Perforation]]en drohen.
 
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Aktuelle Version vom 16. November 2020, 18:44 Uhr

nach dem amerikanischen Pathologen George Kenneth Mallory (1900-1986) und dem ungarisch-stämmigen Arzt Soma Weiss (1898-1942)
Synonym: Mallory-Weiss-Läsion
Englisch: Mallory-Weiss lesion

1 Definition

Als Mallory-Weiss-Syndrom werden longitudinale Schleimhauteinrisse im Bereich des gastroösophagealen Übergangs bezeichnet. Im Gegensatz zum Boerhaave-Syndrom sind die Läsionen auf die Mukosa und Submukosa beschränkt.

  • ICD10-Code: K22.6 - Mallory-Weiss-Syndrom

2 Epidemiologie

Das Mallory-Weiss-Syndrom ist für ca. 2-10 % aller stationären Aufenthalte aufgrund einer oberen gastrointestinalen Blutung verantwortlich. Männer sind dreimal häufiger betroffen.

3 Ätiologie

Das Mallory-Weiss-Syndrom entsteht durch Erbrechen, Würgen oder heftiges Husten. Es tritt gehäuft bei Alkoholikern mit vorgeschädigter Schleimhaut und im Rahmen einer chronischen Refluxösophagitis auf. Die Auslösesituation umfasst insbesondere den Zeitraum nach einem Alkoholexzess mit Erbrechen und damit verbundener Druckerhöhung im Magen und Ösophagus.

4 Klinik

Betroffene Patienten berichten über Blut im Erbrochenen (Hämatemesis) und Schmerzen im Epigastrium. Anamnestisch wird oft über ein vorhergehendes Erbrechen berichtet.

Die Blutung sistiert bei 80-90 % der Patienten spontan. Komplizierend kann es jedoch zu massiven Blutungen aus den Schleimhauteinrissen kommen, insbesondere bei Arrosion von submukösen Arteriolen.

5 Diagnostik

Die Diagnose kann durch eine Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD) gesichert werden, welche auch eine direkte therapeutische Intervention ermöglicht.

6 Therapie

Akut blutende Läsionen werden endoskopisch unter wiederholter Spülung und Sichtkontrolle mit Clips oder Fibrinkleber gestillt. Weiterhin kann topisches Adrenalin verabreicht oder eine angiografische Embolisation durchgeführt werden.

Nur selten ist ein chirurgisches Vorgehen notwendig. Dabei werden größere Blutungen überstochen oder es erfolgt eine befundadaptierte Resektion von Anteilen des Magens.

Zur Überbrückung zwischen endoskopischem und operativen Eingriff kann in Ausnahmefällen eine Ballonsonde eingelegt werden. Dies sollte nur kurzfristig erfolgen, da Drucknekrosen und Perforationen drohen.

Diese Seite wurde zuletzt am 16. Juni 2014 um 14:44 Uhr bearbeitet.

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