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Lambert-Eaton-Syndrom

Version vom 20. Januar 2014, 11:48 Uhr von Dr. Frank Antwerpes (Diskussion | Beiträge)

Synonym: Lambert-Eaton-Myasthenisches-Syndrom, LEMS, LES. Pseudomyasthenie Lambert-Eaton-Rooke
Englisch: Lambert-Eaton syndrome, Lambert-Eaton myasthenic syndrome

1 Definition

Das Lambert-Eaton-Syndrom ist eine Autoimmunerkrankung des peripheren Nervensystems.

Das Lambert-Eaton-Syndrom ist eine Differentialdiagnose zur Myasthenia gravis, einer klinisch ähnlichen, jedoch weitaus häufigeren Erkrankung.

2 Pathophysiologie

Im Rahmen eines Lambert-Eaton-Syndroms ist die Freisetzung von Acetylcholin an cholinergen Synapsen und damit die neuromuskuläre Signalübertragung gestört. Ursache dafür sind Autoantikörper, die präsynaptisch die Dichte von spannungsgesteuerten Calcium-Kanälen vom Typ P/Q reduzieren, so dass der Einstrom von Calciumionen in die Endplatte vermindert ist. Die Folge ist eine ebenfalls verminderte Freisetzung des Transmitters Acetylcholin an der motorischen Endplatte. Postsynaptisch ist das durch Depolarisation ausgelöste Endplattenpotential zu gering, um ein Aktionspotential an der Muskelfaser zu erzeugen.

Darüber hinaus kann es beim Lambert-Eaton-Syndrom zu autonomen Störungen kommen, da auch an den muscarinergen Synapsen des autonomen Nervensystem die Freisetzung von Acetylcholin beeinträchtigt ist.

3 Ursachen

3.1 Paraneoplastisches Lambert-Eaton-Syndrom

In 50 bis 60 % der Fälle tritt das Lambert-Eaton-Syndrom paraneoplastisch auf. Es wird dann als "PLEMS" bezeichnet. Am häufigsten handelt es sich dabei um das kleinzellige Bronchialkarzinom (SCLC). Ein Grund dafür ist, dass das kleinzelige Bronchialkarzinom häufig an seiner Oberfläche ebenfalls Calciumkanäle vom Typ P/Q ausbildet.

3.2 Idiopathisches Lambert-Eaton-Syndrom

In den Fällen ohne Tumorassoziation ist der Autoimmunprozess ungeklärt. Das idiopathische Lambert-Eaton-Syndrom ist gehäuft mit weiteren Autoimmunerkrankungen assoziiert, u.a. - jedoch selten - mit der Myasthenia gravis.

4 Symptomatik

Betroffene weisen als Anfangssymptom charakteristischerweise eine beinbetonte Gliedergürtelschwäche auf. Das Fortschreiten der Muskelschwäche erfolgt in der Regel von unten nach oben und von proximal nach distal. Während bei der Myasthenia gravis das Anfangssymptom Augenmuskelparesen und Doppelbilder sind und in vielen Fällen auch das einzige Symptom bleibt (Okuläre Myastenie), treten Augensymptome beim Lambert-Eaton-Syndrom selten und meist erst im späteren Verlauf der Erkrankung auf.

Weitere Symptome sind:

Wenn Patienten über anhaltende, ggf. sich verschlimmernde Schwierigkeiten beim Treppensteigen oder Aufstehen aus der Sitzposition klagen, sowie über eine reduzierte Gehstrecke, sollte bei der Differenzialdiagnose immer das Lambert-Eaton-Syndrom mit einbezogen werden.

Cave: Beim Lambert-Eaton-Syndrom gibt es nicht selten untypische Symptome und Verläufe.

5 Diagnose

Die Diagnose des Lambert-Eaton-Syndrom wird vor allem durch Befunde aus Elektromyogramm, Labormedizin, Anamnese und neurologischer Untersuchung gestützt.

5.1 Neurologische Untersuchung

Bei klinischer Prüfung der Muskelkraft (z.B. Handgriff) nimmt die Maximalkraft bei anhaltender willkürlicher Kraftanwendung über einige Sekunden zu (Lambert-Zeichen), was man als "Inkrement" bezeichnet. Abgeschwächte Muskeleigenreflexe können durch Erzeugung eines "Reflex-Inkrements" (kurz hintereinander wiederholte Reflexhammerschläge) kurzfristig belebt werden.

5.2 Elektromyogramm

Bei wiederholter Reizung eines Muskels kommt es durch die Akkumulation von Acetylcholin zu einer stärkeren Muskelkontraktion, die sich in Form höherer Amplituden bemerkbar macht.

5.3 Labormedizin

Bei ca. 85 % der betroffenen Patienten ist der Nachweis von Autoantikörpern gegen den Calcium-Kanal (VGCC = voltage gated calcium channel) möglich. Antikörper gegen VGCC Typ P/Q werden auch bei einigen Patienten mit Bronchialkarzinom ohne LEMS-Symptome gefunden und unter anderem auch bei paraneoplastischer Kleinhirndegeneration mit und ohne LEMS.

Antikörper gegen das SOX1-Antigen finden sich bei etwa 70% der Fälle mit paraneoplastischem LEMS.

5.4 Bildgebung

Zum Ausschluss eines Bronchialkarzinoms werden Thorax-CT und FDG-PET durchgeführt. Bei paraneoplastischem Verlauf wird das Karzinom in einem Zeitraum von 1 bis 3 Jahren nach dem Auftreten der typischen LEMS-Symptome manifest.

6 Therapie

Bei einem als Paraneoplasie auftretenden Lambert-Eaton-Syndrom ist primär die zugrundeliegende maligne Neoplasie zu therapieren. Der Verlauf ist dann vom Erfolg der Tumortherapie abhängig. Bei erfolgreicher Therapie des Tumors kann es zur kompletten Remission kommen.

Bei idiopathischen Formen kann eine Immunsuppression mittels Glukokortikoiden und Azathioprin die Produktion von Autoantikörpern verringern. Falls ein zufriedenstellender Erfolg ausbleibt, können zusätzlich Immunsuppressiva (z.B. Rituximab) oder eine Plasmapherese versucht werden.

Die Gabe von 3,4-Diaminopyridin kann über eine Blockade von präsynaptischen Kaliumkanälen indirekt die Freisetzung von Acetylcholin steigern.

7 Weblinks

7.1 Selbsthilfe

Fachgebiete: Neurologie

Diese Seite wurde zuletzt am 23. Januar 2014 um 01:09 Uhr bearbeitet.

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