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Kriseninterventionsraum

Version vom 22. Juli 2017, 15:34 Uhr von Kevin De Smet (Diskussion | Beiträge)

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Synonyme: Gummizelle, Weichzelle, Kriseninterventionsbereich (KIB) oder -raum (KIR)

Englisch: Padded Cell, Personal Safety Room

1 Definition

Ein Krisenraum ist ein in psychiatrischen Einrichtungen mit Sicherheitsvorkehrungen ausgestatteter Raum zur Unterbringung von Patienten die sich in einer akuten Krise befinden, z.B. akut fremd- und/oder eigengefährdet sind oder solche, die als besonders gefährlich gelten.

2 Im Stationsalltag

Krisenräume sind vor allem für geschlossene Psychiatrien und forensische Psychiatrien vorgesehen.

Auf geschützten Stationen handelt es sich am ehesten um gepolsterte, eventuell mit Gummi ausgekleidete Räume bei denen es für Patienten praktisch unmöglich ist, sich im Rahmen ihrer psychischen Erkrankung, z.B. einer Psychose, zu verletzten. Aufgrund der Möglichkeit, Menschen medikamentös zu therapieren (Sedativa, Neuroleptika) sind sie in Psychiatrien fast überflüssig geworden und teilweise nicht mal mehr vorhanden. In psychiatrischen Forensiken handelt es sich um Kriseninterventionsräume/bereiche, die oft bei der Aufnahme von Patienten verwendet werden, um diese zu vidieren (Videoüberwachung plus engmaschige Dokumentation rund um die Uhr) bzw. generell zwecks der Einschätzung zu beobachten. Bei Patienten, bei denen es innerhalb des Stationsalltages zu Gewalt gegenüber sich selbst, Mitpatienten, Personal oder der Einrichtung selbst kam kommen sie ebenso zum Einsatz. Genannte Räume sollten immer mit Kameras ausgestattet sein, damit das Personal von ihrem Stützpunkt aus die Patienten beobachten kann. Ebenso haben solche Räume im Normalfall eine Patientenrufanlage. Der Raum hat teilweise eine interne Dusche und eigentlich immer ein Waschbecken und eine Toilette (z.B. aus Metall). Gefährdende Utensilien und Steckdosen hat dieser Raum nicht. Es gibt oft Vorräume (Schleusen) und doppelt gesicherte Türen mit einer Kostklappe und eventuell ein Sichtfenster (verschließbar). Patienten halten sich in diesen Räumen ohne Zwangsjacke (wie damals üblich) oder Handschellen auf. Jedoch sind oft Fixierungsmatratzen vorhanden, um eine, sofern die Indikation besteht, schnelle Fixierung gewährleisten zu können. Die Mahlzeiten werden über die 'Kostklappe' verabreicht und die Patienten dürfen oft nicht mehr als einen Löffel nutzen. Ob ein Patient vidiert wird, sprich videoüberwacht, alle 15 Minuten eine kurze Dokumentation folgen muss und stets eine Pflegekraft zur Verfügung steht um die Überwachung zu übernehmen, muss ärztlich angeordnet sein. Es ist auch möglich einen Patienten ohne dieser engmaschigen Kontrolle dort unterzubringen.

3 Indikation für Unterbringung

Eine Unterbringung in solch einem Bereich muss ärztlich angeordnet werden und ist unteranderem indiziert bei:

  • Eigengefährdung
  • Fremdgefährdung

4 Wirkung

Welche Auswirkungen ein Aufenthalt in solch einem Raum auf den jeweiligen Patienten hat ist vom Krankheitsbild, der Aufenthaltsdauer und vom Individuum abhängig.

Bei manchen führt die Deprivation und der Mangel an Reize zu einer Reduktion des Allgemeinzustandes und eventuell zu einer Verschlimmerung der vorherrschenden Symptome. Es kommt also zu einem psychischen Hospitalismus. Wiederum kann es bei Patienten, vorrangig jene, die Probleme bei der Verarbeitung von Stimuli haben, zu einer Art „Erholung“ kommen. Die Patienten kommen sozusagen „zur Ruhe“ und zeigen dadurch eine Linderung von Symptomen wie Aggressivität, Impulsivität, Nervosität usw.

5 Pflege

Die Beobachtung, Dokumentation, die Medikamenten- und Essensausgabe sowie eventuelle Freigänge (dann meist in Handschellen und mit mehreren Pflegekräften) gehören zur Aufgabe der Pflege. Sollte der Patient dennoch gefährdet sein (z.B. durch einen somatischen Notfalll wie einem Herzinfarkt oder durch einen Suizidversuch (Strangulieren an Klamotten o.ä.), muss die Pflege intervenieren. Für Pflegende kann ein in der Form abgesonderter Patient sehr belastend sein. Einmal dadurch, dass wenn der Patient vidiert wird sich das Prozedere als sehr anstrengend gestaltet und dadurch, dass es sich häufig um sehr kranke, schwer zu handhabende Patienten handelt die oft alles in ihrer Macht stehende Versuchen, den Raum zu verlassen oder das Personal den Raum betreten muss (Gewalt, Vortäuschen von Krankheiten, Verschlucken von Gegenständen etc.).

6 Rechtsgrundlage

Die Absonderung eines Patienten in ein KIB ist als Sicherungsmaßnahme durch das Maßregelvollzugsgesetz legitimiert. Das einleiten und die regelmäßige Verlängerung (alle 24 Stunden) dieser Maßnahme muss über ärztliche Anordnungen erfolgen.

Diese Seite wurde zuletzt am 24. Juli 2017 um 18:21 Uhr bearbeitet.

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