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Krampfanfall: Unterschied zwischen den Versionen

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==Ätiologie==
 
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Die infrage kommenden Ursachen eines Krampfanfalls sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem epileptischen Anfall und einem nichtepileptischen Anfall.
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Die infrage kommenden Ursachen eines Krampfanfalls sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem epileptischen Anfall und einem nichtepileptischen Anfall, wobei die Einteilung z.T. willkürlich ist und Überschneidungen aufweist.  
  
 
===Epileptischer Anfall===
 
===Epileptischer Anfall===
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* strukturellen Veränderungen: Narbe, Hippokampussklerose, perinatale Schädigung, arteriovenöse Malformation  
 
* strukturellen Veränderungen: Narbe, Hippokampussklerose, perinatale Schädigung, arteriovenöse Malformation  
 
* metabolisch-toxischen Ursachen: Urämie, Hypoglykämie, Ketoazidose, Hyponatriämie, schwerer Alkoholabusus  
 
* metabolisch-toxischen Ursachen: Urämie, Hypoglykämie, Ketoazidose, Hyponatriämie, schwerer Alkoholabusus  
 
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* Schlafentzug
Ein epileptischer Anfall dauert meist mehr als 15 Sekunden und die Patienten zeigen postiktale ein verzögertes Aufklaren. Typisch sind Muskelzuckungen zeitgleich mit Bewusstseinsverlust, Automatismen (z.B. Schmatzen) sowie ein lateraler Zungenbiss. Vor dem Krampfanfall kann es zu einer Aura kommen. Im EEG zeigen sich typischerweise Auffälligkeiten.
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===Nichtepileptische Anfälle===
 
===Nichtepileptische Anfälle===
Krampfanfälle ohne erhöhte Epileptogenität werden als nichtepileptische Anfälle bezeichnet. Dabei unterscheidet man:  
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Krampfanfälle ohne zugrundeliegende erhöhte Epileptogenität werden als nichtepileptische Anfälle bezeichnet. Dabei unterscheidet man:  
* symptomatischer Gelegenheitsanfall: ausgelöst durch Trigger wie Alkoholentzug, Drogenintoxikation, Fieber (Fieberkrampf), Schlafentzug oder Hypoglykämie. Diese Trigger können jedoch auch einen Anfall bei zugrundeliegender Epilepsie auslösen.  
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* akut-symptomatische Anfälle (ASA): Anfälle, die während einer akuten allgemeinen Krankheitssituation (z.B. Hypoglykämie) oder in engem zeitlichen Zusammenhang (max. 1 Woche) mit einer akuten Hirnschädigung (s.o.) auftreten. Als Sonderform der ASA gelten Fieberkrämpfe. Dabei ist zu beachten, dass ein ASA in 20-30 % d.F. der Beginn einer Epilepsie und somit einen provozierten Anfall darstellen. Der Begriff "Gelegenheitsanfall" sollte nicht mehr verwendet werden.  
 
* [[Psychogener Krampfanfall]]: meist > 2 Minuten, geschlossene Augen, kein CK- oder Prolaktinanstieg  
 
* [[Psychogener Krampfanfall]]: meist > 2 Minuten, geschlossene Augen, kein CK- oder Prolaktinanstieg  
 
* konvulsive [[Synkope]]n: Myoklonien erst nach Bewusstseinsverlust, dann schnelles Aufklären
 
* konvulsive [[Synkope]]n: Myoklonien erst nach Bewusstseinsverlust, dann schnelles Aufklären
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* akustische Eindrücke (z.B. bestimmte Musik oder Rhythmen)
 
* akustische Eindrücke (z.B. bestimmte Musik oder Rhythmen)
 
* schreckhafte Momente
 
* schreckhafte Momente
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==Differenzialdiagnostik==
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Bei einem Krampfanfall muss differenzialdiagnostisch abgewogen werden, ob es sich um einen epileptischen Anfall oder z.B. um einen akut-symptomatischen Anfall handelt. Neben einer ausfühlichen Anamnese sind je nach Situation bildgebende Verfahren (CT, MRT), ein EEG und EKG sowie ggf. weiterführende Untersuchungen notwendig.
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* Augen: offen, starr, leer oder verdreht
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* Dauer: < 2 Minuten
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* postiktual meist verzögerte Reorientierung
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* Anfallsphänomene individuell meist konstant von Anfall zu Anfall
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* Muskelzuckungen zeitgleich mit Bewusstseinsverlust
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* Automatismen (z.B. Schmatzen)
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* lateraler Zungenbiss
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* ggf. vorherige Aura
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* Auffälligkeiten im EEG
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* Augen: meist geschlossen
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* Dauer: oft > 2 Minuten
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* partielle Reagibilität auf Außenreize
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* dramatischer Ablauf oder Stupor
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* verzögerte Reorientierung mit Amnesie für das Ereignis
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* Augen: offen, nach oben verdreht
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* asynchrone Myoklonien, variable Abläufe
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* oft Armbeugung, Beinstreckung
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* typischerweise zweite Nachthälte, meist jede Nacht
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* Unruhe, komplexe Handlungen und Bewegungen
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* nach dem Wecken unmittelbar Traumerinnerung
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* aus dem Tiefschlaf
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* keine Traumerinnerung, sonst wie REM-Verhaltensstörung
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| Transiente globale Amnesie || 
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* akut einsetzend, mehrere Stunden anhaltend
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* Störung aller biographischen Gedächtnisinhalte für das Ereignis
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* durch Bewegung ausgelöst
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* dyston anmutende Bewegungen
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* keine Bewusstseinsstörungen
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* variable Dauer (bis zu mehreren Monaten)
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Sobald der Krampfanfall beendet ist, müssen die Vitalzeichen des Patienten überprüft werden und je nach Situation eine Stabilisierung des Patienten (z.B. Atemwegssicherung, stabile Seitenlage) erfolgen.
 
Sobald der Krampfanfall beendet ist, müssen die Vitalzeichen des Patienten überprüft werden und je nach Situation eine Stabilisierung des Patienten (z.B. Atemwegssicherung, stabile Seitenlage) erfolgen.
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Liegt eine chronische Anfallsdisposition vor, sollte eine antikonvulsive Therapie begonnen werden.
 
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Version vom 9. Januar 2020, 16:46 Uhr

Englisch: seizure

1 Definition

Als Krampfanfall werden im Allgemeinen unwillkürlich ausgelöste Ereignisse bezeichnet, die mit krampfartigen oder zuckenden Bewegungen einhergehen. Krampfanfälle sind nicht immer ein Hinweis auf eine vorliegende Epilepsie.

2 Ätiologie

Die infrage kommenden Ursachen eines Krampfanfalls sind vielfältig. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen einem epileptischen Anfall und einem nichtepileptischen Anfall, wobei die Einteilung z.T. willkürlich ist und Überschneidungen aufweist.

2.1 Epileptischer Anfall

Ein epileptischer Anfall ist Ausdruck einer Epilepsie. Diese tritt i.d.R. ohne erkennbare Ursache auf (idiopathisch). In einigen Fällen existiert jedoch eine Erkrankung, die eine erhöhte Epileptogenität erklärt. Hierbei spricht man von einem provozierten Anfall bzw. von einer symptomatischen Epilepsie, z.B. bei:

  • akuten Hirnerkrankungen: Hirntumor, Trauma, intrazerebrale Blutung, Hirnvenenthrombose, Enzephalitis, Hirnabszess
  • strukturellen Veränderungen: Narbe, Hippokampussklerose, perinatale Schädigung, arteriovenöse Malformation
  • metabolisch-toxischen Ursachen: Urämie, Hypoglykämie, Ketoazidose, Hyponatriämie, schwerer Alkoholabusus
  • Schlafentzug

2.2 Nichtepileptische Anfälle

Krampfanfälle ohne zugrundeliegende erhöhte Epileptogenität werden als nichtepileptische Anfälle bezeichnet. Dabei unterscheidet man:

  • akut-symptomatische Anfälle (ASA): Anfälle, die während einer akuten allgemeinen Krankheitssituation (z.B. Hypoglykämie) oder in engem zeitlichen Zusammenhang (max. 1 Woche) mit einer akuten Hirnschädigung (s.o.) auftreten. Als Sonderform der ASA gelten Fieberkrämpfe. Dabei ist zu beachten, dass ein ASA in 20-30 % d.F. der Beginn einer Epilepsie und somit einen provozierten Anfall darstellen. Der Begriff "Gelegenheitsanfall" sollte nicht mehr verwendet werden.
  • Psychogener Krampfanfall: meist > 2 Minuten, geschlossene Augen, kein CK- oder Prolaktinanstieg
  • konvulsive Synkopen: Myoklonien erst nach Bewusstseinsverlust, dann schnelles Aufklären
  • Fieberkrampf bei Kleinkindern
  • Affektkrampf
  • Narkolepsie: Schlafattacken mit Schlafzwang, Kataplexie, Schlaflähmung und abnormem Schlafrhythmus
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Pavor nocturnus

3 Reflexanfälle

Eine Sonderstellung unter den Krampfanfällen nehmen die Anfälle bei den sogenannten Reflexepilepsien ein. Dazu zählt z.B. die photosensitive Epilepsie. Bei diesen Formen der Epilepsie ereignen sich Krampfanfälle bei gegebener Anfälligkeit nur bei Kontakt mit speziellen auslösenden Faktoren, darunter:

  • flackerndes Licht oder andere visuelle Eindrücke (z.B. Muster, Farben)
  • intensives Nachdenken, Grübeln
  • Lesen
  • sensible Affektionen (z.B. bestimmte Hautberührungen)
  • Essen
  • heisses Wasser bzw. Getränke
  • akustische Eindrücke (z.B. bestimmte Musik oder Rhythmen)
  • schreckhafte Momente

4 Differenzialdiagnostik

Bei einem Krampfanfall muss differenzialdiagnostisch abgewogen werden, ob es sich um einen epileptischen Anfall oder z.B. um einen akut-symptomatischen Anfall handelt. Neben einer ausfühlichen Anamnese sind je nach Situation bildgebende Verfahren (CT, MRT), ein EEG und EKG sowie ggf. weiterführende Untersuchungen notwendig.

Anfallsform Charakteristika
epileptischer Anfall
  • Augen: offen, starr, leer oder verdreht
  • Dauer: < 2 Minuten
  • postiktual meist verzögerte Reorientierung
  • Anfallsphänomene individuell meist konstant von Anfall zu Anfall
  • Muskelzuckungen zeitgleich mit Bewusstseinsverlust
  • Automatismen (z.B. Schmatzen)
  • lateraler Zungenbiss
  • ggf. vorherige Aura
  • Auffälligkeiten im EEG
psychogener Anfall
  • Augen: meist geschlossen
  • Dauer: oft > 2 Minuten
  • partielle Reagibilität auf Außenreize
  • dramatischer Ablauf oder Stupor
  • verzögerte Reorientierung mit Amnesie für das Ereignis
konvulsive Synkope  
  • Augen: offen, nach oben verdreht
  • asynchrone Myoklonien, variable Abläufe
  • oft Armbeugung, Beinstreckung
  • meist rasche Reorientierung (< 1 Minute)
REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • Augen: geschlossen
  • typischerweise zweite Nachthälte, meist jede Nacht
  • Unruhe, komplexe Handlungen und Bewegungen
  • nach dem Wecken unmittelbar Traumerinnerung
Non-REM-Schlaf-Verhaltensstörung
  • aus dem Tiefschlaf
  • keine Traumerinnerung, sonst wie REM-Verhaltensstörung
Transiente globale Amnesie  
  • akut einsetzend, mehrere Stunden anhaltend
  • repetitive Fragen
  • Störung aller biographischen Gedächtnisinhalte für das Ereignis
paroxysmale Bewegungsstörung
  • durch Bewegung ausgelöst
  • dyston anmutende Bewegungen
  • keine Bewusstseinsstörungen
  • variable Dauer (bis zu mehreren Monaten)

5 Therapie

Während der Patient sich im Krampfanfall befindet, ist darauf zu achten, dass der Betroffene davor geschützt wird sich zu verletzen. Umstehende Möbel sollten daher aus dem Weg geschafft werden, der Körper und vor allem der Kopf des Krampfenden sollten abgepolstert werden.

Der Krampfanfall kann medikamentös mit Benzodiazepinen wie Midazolam u.a. sowie mit Barbituraten oder auch Muskelrelaxantien durchbrochen werden. Letzteres durchbricht jedoch nicht die zentralneurologische Ursache des Krampfanfalls, jedoch die muskuläre Antwort.

Sobald der Krampfanfall beendet ist, müssen die Vitalzeichen des Patienten überprüft werden und je nach Situation eine Stabilisierung des Patienten (z.B. Atemwegssicherung, stabile Seitenlage) erfolgen.

Liegt eine chronische Anfallsdisposition vor, sollte eine antikonvulsive Therapie begonnen werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 14. Januar 2020 um 23:40 Uhr bearbeitet.

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