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Kompartmentsyndrom

Version vom 7. Juni 2015, 18:22 Uhr von Christian Kraus (Diskussion | Beiträge)

Synonym: Kompartment-Syndrom
Englisch: compartment syndrome

1 Definition

Unter einem Kompartmentsyndrom versteht man einen massiven Anstieg des Gewebedruckes in osteofaszialen oder faszialen Logen (Kompartimenten) und die daraus folgende Beeinträchtigung der Mikrozirkulation und der neuromuskulären Funktion. Es ist ein akuter Notfall mit sofortigem Behandlungsbedarf.

2 Ätiologie

Kompartmentsyndrome entstehen in der Regel durch Traumata, meist als begleitende Weichteilverletzung bei Frakturen (z.B. Tibiakopffraktur) oder als Folge stumpfer Traumata. Weitere Ursachen können iatrogene Eingriffe oder Überlastung (z.B. nach Märschen) sein. Oftmals tritt dies auch nach operativen Eingriffen auf, es kann also als traumatisch bedingtes Frakturhämatom oder durch ein Muskelödem entstehen.

In der Intensivmedizin ist auch ein abdominelles Kompartmentsyndrom bekannt, wie es zum Beispiel nach Aortachirurgie auftreten kann.

3 Pathogenese

Das Kompartmentsyndrom entsteht, wenn durch Schwellung und/oder Einblutungen der um den Knochen liegenden Weichteile der Druck in einer Muskelloge so stark erhöht wird, dass der venöse Abstrom nicht mehr gewährleistet ist. Da der Körper dies nicht kompensieren kann, kommt es zu einem Circulus vitiosus, da durch den mangelnden Abstrom venösen Bluts der auf die Muskeln einwirkende Druck weiter erhöht wird.

Die Folgen sind u.a. Durchblutungsstörungen, Sensibilitätsstörungen sowie starke Bewegungseinschränkungen. Taubheitsgefühle entstehen i.d.R. als Spätfolge.

4 Symptome

Als Frühsymptom zeigt sich ein unerträglicher, durch normale Analgetikagaben nicht beeinflussbarer Schmerz mit Spannungsgefühl und Sensibilitätsstörungen (Taubheitsgefühl, Kribbeln). Er lässt sich auch durch passive Bewegung auslösen.

Es entsteht eine Gewebedrucksteigerung mit Kompression des venösen Systems und Stase im arteriellen System.

Später kommt es zu motorischen Ausfällen und einem Pulsverlust distal der betroffenen Muskelloge.

5 Diagnose

Die Diagnose erfolgt klinisch (typische Anamnese). Der in einer Muskelloge herrschende Druck kann mit einer Sonde intraoperativ gemessen werden.

6 Therapie

Das Kompartmentsyndrom stellt einen chirurgischen Notfall dar. Es droht die irreversible Nekrose des Gewebes und der Funktionsverlust der Extremität. Im ungünstigsten Fall kann ein so genanntes MSOF (multiple system organ failure) resultieren, was letztlich zum Tode des Patienten führen kann.

Die Therapie der Wahl ist die großzügige Entlastungsinzision (Dermatofasziotomie), d.h. die chirurgische Spaltung der betreffenden Faszie und der angrenzenden Kompartimente. Nach Abschwellung erfolgt je nach Gegebenheiten eine Sekundärnaht oder Hauttransplantation.

Wird dies nicht rechtzeitig behandelt, kann eine Ischämische Muskelnekrose mit narbiger Kontraktur entstehen.

Diese Seite wurde zuletzt am 20. Juni 2018 um 08:44 Uhr bearbeitet.

Die Einengung der Therapieoptionen des Kompartmentsyndroms auf operative Behandlungsoptionen dramatisiert ein allgemeineres Krankheitsbild, wie es unter notfallmedizinischen Aspekten als Quetschungsfolge gerechtfertigte schnelle chirurgische Schritte und Schnitte (Faszienspaltung) erfordert. Das blande Kompartmentsyndrom des Läufers - das Shin-splint-Syndrom - ist eine Domäne der konservativen Therapie.
#1 am 16.06.2015 von Dr. med. Martin P. Wedig (Arzt | Ärztin)

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