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Knorpelgewebe

Version vom 12. Juni 2007, 04:18 Uhr von 80.135.100.58 (Diskussion)

Synonyme: Cartilago, Textus cartilagineus
Englisch: cartilage, cartilaginous tissue

1 Definition

Knorpelgewebe, oder einfach Knorpel, ist eine aus spezialisierten Zellen (Chondrozyten) und extrazellulärer Grundsubstanz aufgebaute Form des Bindegewebes.

2 Vorkommen

Knorpelgewebe kommt an vielen Stellen des menschlichen Körpers vor. Es überzieht als Gelenkknorpel (Cartilago articularis) die Gelenkflächen aller echten Gelenke (Diarthrosen), z.B. des Kniegelenks und des Hüftgelenks. Hier sorgt es für die reibungsarme Beweglichkeit der Gelenkenden. Auch die Bandscheiben (Disci intervertebrales) und Menisken bestehen aus Knorpelgewebe. Beim wachsenden Organismus begegnet einem Knorpelgewebe darüber hinaus in den Epiphysenfugen.

Desweiteren findet man beim Menschen Knorpel in folgenden Regionen:

Region Knorpel
Ohr Ohrknorpel (Cartilago auriculae)
Gehörgangsknorpel (Cartilago meatus acustici)
Tubenknorpel (Cartilago tubae auditivae)
Nase Nasenknorpel (Cartilagines nasi)

    Cartilago nasi lateralis ("Dreiecksknorpel")
    Cartilago alaris major ("Flügelknorpel")
    Cartilagines alares minores ("Sesamknorpel")
    Cartilago septi nasi ("Septumknorpel")

Kehlkopf Kehlkopfknorpel (Cartilagines laryngis)

    Cartilago cricoidea ("Ringknorpel")
    Cartilago thyroidea ("Schildknorpel")
    Cartilagines arytenoideae ("Stellknorpel")
    Cartilago epiglottica ("Kehldeckelknorpel")

Atemwege Trachealknorpel (Cartilagines tracheales)
Thorax Rippenknorpel (Cartilago costalis)

3 Histologie

Knorpelgewebe besteht aus Knorpelzellen, den Chondrozyten, und einer extrazellulären Grundsubstanz, der Knorpelmatrix. Die extrazelluläre Grundsubstanz in der Nähe der Chondrozyten bezeichnet man als "territoriale Matrix", die weiter von den Zellen entfernte Grundsubstanz als "interstitielle Matrix". Eine Einheit aus Chondrozyt und territorialer Matrix wird auch Chondron genannt.

3.1 Knorpelzellen

Die rundlichen Chondrozyten unterhalten die Matrix und sind in Form kleiner Zellnester in sie eingelagert. Sie entstehen aus Chondroblasten, die für den aktiven Aufbau des Knorpelgewebes verantwortlich sind. Den Abbau des Knorpels übernehmen ebenfalls spezialisierte Zellen, die Chondroklasten.

3.2 Knorpelmatrix

Die extrazelluläre Grundsubstanz hat einen Wasseranteil bis zu 70% und weist nahezu keine Blutgefäße und Nerven auf. Ihre Hauptbestandteile sind Kollagene, Elastin und Proteoglykane, deren Gesamtanteil und genaue Zusammensetzung sich bei den verschiedenen Knorpelarten unterscheidet. Die Proteoglykane besitzen zahlreiche negativ geladene Molekülbestandteile und ziehen deshalb Natriumionen an. Sie wiederum binden Wasser im Knorpelgewebe.

3.3 Knorpelformen

Je nach Beschaffenheit und Aufbau der Knorpelmatrix unterscheidet man drei Formen des Knorpels:

4 Biomechanik

Knorpel ist ein elastisches, biegestabiles Gewebe, das eine hohe Reiss- und Druckresistenz besitzt.

5 Klinik

Bei Ernährungsstörungen des Knorpels kommt es zu einer Degeneration der Knorpelmatrix und zum Absterben von Knorpelzellen. Es kommt zur so genannten "Demaskierung" des Knorpels, d.h. die kollagenen Faserzüge treten an die Oberfläche. Dieser Prozess macht sich klinisch unter anderem als Arthrose bemerkbar.

Fachgebiete: Histologie

Diese Seite wurde zuletzt am 11. September 2018 um 17:10 Uhr bearbeitet.

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