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Kernspintomographie

Version vom 9. August 2008, 11:36 Uhr von 80.135.86.30 (Diskussion)

Synonyme: MRT, Magnetresonanztomographie, Kernspintomografie, NMR
Englisch: Magnet Resonance Imaging, MRI

1 Definition

Die Kernspintomographie ist ein bildgebendes Verfahren zur Darstellung des menschlichen Körpers. Sie gehört zur Untergruppe der Schnittbildverfahren.

Sie arbeitet im Gegensatz zur Röntgenuntersuchung nicht mit Röntgenstrahlen, sondern mit Magnetfeldern und Radiowellen.

2 Funktionsprinzip

2.1 Spin

Die Untersuchungsmethode beruht auf dem physikalischen Prinzip, dass Atomkerne mit ungerader Protonen- oder Neutronenzahl über einen Eigendrehimpuls, den sog. Spin verfügen. Sie werden dadurch zu winzigen Magneten. Der für die Messung geeignetste Atomkern ist das Wasserstoffatom. Daher liefert das MRT vor allem von wasserhaltigen Geweben sehr genaue und differenzierte Darstellungen, z.B. von inneren Organen, Gelenkknorpel, Meniskus, Rückenmark und Gehirn.

2.2 Magnetfeld

Im Normalzustand sind die Spins ungeordnet. Legt man jedoch ein starkes Magnetfeld an, richten sie sich die Atomkerne wie eine Kompaßnadel parallel oder antiparallel zur Feldrichtung aus und vollführen eine Kreiselbewegung um die Feldlinien des äußeren Magnetfeldes, die man auch als Präzessionsbewegung bezeichnet. Die Frequenz dieser Bewegung wird Lamor-Frequenz genannt.

2.3 Hochfrequenzimpuls

Die Ausrichtung der Kernspins allein würde noch keine Bilddarstellung erzeugen. Deshalb wird senkrecht zur Richtung des Magnetfelds ein kurzer Hochfrequenzimpuls eingestrahlt. Die Frequenz des Impulses (Resonanzfrequenz) entspricht dabei der Lamor-Frequenz. Der Impuls hat folgende Konsequenzen:

  • Die längs des äußeren Magnetfelds ausgerichteten Kernspins werden kurz zum "Schlingern" gebracht bzw. "umgeklappt".
  • Die Kreiselbewegung (Präzession) aller Atomkerne wird kurzzeitig synchronisiert (so genannte Phasenkohärenz). Dadurch entsteht eine senkrecht zu den Feldlinien des äußeren Magnetfelds verlaufende Transversalmagnetisierung.

2.4 T1-Relaxation

Nach Abschalten des Impulses richten sich die Kernspins wieder entlang des äußeren Magnetfeld aus und geben dabei Energie in Form von Wärme an die Umgebung ab. Diesen Prozess der Wiederausrichtung, genauer gesagt des Wiederaufbaus der Längsmagnetisierung, bezeichnet man als "T1-Relaxation". Er hängt wesentlich von der Wärmeleitfähigkeit des Gewebes ab. Gewebe mit schnellem Wärmetransfer (z.B. Fettgewebe) stellen sich in T1-gewichteten Bildern hell dar, Gewebe mit langsamem Wärmetransfer dunkel (z.B. Liquor).

2.5 T2-Relaxation

Es kann jedoch noch ein weiterer Aspekt gemessen werden. Mit dem Ausschalten des Hochfrequenzimpulses verlieren die Atomkerne auch ihre phasensynchrone Kreiselbewegung. Der damit verbundene Rückgang der Transversalmagnetisierung wird als T2-Relaxation bezeichnet. Gewebe, die eine Transversalmagnetisierung relativ lange aufrechterhalten können, stellen sich in T2-gewichteten Bildern hell dar (z.B. Wasser).

2.6 MRT Geräteparameter

Durch Veränderung der Geräteparameter (MRT-Systemparameter), z.B. der Pulswiederholzeit (TR) oder der Echozeit (TE) kann man am MRT unterschiedliche Wichtungen einstellen:

  • T1-gewichtete Bilder (T1)
  • T2-gewichtete Bilder (T2)
  • Protonendichte-gewichtete Bilder (PD)

3 Aussagekraft

Durch Kenntnis der unterschiedlichen Magnetisierungsverhalten verschiedener Gewebetypen und eine hohe Auflösung können vom Radiologen anhand der MRT-Bilder pathologische Veränderungen sehr gut erkannt oder ausgeschlossen werden. MRT-Bilder haben in der Regel eine recht hohe Aussagekraft.

Schon kleine Tumoren oder Entzündungsherde, usw. können im MRT entdeckt werden. Strukturen, die einen geringen Wassergehalt haben, wie z.B. Knochen, oder luftreiche Regionen wie die Lunge stellen sich dagegen im MRT nicht so gut dar.

Die Darstellung und Unterscheidung verschiedener Gewebe kann durch den Einsatz spezieller Kontrastmittel (v.a. Gadolinium) verbessert werden.

4 Untersuchung

Typisch für das MRT-Untersuchungsgerät ist die lange, relativ enge Röhre, in die der Patient auf einem Liegeschlitten hinein geschoben wird. Die Untersuchungen dauern verhältnismäßig lang, durchschnittlich 15-30 Minuten. Dabei gestalten die Enge und die vom MRT-Gerät erzeugten lauten Klopfgeräusche die Untersuchung leider für den Patienten nicht immer sehr angenehm.

Ein MRT-Gerät erzeugt ein äußerst starkes Magnetfeld. Ein solch starkes Magnetfeld ist maßgeblich für die Auflösung der zu erzeugenden MRT-Bilder. Die magnetische Flussdichte B wird in Tesla angegeben. Ein Tesla entspricht etwa der 20.000fachen Stärke des Erdmagnetfeldes. Die supraleitenden Magnetspulen neuer Tomographen erzeugen in der Regel eine magnetische Flussdichte von 1,5-3 Tesla. In einzelnen, spezialisierten Zentren werden Geräte von bis zu 7 Tesla eingesetzt. Es existieren auch MRT-Geräte mit Flussdichten von 8 bis 9,4 Tesla (2008), die zur Zeit jedoch noch nicht im klinischen Einsatz sind.

Metallische Gegenstände (dazu zählen u.a. mitgeführte Gegenstände wie Geldbeutel, EC-Karten, Schlüssel, aber auch Metallimplantate, Herzschrittmacher, Granatsplitter etc.) dürfen nicht in die Nähe eines MRT-Gerätes gebracht werden.

5 Einsatz

Die MRT ist ein aufgrund ihrer sehr guten Qualität und ihrer breitgefächerten Möglichkeiten gerne eingesetztes diagnostisches Verfahen. Sie ist bei vielen klinschen Fragestellungen anderen bildgebenden Verfahren (z.B. Röntgen, Sonographie, Computertomographie, etc.) überlegen. Ein großer Nachteil sind jedoch die sehr hohen Kosten (ca. 4mal teurer als Computertomographie oder 10mal so teuer wie Röntgen), die lange Dauer und meist als eher unangenehm empfundene Untersuchung, sowie die Kontraindikation bei Herzschrittmachern oder anderen metallischen Implantaten, so dass die MRT nur bei gewissen Fragestellungen angezeigt ist. Die meisten Krankheitsbilder sind auch heute durch eine gute Anamnese, klinische Untersuchung, Blutuntersuchung und mit Hilfe von günstigeren und ähnlich aufschlussreichen bildgebenden oder anderen diagnostischen Verfahren gut abklärbar.

6 Varianten

Die Weiterentwicklung der Kernspintomographie hat zur Entwicklung weiterer Untersuchungsvarianten geführt, z.B.:

7 Weblinks

DocCheck Blog: Monster-MRT

Tags: , ,

Fachgebiete: Radiologie

Das fehlt hier noch: ==Quellen==
#2 am 16.04.2017 von Michel Voss (Arzt | Ärztin)
Zum Einstieg Pykett, I.L.: Kernspintomographie: Röntgenbilder ohne Röntgenstrahlen. Spektrum der Wissenschaft 1982: 40-55. Zur Vertiefung Lanzer, P., Bohning, D.: Kernspinresonanzangiographie: Grundlagen und Anwendungen. Z Kardiol 1990 (79): 247-260.
#1 am 18.03.2015 von Dr. med. Martin P. Wedig (Arzt | Ärztin)

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