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Karpaltunnelsyndrom

Version vom 30. März 2021, 20:16 Uhr von Dr. Frank Antwerpes (Diskussion | Beiträge)

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Abkürzungen: CTS, KTS
Synonyme: Tinel-Syndrom, Medianuskompressionssyndrom, Distales Medianuskompressionssyndrom, Handgelenkstunnelsyndrom
Englisch: carpal tunnel syndrome

1 Definition

Das Karpaltunnelsyndrom, kurz KTS, ist ein Engpasssyndrom (Nervenkompressionssyndrom) des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel.

2 Epidemiologie

Das Karpaltunnelsyndrom stellt das häufigste Engpasssyndrom des peripheren Nervens dar. Das Erkrankungsalter liegt vorwiegend zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr. Häufig tritt das Syndrom auch beidseitig auf.

3 Ätiologie

Ursächlich ist eine akute (z.B. Trauma) oder chronisch progrediente (z.B. Stoffwechselerkrankung) Kompression des Nervus medianus. Auslösende Faktoren sind:

Die Erkrankung kann auch idiopathisch auftreten. Eine konstitutionell bedingte Enge des Karpaltunnels wirkt begünstigend auf das Auftreten des Syndroms.

4 Pathogenese

Voraussetzung für die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms ist ein anatomischer Engpass. Dieser betrifft den Nervus medianus in seinem Verlauf unterhalb des Ligamentum carpi transversum. Auslöser für die klinische Symptomatik ist eine Volumenzunahme bzw. ein Ödem des Tunnelinhalts.

5 Anatomie

siehe: Karpaltunnel

6 Symptome

Die betroffenen Patienten klagen über Schmerzen und Parästhesien im Versorgungsgebiet des Nervus medianus. Es kommt zu schmerzhaften Kribbelparästhesien oder nadelstichartigen Missempfindungen, die vorwiegend Mittel- und Ringfinger, später auch Daumen und Zeigefinger betreffen, teilweise verbunden mit Schmerzausstrahlung in den Arm.

Zu Beginn der Symptome besteht dabei häufig ein Zusammenhang einer mechanischen Belastung der Hand (Rad- und Motorradfahren, Zeitunglesen, Telefonieren, Stricken usw.), wobei die dominante Hand häufiger betroffen ist. Typisch sind auch zur Nacht eintretende Schmerzen im Bereich der Hand und des Unterarms ("Brachialgia paraesthetica nocturna").

Eine Besserung dieser Symptome kann u.a. durch Ausschütteln und Reiben, sowie Pumpbewegungen der Finger, Stellungsänderung des Arms bzw. der Hand, sowie durch Halten unter kaltes Wasser erreicht werden.

Bei weiterem Fortschreiten kommt es zu Ausfallserscheinungen mit einer zunehmenden Hypästhesie einschließlich Beeinträchtigung der Stereoästhesie (Finger sind taub, Handarbeiten können nicht mehr durchgeführt werden).

Im Spätstadium resultiert die chronische Nervenkompression in einer Atrophie der Daumenballenmuskeln (laterale Thenarmuskulatur) und in einer Schwäche beim Zugreifen (mit Abspreiz- und Oppositionsschwäche des Daumens).

Selten werden zudem vegetative Störungen in Form von trophischen Haut- und Nagelveränderungen beobachtet.

7 Begleiterkrankung

In etwa 16 bis 43 % der Fälle ist das Karpaltunnelsyndrom mit einer Tendovaginitis stenosans ("Schnappfinger") und deren Vorstadien mit vermehrter Morgensteifigkeit der Finger oder schmerzhaftem und inkomplettem Faustschluss verbunden.

8 Diagnostik

Eine typische Anamnese führt in Kombination mit der klinischen Untersuchung in den meisten Fällen zu einer hinreichenden Diagnose.

Die weitere Diagnostik erfolgt mittels elektrophysiologischer Diagnostik. Die sensible und motorische Neurographie sind empfindliche und zuverlässige Methoden zum Nachweis des chronischen KTS. Leitbefund ist die reduzierte Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) des Nervus medianus im Karpaltunnel als Folge der Demyelinisierung. Entwickelt sich in fortgeschrittenem Stadium ein Axonschaden, so führt dieser zusätzlich zu erniedrigten Amplituden der Reizantworten.

Alternativ kann die Diagnose auch durch eine sonografische Untersuchung gesichert werden. Dabei wird im volaren Transversalschnitt über dem Handgelenk die Querschnitsfläche des Nervus medianus bestimmt. Durch die kompressionsbedingte Schwellung des Nerven ist sie bei Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms vergrößert.

9 Differentialdiagnosen

10 Therapie

Die Therapie des Karpaltunnelsyndroms kann konservativ oder operativ erfolgen, wobei in den meisten Fällen zunächst der Versuch einer konservativen Therapie zu unternehmen ist.

10.1 Konservative Therapie

Das Handgelenk wird nachts mit einer palmaren Handgelenksschiene ruhiggestellt. Ergänzt werden kann dies durch eine lokale Infiltration von Kortikoid-Kristallsuspensionen. Ebenfalls möglich ist eine orale Verabreichung des Kortikoid-Präparats, dessen Anwendung jedoch auf zwei Wochen begrenzt werden sollte. Weiterhin besteht die Möglichkeit der Antiphlogistikagabe und einer Ultraschalltherapie.

10.2 Operative Therapie

Bei erfolgloser konservativer Therapie ist eine Operation notwendig. Dabei wird das Ligamentum carpi transversum unter Schonung umgebender Nerven und Blutgefäße gespalten und der Nerv so mechanisch entlastet (Dekompression). Der Eingriff kann sowohl offen, als auch endoskopisch erfolgen. Bei adäquater Durchführung ist er nur mit einem geringen Risiko verbunden.

Postoperativ ist für wenige Tage das Anlegen eines Watteverbands oder ein Verband mit leichter Kompression im Wundgebiet ohne Einschnürung erforderlich. Ggf. kann zusätzlich eine kurzzeitige Ruhigstellung des Handgelenks durch eine Schiene erfolgen.

11 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 30. März 2021 um 20:16 Uhr bearbeitet.

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