Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Karpaltunnelsyndrom: Unterschied zwischen den Versionen

 
(16 dazwischenliegende Versionen von 4 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 1: Zeile 1:
 
''Abkürzungen: CTS, KTS''<br>
 
''Abkürzungen: CTS, KTS''<br>
''Synonyme: Tinel-Syndrom, Medianuskompressionssyndrom''<br>
+
''Synonyme: Tinel-Syndrom, Medianuskompressionssyndrom, Distales Medianuskompressionssyndrom, Handgelenkstunnelsyndrom''<br>
 
'''''Englisch''': carpal tunnel syndrome''
 
'''''Englisch''': carpal tunnel syndrome''
  
 
==Definition==
 
==Definition==
Das '''Karpaltunnel-Syndrom''' ist ein [[Engpasssyndrom]] ([[Nervenkompressionssyndrom]]) des [[Nervus medianus]] im Bereich der [[Handwurzel]].
+
Das '''Karpaltunnelsyndrom''', kurz '''KTS''', ist ein [[Engpasssyndrom]] ([[Nervenkompressionssyndrom]]) des [[Nervus medianus]] im Bereich der [[Handwurzel]].
 +
 
 +
==Epidemiologie==
 +
Das Karpaltunnelsyndrom stellt das häufigste Engpasssyndrom des [[peripherer Nerv|peripheren Nerven]]s dar. Das Erkrankungsalter liegt vorwiegend zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr. Häufig tritt das Syndrom auch beidseitig auf.  
  
 
==Ätiologie==
 
==Ätiologie==
Der Nervus medianus wird unterhalb des [[Ligamentum carpi transversum]] abgedrückt. Die Ursachen für diese mechanische Kompression sind vielfältig und können zu einer [[akut]]en (z.B. [[Trauma]]) oder [[chronisch]] [[progredient]]en Kompression führen (z.B. Ablagerungen bei Stoffwechselerkrankungen):
+
Ursächlich ist eine [[akut]]e (z.B. [[Trauma]]) oder [[chronisch]] [[progredient]]e (z.B. Stoffwechselerkrankung) Kompression des Nervus medianus. Auslösende Faktoren sind:
* meist [[idiopathisch]]
+
* Überlastung bzw. repetitive Tätigkeiten
* Überanstrengung der Hand
+
* [[Degenerativ]]e, [[rheumatisch]]e, [[hormonell]]e und [[stoffwechsel]]bedingte Erkrankungen:
 +
** [[Hypothyreose]] mit [[Myxödem]]
 +
** [[Akromegalie]]
 +
** [[Arthritis]]
 +
** [[Tendosynovitis]]
 +
** [[Diabetes mellitus]] (mit diabetischer Neuropathie)
 +
** [[Amyloidose]] (z.B. [[ATTR-Amyloidose|ATTRwt-Amyloidose]])
 +
** [[Mukopolysaccharidose]]
 
* Trauma
 
* Trauma
** [[Fraktur]]en im Bereich des [[Handgelenk]]s
+
** [[Fraktur]]en im Bereich des [[Handgelenk]]s (z.B. [[Radiusfraktur]])
** [[Hämatom]]
+
** [[Blutung]]
 
** [[Ödem]]
 
** [[Ödem]]
* [[Tendosynovitis]]
+
** [[Phlegmone|Handphlegmone]]
* [[Arthritis]]
+
* [[Arthrose|Handgelenksarthrose]]
* [[Diabetes mellitus]] (mit diabetischer Neuropathie)
+
* Gewichtszunahme:
* [[Akromegalie]]
+
** [[Adipositas]]
* [[Hypothyreose]]
+
** [[Schwangerschaft]]
* [[Amyloidose]]
+
 
* [[Myositis]]
 
* [[Myositis]]
 
* [[Tumor]]en ([[Fibrom]], [[Lipom]])
 
* [[Tumor]]en ([[Fibrom]], [[Lipom]])
* Gewichtszunahme
+
* langjährige [[Hämodialyse]]
** [[Adipositas]]
+
Die Erkrankung kann auch [[idiopathisch]] auftreten. Eine [[konstitutionell]] bedingte Enge des [[Karpaltunnel]]s wirkt begünstigend auf das Auftreten des Syndroms.
** [[Schwangerschaft]] (Schwangerschaftsödeme)
+
 
* nach langjähriger [[Hämodialyse]]
+
==Pathogenese==
Eine [[konstitutionell]] bedingte Enge des [[Karpaltunnel]]s wirkt begünstigend auf das Auftreten des Syndroms. Es tritt in 30-40 % der Fälle [[bilateral]] auf. Frauen sind relativ häufiger betroffen.
+
Voraussetzung für die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms ist ein [[anatomisch]]er Engpass. Dieser betrifft den Nervus medianus in seinem Verlauf unterhalb des [[Ligamentum carpi transversum]]. Auslöser für die klinische Symptomatik ist eine Volumenzunahme bzw. ein [[Ödem]] des Tunnelinhalts.
  
 
==Anatomie==
 
==Anatomie==
Zeile 34: Zeile 43:
  
 
==Symptome==
 
==Symptome==
Die betroffenen Patienten klagen über [[Schmerz]]en und [[Parästhesie]]n im Versorgungsgebiet des Nervus medianus. Zu Beginn der Symptome besteht dabei häufig ein Zusammenhang mit mechanischer Belastung der Hand, wobei die dominante Hand häufiger betroffen ist. Relativ typisch sind auch zur Nacht eintretende Schmerzen im Bereich der Hand und des [[Unterarm]]s ("[[Brachialgia nocturna]]").
+
Die betroffenen Patienten klagen über [[Schmerz]]en und [[Parästhesie]]n im Versorgungsgebiet des Nervus medianus. Es kommt zu schmerzhaften Kribbelparästhesien oder nadelstichartigen Missempfindungen, die vorwiegend [[Mittelfinger|Mittel-]] und [[Ringfinger]], später auch [[Daumen]] und [[Zeigefinger]] betreffen, teilweise verbunden mit Schmerzausstrahlung in den Arm.
 +
 
 +
Zu Beginn der Symptome besteht dabei häufig ein Zusammenhang einer mechanischen Belastung der Hand (Rad- und Motorradfahren, Zeitunglesen, Telefonieren, Stricken usw.), wobei die dominante Hand häufiger betroffen ist. Typisch sind auch zur Nacht eintretende Schmerzen im Bereich der Hand und des [[Unterarm]]s ("[[Brachialgia nocturna|Brachialgia paraesthetica nocturna]]").
 +
 
 +
Eine Besserung dieser Symptome kann u.a. durch Ausschütteln und Reiben, sowie Pumpbewegungen der Finger, Stellungsänderung des Arms bzw. der Hand, sowie durch Halten unter kaltes Wasser erreicht werden.
 +
 
 +
Bei weiterem Fortschreiten kommt es zu Ausfallserscheinungen mit einer zunehmenden [[Hypästhesie]] einschließlich [[Astereognosie|Beeinträchtigung der Stereoästhesie]] (Finger sind taub, Handarbeiten können nicht mehr durchgeführt werden).
 +
 
 +
Im Spätstadium resultiert die chronische Nervenkompression in einer [[Atrophie]] der Daumenballenmuskeln ([[lateral]]e [[Thenarmuskulatur]]) und in einer Schwäche beim Zugreifen (mit Abspreiz- und [[Opposition]]sschwäche des Daumens).
 +
 
 +
Selten werden zudem [[vegetativ]]e Störungen in Form von trophischen [[Haut]]- und [[Nagel]]veränderungen beobachtet.
 +
 
 +
==Begleiterkrankung==
 +
In etwa 16 bis 43 % der Fälle ist das Karpaltunnelsyndrom mit einer [[Tendovaginitis stenosans]] ("Schnappfinger") und deren Vorstadien mit vermehrter [[Morgensteifigkeit]] der Finger oder schmerzhaftem und inkomplettem Faustschluss verbunden.
  
Nach längerem Bestehen kommt es zur [[Atrophie]] der Daumenballenmuskeln ([[Thenarmuskulatur]]) und zu einer Schwäche beim Zugreifen. Da gleichzeitig das [[Tastgefühl (touch) ]] herabgesetzt (removed) ist, kann aus dem Karpaltunnel-Syndrom eine als einschränkend empfundene Behinderung resultieren.
 
 
==Diagnostik==
 
==Diagnostik==
Erste diagnostische Hinweise auf ein Karpaltunnel-Syndrom können klinische Zeichen bzw. einfache Funktionstests liefern. Dazu zählen zum Beispiel:
+
Eine typische [[Anamnese]] führt in Kombination mit der [[körperliche Untersuchung|klinischen Untersuchung]] in den meisten Fällen zu einer hinreichenden Diagnose.
* [[Hoffmann-Tinel-Zeichen]]
+
* [[Inspektion]] und [[Palpation]]: zum Ausschluss einer Muskelatrophie
* [[Phalen-Test]]
+
* Prüfung der [[Oberflächensensibilität]]
* [[Karpalkompressionstest]]
+
* Prüfung der [[Motorik]]:  
 +
** Abduktions- und Oppositionsschwäche des Daumens
 +
** [[Flaschen-Zeichen]]: Beurteilung der Funktion des [[Musculus abductor pollicis brevis]]
 +
* [[Provokationstest]]s:
 +
** [[Hoffmann-Tinel-Zeichen]]
 +
** [[Phalen-Test]]
 +
**[[Karpalkompressionstest]] (Durkan-Test)
  
Die weitere Diagnostik eines Karpaltunnel-Syndroms erfolgt nach klinischer Untersuchung und Objektivierung der Auswirkungen der Nervenkompression durch ein [[Elektroneurogramm]] und ggf. [[Elektromyogramm]]. Die Messung der [[Nervenleitgeschwindigkeit]] (NLG) erfolgt dabei immer im Seitenvergleich. Als Referenzwert kann die NLG des [[Nervus ulnaris]] dienen.  
+
Die weitere Diagnostik erfolgt mittels [[Elektrophysiologie|elektrophysiologischer Diagnostik]].  
 +
Die sensible und motorische [[Neurographie]] sind empfindliche und zuverlässige Methoden zum Nachweis des chronischen KTS. Leitbefund ist die reduzierte [[Nervenleitgeschwindigkeit]] (NLG) des Nervus medianus im Karpaltunnel als Folge der [[Demyelinisierung]]. Entwickelt sich in fortgeschrittenem Stadium ein [[Axon]]schaden, so führt dieser zusätzlich zu erniedrigten [[Amplitude]]n der Reizantworten.
  
Alternativ kann die Diagnose auch durch eine [[sonografie|sonografische]] Untersuchung gesichert werden. Dabei wird im [[volar]]en Transversalschnitt über dem Handgelenk die Querschnitsfläche des Nervus medianus bestimmt. Durch die kompressionsbedingte Schwellung des Nerven ist sie bei Vorliegen eines Karpaltunnel-Syndroms vergrößert.
+
Alternativ kann die Diagnose auch durch eine [[sonografie|sonografische]] Untersuchung gesichert werden. Dabei wird im [[volar]]en Transversalschnitt über dem Handgelenk die Querschnitsfläche des Nervus medianus bestimmt. Durch die kompressionsbedingte Schwellung des Nerven ist sie bei Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms vergrößert.
==Differentialdiagnosen==
+
 
* [[Nervenwurzelreizung]] bei [[degenerativ]]en Veränderungen der [[Halswirbelsäule]]
+
==Differentialdiagnosen==  
* Hypertrophie des [[Musculus pronator teres]] bzw. [[Musculus pronator quadratus]], z.B. bei Sportlern oder Handwerkern. Insbesondere das Herausdrehen von Schrauben ([[Pronation]]sbewegung) kann zur bewegungsabhängigen Kompression des Nervus medianus mit Parästhesien in den Fingern führen.
+
* [[Nervenwurzel]]reizung bei [[degenerativ]]en Veränderungen der [[Halswirbelsäule]] (zervikale [[Radikulopathie]] der Wurzeln [[C6]] und [[C7]])
* [[Nervus-interosseus-anterior-Syndrom]]
+
* [[Polyneuropathie]]
 +
* Läsion oder anderweitige Kompression des Nervus medianus ([[Pronator-Teres-Syndrom]], [[Thoracic-outlet-Syndrom]], [[Skalenussyndrom]])
 +
* [[Spinal]]e Erkrankungen
 +
* Nicht-neurogene bzw. anderweitige Erkrankungen ([[Kompartment-Syndrom|Unterarm-Kompartment- Syndrom]], [[Polymyalgie]], [[Raynaud-Syndrom]], [[Borreliose]] u.a.)
 +
* Hypertrophie des [[Musculus pronator teres]] bzw. [[Musculus pronator quadratus]], z.B. bei Sportlern oder Handwerkern (Herausdrehen von Schrauben)
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==
Die Therapie des Karpaltunnel-Syndroms kann konservativ oder operativ erfolgen, wobei in den meisten Fällen zunächst der Versuch einer konservativen Therapie zu unternehmen ist.
+
Die Therapie des Karpaltunnelsyndroms kann [[konservativ]] oder [[operativ]] erfolgen, wobei in den meisten Fällen zunächst der Versuch einer konservativen Therapie zu unternehmen ist.
  
 
===Konservative Therapie===
 
===Konservative Therapie===
Dazu wird das Handgelenk mit einer [[Schienenverband|Schienen-]] oder [[Tapeverband]] zeitweise ruhiggestellt. Die lokale [[Injektion]] von [[Kortikosteroid]]en ergänzt das Vorgehen. Systemisch können zusätzlich [[Antiphlogistikum|Antiphlogistika]] und ggf. [[Diuretikum|Diuretika]] gegeben werden. Bei Verdacht auf einen Zusammenhang mit einem Übergewicht wird eine [[Gewichtsreduktion ]] empfohlen.  
+
Das Handgelenk wird nachts mit einer [[palmar]]en [[Schiene|Handgelenksschiene]] ruhiggestellt. Ergänzt werden kann dies durch eine [[lokal]]e [[Infiltration]] von [[Kortikosteroid|Kortikoid-Kristallsuspensionen]]. Ebenfalls möglich ist eine [[oral]]e Verabreichung des Kortikoid-Präparats, dessen Anwendung jedoch auf zwei Wochen begrenzt werden sollte.
 +
Weiterhin besteht die Möglichkeit der  [[Antiphlogistikum|Antiphlogistika]]gabe und einer [[Ultraschalltherapie]].
  
 
===Operative Therapie===
 
===Operative Therapie===
Bei erfolgloser konservativer Therapie ist eine Operation notwendig. Dabei wird das Ligamentum carpi transversum unter Schonung umgebender [[Nerv]]en und [[Blutgefäß]]e gespalten und der Nerv mechanisch entlastet. Der Eingriff kann auch [[endoskopisch]] erfolgen und ist bei adäquater Durchführung mit einem geringen Risiko verbunden.
+
Bei erfolgloser konservativer Therapie ist eine [[Operation]] notwendig. Dabei wird das Ligamentum carpi transversum unter Schonung umgebender [[Nerv]]en und [[Blutgefäß]]e gespalten und der Nerv so [[mechanisch]] entlastet ([[Dekompression]]). Der Eingriff kann sowohl offen, als auch [[endoskopisch]] erfolgen. Bei adäquater Durchführung ist er nur mit einem geringen Risiko verbunden.
 +
 
 +
[[Postoperativ]] ist für wenige Tage das Anlegen eines Watteverbands oder ein [[Verband]] mit leichter Kompression im Wundgebiet ohne Einschnürung erforderlich. Ggf. kann zusätzlich eine kurzzeitige Ruhigstellung des Handgelenks durch eine Schiene erfolgen.
  
==Leitlinie==
+
==Literatur==
[http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/005-003k_S3_Karpaltunnelsyndrom_kurz_2006.pdf AWMF Leitlinie zu Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms]
+
* [https://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/005-003l_S3_Karpaltunnelsyndrom_Diagnostik_Therapie_2012-06-abgelaufen.pdf AWMF-Leitlinie "Diagnostik und Therapie des Karpaltunnelsyndroms"] letzter Zugriff am 30.11.2020
 
[[Fachgebiet:Allgemeinmedizin]]
 
[[Fachgebiet:Allgemeinmedizin]]
 +
[[Fachgebiet:Neurologie]]
 
[[Fachgebiet:Orthopädie]]
 
[[Fachgebiet:Orthopädie]]
 
[[Tag:Engpasssyndrom]]
 
[[Tag:Engpasssyndrom]]

Aktuelle Version vom 30. März 2021, 20:16 Uhr

Abkürzungen: CTS, KTS
Synonyme: Tinel-Syndrom, Medianuskompressionssyndrom, Distales Medianuskompressionssyndrom, Handgelenkstunnelsyndrom
Englisch: carpal tunnel syndrome

1 Definition

Das Karpaltunnelsyndrom, kurz KTS, ist ein Engpasssyndrom (Nervenkompressionssyndrom) des Nervus medianus im Bereich der Handwurzel.

2 Epidemiologie

Das Karpaltunnelsyndrom stellt das häufigste Engpasssyndrom des peripheren Nervens dar. Das Erkrankungsalter liegt vorwiegend zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr. Häufig tritt das Syndrom auch beidseitig auf.

3 Ätiologie

Ursächlich ist eine akute (z.B. Trauma) oder chronisch progrediente (z.B. Stoffwechselerkrankung) Kompression des Nervus medianus. Auslösende Faktoren sind:

Die Erkrankung kann auch idiopathisch auftreten. Eine konstitutionell bedingte Enge des Karpaltunnels wirkt begünstigend auf das Auftreten des Syndroms.

4 Pathogenese

Voraussetzung für die Entstehung des Karpaltunnelsyndroms ist ein anatomischer Engpass. Dieser betrifft den Nervus medianus in seinem Verlauf unterhalb des Ligamentum carpi transversum. Auslöser für die klinische Symptomatik ist eine Volumenzunahme bzw. ein Ödem des Tunnelinhalts.

5 Anatomie

siehe: Karpaltunnel

6 Symptome

Die betroffenen Patienten klagen über Schmerzen und Parästhesien im Versorgungsgebiet des Nervus medianus. Es kommt zu schmerzhaften Kribbelparästhesien oder nadelstichartigen Missempfindungen, die vorwiegend Mittel- und Ringfinger, später auch Daumen und Zeigefinger betreffen, teilweise verbunden mit Schmerzausstrahlung in den Arm.

Zu Beginn der Symptome besteht dabei häufig ein Zusammenhang einer mechanischen Belastung der Hand (Rad- und Motorradfahren, Zeitunglesen, Telefonieren, Stricken usw.), wobei die dominante Hand häufiger betroffen ist. Typisch sind auch zur Nacht eintretende Schmerzen im Bereich der Hand und des Unterarms ("Brachialgia paraesthetica nocturna").

Eine Besserung dieser Symptome kann u.a. durch Ausschütteln und Reiben, sowie Pumpbewegungen der Finger, Stellungsänderung des Arms bzw. der Hand, sowie durch Halten unter kaltes Wasser erreicht werden.

Bei weiterem Fortschreiten kommt es zu Ausfallserscheinungen mit einer zunehmenden Hypästhesie einschließlich Beeinträchtigung der Stereoästhesie (Finger sind taub, Handarbeiten können nicht mehr durchgeführt werden).

Im Spätstadium resultiert die chronische Nervenkompression in einer Atrophie der Daumenballenmuskeln (laterale Thenarmuskulatur) und in einer Schwäche beim Zugreifen (mit Abspreiz- und Oppositionsschwäche des Daumens).

Selten werden zudem vegetative Störungen in Form von trophischen Haut- und Nagelveränderungen beobachtet.

7 Begleiterkrankung

In etwa 16 bis 43 % der Fälle ist das Karpaltunnelsyndrom mit einer Tendovaginitis stenosans ("Schnappfinger") und deren Vorstadien mit vermehrter Morgensteifigkeit der Finger oder schmerzhaftem und inkomplettem Faustschluss verbunden.

8 Diagnostik

Eine typische Anamnese führt in Kombination mit der klinischen Untersuchung in den meisten Fällen zu einer hinreichenden Diagnose.

Die weitere Diagnostik erfolgt mittels elektrophysiologischer Diagnostik. Die sensible und motorische Neurographie sind empfindliche und zuverlässige Methoden zum Nachweis des chronischen KTS. Leitbefund ist die reduzierte Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) des Nervus medianus im Karpaltunnel als Folge der Demyelinisierung. Entwickelt sich in fortgeschrittenem Stadium ein Axonschaden, so führt dieser zusätzlich zu erniedrigten Amplituden der Reizantworten.

Alternativ kann die Diagnose auch durch eine sonografische Untersuchung gesichert werden. Dabei wird im volaren Transversalschnitt über dem Handgelenk die Querschnitsfläche des Nervus medianus bestimmt. Durch die kompressionsbedingte Schwellung des Nerven ist sie bei Vorliegen eines Karpaltunnelsyndroms vergrößert.

9 Differentialdiagnosen

10 Therapie

Die Therapie des Karpaltunnelsyndroms kann konservativ oder operativ erfolgen, wobei in den meisten Fällen zunächst der Versuch einer konservativen Therapie zu unternehmen ist.

10.1 Konservative Therapie

Das Handgelenk wird nachts mit einer palmaren Handgelenksschiene ruhiggestellt. Ergänzt werden kann dies durch eine lokale Infiltration von Kortikoid-Kristallsuspensionen. Ebenfalls möglich ist eine orale Verabreichung des Kortikoid-Präparats, dessen Anwendung jedoch auf zwei Wochen begrenzt werden sollte. Weiterhin besteht die Möglichkeit der Antiphlogistikagabe und einer Ultraschalltherapie.

10.2 Operative Therapie

Bei erfolgloser konservativer Therapie ist eine Operation notwendig. Dabei wird das Ligamentum carpi transversum unter Schonung umgebender Nerven und Blutgefäße gespalten und der Nerv so mechanisch entlastet (Dekompression). Der Eingriff kann sowohl offen, als auch endoskopisch erfolgen. Bei adäquater Durchführung ist er nur mit einem geringen Risiko verbunden.

Postoperativ ist für wenige Tage das Anlegen eines Watteverbands oder ein Verband mit leichter Kompression im Wundgebiet ohne Einschnürung erforderlich. Ggf. kann zusätzlich eine kurzzeitige Ruhigstellung des Handgelenks durch eine Schiene erfolgen.

11 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 30. März 2021 um 20:16 Uhr bearbeitet.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

40 Wertungen (3.9 ø)

318.880 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: