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Karies

Version vom 25. Januar 2004, 03:45 Uhr von 80.141.79.59 (Diskussion)

von lateinisch: caries = Fäulnis
Synonym: Zahnfäule, Caries

Karies ist eine multifaktorielle Erkrankung der Zahnhartsubstanz, die unbehandelt die Struktur und Funktion der Zähne zunehmend zerstört und zum Zahnverlust führen kann.

1 Epidemiologie

In Europa sind ca. 98% der Bevölkerung an Karies erkrankt. Damit ist Karies mit Abstand die häufigste Erkrankung in Industrieländern.

2 Ursachen

Karies wird durch eine Störung des Gleichgewichtes von Demineralisation und Remineralisation der Zähne hervorgerufen. Nach König (1971) wirken 4 Faktoren bei der Kariesentstehung zusammen. Sie müssen gleichzeitig vorliegen, um den Erkrankungsprozess in Gang zu bringen:

3 Pathophysiologie

Die kariogenen Mikroorganismen (vor allem Streptokokken) erzeugen aus niedermolekularen Kohlenhydraten (Zucker) als Stoffwechselabbauprodukt organische Säuren, die Mineralsalze (Hydroxylapatit) aus der Zahnhartsubstanz herauslösen. Diesen Prozess bezeichnet man als "Demineralisierung". Er ist so lange reversibel, wie die organische Matrix der Zahnhartsubstanz nicht beschädigt ist. Wird die Matrix selbst durch Bakterien abgebaut, entstehen Strukturdefekte ("Löcher"), die nicht mehr umkehrbar sind.

4 Risikofaktoren

Die Entstehung bzw. der Verlauf der Karies wird durch viele verschiedene Faktoren beeinflusst. Dazu zählen:

  • Mangelnde Zahnhygiene
  • Zahnstellung (Engstellung, Fehlstellungen)
  • Zahnstatus (z.B. fehlende Zähne)
  • Kaugewohnheiten
  • Nahrungszusammensetzung, -konsistenz
  • Zungen- und Wangenaktivität
  • Speicheleigenschaften, -menge (Xerostomie)
  • Restaurationen (z.B. mangelhafte Füllungen)
  • Fluoridgehalt des Schmelzes
  • Medikamenteneinnahme
  • u.v.a.

5 Einteilung

Die Karies kann man in 4 bzw. 5 Stadien einteilen:

  • Initialkaries: Demineralisation ohne Strukturdefekt. Dieses Stadium kann durch Fluoridierung und gesteigerte Mundhygiene noch umgekehrt werden.
  • Caries superficialis (cs): Schmelzkaries, Keilförmiger Strukturdefekt. Die Karies hat die Schmelzschicht angegriffen, ist aber noch nicht in das Dentin vorgedrungen.
  • Caries media (cm): Dentinkaries. Breitflächiger Strukturdefekt. Die Karies ist bis in das Dentin vorgedrungen und breitet sich unter dem Schmelzdefekt flächig aus, da das Dentin weniger Widerstand bietet.
  • Caries profunda (cp): Tiefer Strukturdefekt. Die Karies ist bis in die pulpanahen Dentinschichten des Zahnes vorgedrungen.
  • Caries profunda complicata: Die Karies hat zur Eröffnung der Pulpenhöhle geführt ("Pulpa aperta").

Eine Sonderform stellt die sog. Caries sicca dar.

6 Symptome

Die Symptome sind abhängig vom Stadium der Karies. Initialkaries und Schmelzkaries sind in der Regel symptomlos. Bei fortgeschrittener Karies treten neben den sichtbaren Strukturdefekten folgende Beschwerden auf:

  • Heiß- und Kaltempfindlichkeit
  • intermittierende Schmerzen
  • Dauerschmerzen
  • "Ziehen" bei Genuss bestimmter Nahrungsmittel
  • Foetor ex ore
  • Lockerung von Füllungen

7 Diagnostik

Die Diagnose der Karies erfolgt meist klinisch durch Inspektion und Sondierung des betroffenen Zahnes. Zusätzlich kommen spezielle Röntgenaufnahmen ("Zahnfilm"), Durchleuchtung des Zahnes mit Kaltlicht und Test der Empfindlichkeit des Zahnes mit dem Luftbläser zum Einsatz.

8 Prophylaxe

Die wichtigste Maßnahme zur Kariesprophylaxe ist die richtig durchgeführte Zahnpflege mit Zahnbürste und Zahnseide, sowie ggf. einer Interdentalbürste. Darüber hinaus kann die Kareisresistenz der Zähne durch Verwendung fluoridhaltiger Zahnpasten und durch lokale Fluoridtouchierung verbessert werden. Weitere mögliche Massnahmen bei Kindern sind:

  • Systemische Fluorgabe (Fluoridtabletten)
  • Fissurenversiegelung

9 Therapie

Die Therapie der Karies ist Gegenstand der konservierenden Zahnheilkunde. Sie besteht in der Entfernung der betroffenen Zahnhartsubstanz durch Exkavierung und anschliessende Füllung der entstandenen Kavität durch plastische, gegossene oder vorgeformte Füllungsmaterialien.

Eine weitere Methode ist die minimal-invasive Entfernung der Karies durch Erweichung der Läsion mit einem Spezialgel und anschließende Kürettierung mit Handinstrumenten (Carisolv®).

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Fachgebiete: Zahnmedizin

Diese Seite wurde zuletzt am 16. November 2021 um 18:19 Uhr bearbeitet.

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