Körperintegritätsidentitätsstörung

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Englisch: body integrity identity disorder (BIID)

1 Definition

Die Körperintegritätsidentitätsstörung, kurz BIID, ist eine psychische Störung, bei der das mentale Körperbild nicht mit dem tatsächlichen Körper übereinstimmt. Die Betroffenen betrachten bestimmte Körperteile oder Sinnesorgane als unerwünscht bzw. als nonkonform zu ihrer Identität. Sie verspüren dadurch ein Verlangen, z.B. Gliedmaßen oder einen Sinn (z.B. das Sehen) vorsätzlich zu verlieren.

Eine verwandte Störung ist die Xenomelie.

2 Symptomatik

Menschen mit einer BIID fühlen sich in ihrem Körper unwohl bzw. deplatziert. Sie nennen sich teilweise selbst "Wannabes" ("Möchtegerne"), da sie ein anderes Körpergefühl bzw. eine andere Wahrnehmung anstreben. So kommt es vor, dass sie etwa Orthesen, Prothesen, einen Rollstuhl oder einen Blindenstock etc. nutzen, ohne diese Hilfen zu benötigen. Diese Art von Vorspielen nennt sich "Pretending" ("vortäuschen"). Manche Betroffene ergreifen drastischere Maßnahmen und unterbinden z.B. die Blutzufuhr einer Extremität, um Nekrosen zu verursachen. Für manche besteht der Wunsch, nach außen als behindert angesehen zu werden, was erhöhten Aufmerksamkeitsbedarf darstellt.

BIID ist keine im DSM erfasste Krankheit und eine medizinische Anerkennung der Störung fehlt, wodurch sich Betroffene oft unverstanden fühlen. Der Begriff "transability", den manche Patienten wählen, stellt Parallelen zu Transgendern her. BIID-Patienten sehen sich also als ebenso Menschen, die eine abweichende Indentität zu dem Körper aufweisen, der ihnen qua Geburt zugewiesen wurde.

3 Ursachen

Die Ursachen der BIID ist nicht geklärt. Es konnte beobachtet werden, dass Störungen die das eigene Körperempfinden betreffen, bereits im Kindesalter auftreten. So manifestiert sich die BIID häufig im frühen Jugendalter.

Der US-amerikanische Psychologe John Alexander McGeoch (1897-1942) hat die ersten direkten Beweise vorgestellt, bei denen dieses Syndrom am ehesten einen neurologischen, statt psychologischen Ursprung hat.

4 Therapie

Einen Leitfaden zur Therapie dieser seltenen Störung gibt es nicht, jedoch kann durch psychiatrische bzw. verhaltenstherapeutische Maßnahmen versucht werden, die Stabilität des Betroffenen zu verbessern. Bei einer begleitenden Depression kann eine Pharmakotherapie sinnvoll sein.

5 Trivia

Im Jahre 2000 führte ein schottischer Arzt bei zwei BIID-Patienten Beinamputationen durch. Dies führte zu gesteigertem medialem Interesse an der BIID und zu einem darauf folgenden Verbot gleichartiger Eingriffe durch die britische Ärztekammer.

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Fachgebiete: Psychiatrie

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