Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Interleukin-2: Unterschied zwischen den Versionen

 
(15 dazwischenliegende Versionen von 8 Benutzern werden nicht angezeigt)
Zeile 2: Zeile 2:
  
 
==Definition==
 
==Definition==
'''Interleukin-2''' ist ein der [[Interleukin]]familie angehörendes [[Zytokin]]. Es ist das erste Interleukin, welches als solches entdeckt und klassifiziert werden konnte. Seine Hauptwirkung besteht in der [[autokrin]]en Stimulation von [[T-Helferzelle]]n, von welchen es zuvor sezerniert wurde. Durch seine Förderung der Proliferation und Differenzierung von T-Helferzellen sowie B-Zellen und [[Natürliche Killerzelle|Natürlichen Killerzellen]] wird es oftmals auch zu den [[Wachstumsfaktor]]en gezählt.
+
'''Interleukin-2''' ist ein [[Zytokin]] aus der Familie der [[Interleukin]]e. Es ist das erste Interleukin, welches als solches entdeckt und klassifiziert werden konnte. Seine Hauptwirkung besteht in der [[autokrin]]en Stimulation von [[T-Helferzelle]]n, von welchen es zuvor sezerniert wurde.  
 +
 
 +
==Hintergrund==
 +
Interleukin-2 kann außerdem [[Makrophagen]] über membranständige Rezeptoren aktivieren. Da es die Proliferation und Differenzierung von T-Helferzellen, sowie [[B-Zelle]]n und [[Natürliche Killerzelle|Natürlichen Killerzellen]] fördert, wird es oftmals auch zu den [[Wachstumsfaktor]]en gezählt. Es besteht aus 133 [[Aminosäuren]] bei einer Molekülmasse von rund 15.400 [[Dalton|Da]].
  
 
==Herkunft==
 
==Herkunft==
 
+
Das Interleukin-2 wird von T-Helferzellen gebildet, die ihr spezifisches [[Antigen]] auf dem [[MHC-Klasse II|MHC-II-Rezeptor]] eines [[Leukozyt]]en ([[Monozyt]], [[dendritische Zelle]]) erkannt und gebunden haben.
Das Interleukin-2 wird von [[T-Helferzelle]]n gebildet, die ihr spezifisches [[Antigen]] auf dem [[MHC-Klasse II|MHC-II-Rezeptor]] eines [[Leukozyt]]en ([[Monozyt]], [[dendritische Zelle]]) erkannt und gebunden haben.
+
  
 
==Stimulation==
 
==Stimulation==
 
+
Der entscheidende Reiz zur Ausschüttung von Interleukin-2 ist die Bindung eines Antigens durch den [[T-Zell-Rezeptor]] einer T-Helferzelle.
Der entscheidende Reiz zur Ausschüttung von Interleukin-2 ist die Bindung eines [[Antigen]]s durch den [[T-Zell-Rezeptor]] einer [[T-Helferzelle]].
+
  
 
==Molekulare Wirkungsweise==
 
==Molekulare Wirkungsweise==
 
+
Interleukin-2 aktiviert verschiedene Signalwege über seinen Rezeptor, bestehend aus einer Interleukin-2 spezifischen α-Untereinheit ([[CD25]]) und einer β-Untereinheit ([[CD122]]) sowie einer gemeinen, in allen [[Zytokin]]en vorkommenden γc-Kette (c für „common“). Zu den aktivierten Signalwegen zählen der [[JAK/STAT-Signalweg]], der [[RAS-Signalweg|RAS-Signaltransduktionsweg]] sowie die [[Phosphatidylinositol-3-Kinase]].
Interleukin-2 aktiviert verschiedene Signalwege über seinen [[Rezeptor]], bestehend aus einer Interleukin-2 spezifischen α-Untereinheit ([[CD25]]) und einer β-Untereinheit ([[CD122]]) sowie einer gemeinen, in allen [[Zytokin]]en vorkommenden γc-Kette (c für „common“). Zu den aktivierten Signalwegen zählen der [[JAK/STAT-Signalweg]], der [[RAS-Signalweg|RAS-Signaltransduktionsweg]] sowie die [[Phosphatidylinositol-3-Kinase]].
+
  
 
Als Ergebnis der [[Signaltransduktion]] kommt es innerhalb der IL-2-stimmulierten Zelle zu einer vermehrten Produktion von [[Cyclin D2]] und [[Cyclin E]]. In Zusammenwirkung mit den [[Cyclin-abhängige-Kinase| Cyclin-abhängigen-Kinasen]] werden nun [[Protein]]e phosphoryliert und damit aktiviert, welche die jeweilige Zelle aus der [[G1-Phase]] in die [[S-Phase]] übergehen lassen.  
 
Als Ergebnis der [[Signaltransduktion]] kommt es innerhalb der IL-2-stimmulierten Zelle zu einer vermehrten Produktion von [[Cyclin D2]] und [[Cyclin E]]. In Zusammenwirkung mit den [[Cyclin-abhängige-Kinase| Cyclin-abhängigen-Kinasen]] werden nun [[Protein]]e phosphoryliert und damit aktiviert, welche die jeweilige Zelle aus der [[G1-Phase]] in die [[S-Phase]] übergehen lassen.  
  
Zusätzlich wird die intrazelluläre Konzentration von [[p27]] erniedrigt, welches die [[Cyclin-abhängige-Kinase| Cyclin-abhängigen-Kinasen]] und damit ein Fortschreiten des [[Zellzyklus]] hemmt.
+
Zusätzlich wird die intrazelluläre Konzentration von [[p27]] erniedrigt, welches die Cyclin-abhängigen-Kinasen und damit ein Fortschreiten des [[Zellzyklus]] hemmt.
 
+
Weiterhin induziert Interleukin-2 die Biosynthese des Apoptoseschutzproteins [[BCL-1]].
+
 
+
 
+
All diese Faktoren führen zu einer Progression der [[Zellteilung]], des [[Zellwachstum]], der [[Differenzierung]] sowie zu einer verbesserten Überlebensfähigkeit der [[Antigen]]-selektierten [[T-Zelle]].
+
 
+
==Biologische Wirkung==
+
 
+
*Die wichtigste Aufgabe von Interleukin-2 besteht in der [[autokrin]]en Stimulation von [[T-Zelle]]n. Diese sezernieren es selbst und stimulieren dadurch ihre eigene [[klonale Expansion]]. T-Zellen, die ein [[Antigen]] gebunden und erkannt haben werden somit zur Zellvermehrung, [[Wachstum]] und [[Differenzierung]] angeregt.
+
 
+
*Bei [[Natürliche Killerzelle|Natürlichen Killerzellen]] wirkt Interleukin-2 als [[Wachstumsfaktor]] und stimuliert deren [[Proliferation]] und [[Differenzierung]].
+
  
*Bei [[B-Zelle]]n bewirkt Interleukin-2 eine Stimulation der [[Antikörper]]bildung.
+
Weiterhin induziert Interleukin-2 die Biosynthese des [[Apoptoseschutzprotein]]s [[BCL-1]].
  
*Regulation der Reifung [[Regulatorische T-Zelle|regulatorischer T-Zellen]] (T<sub>reg</sub>) im [[Thymus]].  Diese sind wichtige regulatorische Zellen welche die Bindung körpereigener [[Antigen]]e durch [[T-Zelle]]n steuern und unterdrücken und somit eine [[Toleranz gegenüber dem Selbst]] schaffen, also [[Autoimmunität]] verhindern. Dies geschieht eben durch die Unterdrückung der Bildung von Interleukin-2 durch [[Autoreaktivität|aukoreaktive]] Zellen.
+
All diese Faktoren führen zu einer Progression der [[Zellteilung]], des [[Zellwachstum]], der Differenzierung sowie zu einer verbesserten Überlebensfähigkeit der Antigen-selektierten [[T-Zelle]].
  
==Verwendugn in der Therapie==
+
==Biologische Wirkungen==
 +
*Die wichtigste Aufgabe von Interleukin-2 besteht in der autokrinen Stimulation von T-Zellen. Diese sezernieren es selbst und stimulieren dadurch ihre eigene [[klonale Expansion]]. T-Zellen, die ein Antigen gebunden und erkannt haben, werden somit zur Zellvermehrung, zum Wachstum und zur Differenzierung angeregt.
 +
*Bei Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) wirkt Interleukin-2 als Wachstumsfaktor und stimuliert deren Proliferation und Differenzierung.
 +
*Bei B-Zellen bewirkt Interleukin-2 eine Stimulation der [[Antikörper]]bildung.
 +
*Regulation der Reifung [[Regulatorische T-Zelle|regulatorischer T-Zellen]] (T<sub>reg</sub>) im [[Thymus]].  Diese sind wichtige regulatorische Zellen welche die Bindung körpereigener Antigene durch T-Zellen steuern und unterdrücken und somit eine Toleranz gegenüber dem Selbst schaffen, also [[Autoimmunität]] verhindern. Dies geschieht eben durch die Unterdrückung der Bildung von Interleukin-2 durch [[Autoreaktivität|autoreaktive]] Zellen.
  
Rekombiniertes Interleukin-2 findet unter dem Namen [[Proleukin]] Verwendung in der [[Krebstherapie]] ([[Malignes Melanom]], [[Nierenzellkarzinom]]) sowie in der Behandlung chronischer [[Virus]]infektionen.
+
==Therapeutische Verwendung==
[[Fachgebiet:Immunologie]][[Fachgebiet:Innere Medizin]][[Fachgebiet:Biochemie]]
+
Rekombiniertes Interleukin-2 findet unter dem Namen [[Aldesleukin]] (Proleukin®) Verwendung in der [[Krebstherapie]] ([[Malignes Melanom]], [[Nierenzellkarzinom]]) sowie in der Behandlung chronischer [[Virus]]infektionen.
 +
[[Fachgebiet:Biochemie]]
 +
[[Fachgebiet:Immunologie]]
 +
[[Fachgebiet:Innere Medizin]]
 +
[[Tag:Immunsystem]]
 +
[[Tag:Interleukine]]

Aktuelle Version vom 15. August 2019, 11:10 Uhr

Synonym: IL-2

1 Definition

Interleukin-2 ist ein Zytokin aus der Familie der Interleukine. Es ist das erste Interleukin, welches als solches entdeckt und klassifiziert werden konnte. Seine Hauptwirkung besteht in der autokrinen Stimulation von T-Helferzellen, von welchen es zuvor sezerniert wurde.

2 Hintergrund

Interleukin-2 kann außerdem Makrophagen über membranständige Rezeptoren aktivieren. Da es die Proliferation und Differenzierung von T-Helferzellen, sowie B-Zellen und Natürlichen Killerzellen fördert, wird es oftmals auch zu den Wachstumsfaktoren gezählt. Es besteht aus 133 Aminosäuren bei einer Molekülmasse von rund 15.400 Da.

3 Herkunft

Das Interleukin-2 wird von T-Helferzellen gebildet, die ihr spezifisches Antigen auf dem MHC-II-Rezeptor eines Leukozyten (Monozyt, dendritische Zelle) erkannt und gebunden haben.

4 Stimulation

Der entscheidende Reiz zur Ausschüttung von Interleukin-2 ist die Bindung eines Antigens durch den T-Zell-Rezeptor einer T-Helferzelle.

5 Molekulare Wirkungsweise

Interleukin-2 aktiviert verschiedene Signalwege über seinen Rezeptor, bestehend aus einer Interleukin-2 spezifischen α-Untereinheit (CD25) und einer β-Untereinheit (CD122) sowie einer gemeinen, in allen Zytokinen vorkommenden γc-Kette (c für „common“). Zu den aktivierten Signalwegen zählen der JAK/STAT-Signalweg, der RAS-Signaltransduktionsweg sowie die Phosphatidylinositol-3-Kinase.

Als Ergebnis der Signaltransduktion kommt es innerhalb der IL-2-stimmulierten Zelle zu einer vermehrten Produktion von Cyclin D2 und Cyclin E. In Zusammenwirkung mit den Cyclin-abhängigen-Kinasen werden nun Proteine phosphoryliert und damit aktiviert, welche die jeweilige Zelle aus der G1-Phase in die S-Phase übergehen lassen.

Zusätzlich wird die intrazelluläre Konzentration von p27 erniedrigt, welches die Cyclin-abhängigen-Kinasen und damit ein Fortschreiten des Zellzyklus hemmt.

Weiterhin induziert Interleukin-2 die Biosynthese des Apoptoseschutzproteins BCL-1.

All diese Faktoren führen zu einer Progression der Zellteilung, des Zellwachstum, der Differenzierung sowie zu einer verbesserten Überlebensfähigkeit der Antigen-selektierten T-Zelle.

6 Biologische Wirkungen

  • Die wichtigste Aufgabe von Interleukin-2 besteht in der autokrinen Stimulation von T-Zellen. Diese sezernieren es selbst und stimulieren dadurch ihre eigene klonale Expansion. T-Zellen, die ein Antigen gebunden und erkannt haben, werden somit zur Zellvermehrung, zum Wachstum und zur Differenzierung angeregt.
  • Bei Natürlichen Killerzellen (NK-Zellen) wirkt Interleukin-2 als Wachstumsfaktor und stimuliert deren Proliferation und Differenzierung.
  • Bei B-Zellen bewirkt Interleukin-2 eine Stimulation der Antikörperbildung.
  • Regulation der Reifung regulatorischer T-Zellen (Treg) im Thymus. Diese sind wichtige regulatorische Zellen welche die Bindung körpereigener Antigene durch T-Zellen steuern und unterdrücken und somit eine Toleranz gegenüber dem Selbst schaffen, also Autoimmunität verhindern. Dies geschieht eben durch die Unterdrückung der Bildung von Interleukin-2 durch autoreaktive Zellen.

7 Therapeutische Verwendung

Rekombiniertes Interleukin-2 findet unter dem Namen Aldesleukin (Proleukin®) Verwendung in der Krebstherapie (Malignes Melanom, Nierenzellkarzinom) sowie in der Behandlung chronischer Virusinfektionen.

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

13 Wertungen (4.15 ø)

50.809 Aufrufe

Hast du eine allgemeine Frage?
Hast du eine Frage zum Inhalt?
Copyright ©2019 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: