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Insulin

Version vom 7. Oktober 2009, 15:50 Uhr von 80.152.209.76 (Diskussion)

Englisch: insulin

1 Definition

Das Peptidhormon Insulin reguliert die Aufnahme von Glucose in Körperzellen. Es wirkt blutzuckersenkend und spielt eine wesentliche Rolle bei der Therapie des Diabetes mellitus. Insulin ist der natürliche Gegenspieler des Hormons Glucagon.

Der Name Insulin kommt von den Inselzellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas), die das Insulin bilden.

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2 Geschichte

In den 1920er Jahren gelang es Frederick Banting und Charles Best erstmals, Insulin aus Pankreasgewebe zu gewinnen. Schon seit einigen Jahrzehnten war klar, dass Sekrete der Bauchspeicheldrüse den Blutzuckerspiegel senken können. Frühere Versuche anderer Wissenschaftler waren jedoch nicht erfolgreich, da sie die komplette gemahlene Bauchspeicheldrüse verwendeten, wobei andere Verdauungssäfte des Pankreas das Insulin zerstörten. Die ersten Versuche von Banting und Best wurden an Hunden durchgeführt, denen die Bauchspeicheldrüse operativ entfernt worden war. 1922 gelang ihnen die erste Rettung eines 13 Jahre alten Diabetikers, der seit eineinhalb Jahren an der Krankheit litt und bereits ins Koma gefallen war. 1923 erhielten Banting und John MacLeod, der Leiter des Instituts, den Nobelpreis für Medizin. Sie teilten den Preis freiwillig mit Best und James Collip, der einen verbesserten Extrakt erfunden hatte.

In den folgenden Jahrzehnten wurde Insulin aus den Bauchspeicheldrüsen von Rindern und Schweinen großtechnisch gewonnen. Rinder- und Schweineinsulin unterscheiden sich vom menschlichen Insulin nur geringfügig, beim Schwein ist nur eine, beim Rind sind drei Aminosäuren durch andere Aminosäuren ersetzt. Obwohl auch tierisches Insulin beim Menschen wirkt, wurde trotzdem versucht, menschliches Insulin zu produzieren. 1982 gelang es erstmals, Humaninsulin durch gentechnisch veränderte Bakterien herzustellen. Inzwischen übernehmen auch Hefepilze diese Aufgabe. Seit 1996 sind auch künstliche Insuline (Analoginsuline) verfügbar, die schneller wirken als natürliches Insulin.

3 Biochemie

3.1 Struktur

Insulin ist ein Makromolekül mit einem Molekulargewicht von etwa 5.700 Dalton. Es besteht aus 2 längeren Polypeptiden, einer A-Kette mit 21 und einer B-Kette mit 30 Aminosäuren. Die beiden Ketten sind durch 2 Disulfidbrücken miteinander verbunden, die zwischen den Cystein-Bausteinen der Polypeptide ausgebildet werden. Ein dritte Disulfidbrücke besteht innerhalb der A-Kette. Sie dient der Stabilsierung der Raumstruktur.

Durch die Ausbildung von Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Sauerstoffatomen der Carbonylgruppen und den Wasserstoffatomen der Amidgruppen der beiden Polypeptidketten ensteht die Sekundärstruktur des Insulins: Die Molekülketten ziehen sich schraubenförmig zusammen. Die A-Kette bildet 2 α-Helices, die durch einen Aminosäurebaustein voneinander getrennt werden. Die B-Kette wickelt sich zu ca. 40% zu einer α-Helix auf.

In Lösung hat Insulin die Tendenz, unter Ausbildung von Wasserstoffbrücken Dimere zu bilden, d.h. sich zu Molekülpaaren zusammenzulagern. In Anwesenheit von Zink bilden sich aus den Dimeren sogenannte Hexamere.

3.2 Biosynthese

Insulin wird in den so genannten beta-Zellen der Langerhans-Inseln des Pankreas synthetisiert. Die genetische Information für die Synthese von Insulin wird von nur einem Gen-Lokus im kurzen Arm des Chromsom 11 codiert. Das Gen besteht aus rund 300 Nukleotiden und enthält 2 Introns und 3 Exons.

Die aus dem Gen transkribierte mRNA wird in den Ribosomen des rauhen endoplasmatischen Retikulum (RER) zunächst in ein inaktives Präproinsulin übersetzt, ein Peptid aus 110 Aminosäuren. Es besteht aus einer Signalsequenz (leader), an die sich zunächst die 30 Aminosäuren der B-Kette schließen, danach ein C-Peptid (connecting peptide) und schließlich die A-Kette aus 21 Aminosäuren:

  • Signalsequenz --- B-Kette --- C-Peptid --- A-Kette

Die Signalsequenz sorgt dafür, das Präproinsulin in den Innenraum des Endoplasmatischen Retikulums transportiert wird. Dort erfolgt die weitere "Reifung" des Peptidhormons: Durch Abspaltung der Signalsequenz und Bildung von drei Disulfidbrücken entsteht das Proinsulin (84 Aminosäuren). Im Verlauf der weiteren Reifung wird die C-Kette durch spezifische Peptidasen abgespalten. Das Insulinmolekül liegt dann als Hexamer durch ein Zinkion stabilisiert in Vesikeln an der Zellmembran der beta-Zelle gespeichert vor.

Ein steigender Blutzuckerspiegel (ab ca. 4 mmol Glucose/l Blut) als Sekretionsreiz führt schließlich durch Verschmelzen der Membranen (Exozytose) zur Entleerung des Vesikelinhaltes in den Extrazellulärraum.

4 Physiologie

Die Wirkung von Insulin wird über die Bindung an Insulinrezeptoren auf der Zelloberfläche des Leber-, Muskel- und Fettgewebes vermittelt, die in der Zelle eine intrazelluläre Signalkaskade, das so genannte Insulinsignal auslösen. Insulin beeinflusst den Glucosestoffwechsel durch mehrere Mechanismen. Zu den wichtigsten biologischen Wirkungen des Insulins gehören:

Plasma-Glukosespiegel und Insulinsekretion beeinflussen sich wechselseitig im Sinne eines Regelkreises. Dadurch kann der gesunde Organismus den Blutzuckerspiegel auch bei Störungen konstant halten. Die Leistung und Zuverlässigkeit der Kohlenhydrathomöostase wird dadurch erhöht, daß Insulin in antagonistischer Redundanz mit Gegenspieler-Hormonen wie Glukagon, Katecholaminen und Glukokortikoiden steht.

5 Referenzbereich

 Bedingung
Nach 12 h Fasten 6 - 25 mU/l (µU/ml) 36 - 150 pmol/l
Nach 72 h Fasten < 6 mU/l (µU/ml) < 36 pmol/l
Nach maximaler Stimulation durch Glucose oder Glukagon bis 200 mU/l (µU/ml) bis 1200 pmol/l

Die Bestimmung des Insulinspiegels im Serum ist als Einzeluntersuchung wenig sinnvoll. In der Regel erfolgt sie im Rahmen eines oGTT oder gemeinsam mit der Bestimmung des C-Peptids.

6 Insulinpräparate

Die Behandlung des Diabetes mellitus erfolgt heute grundsätzlich mit Humaninsulin, d.h. mit Insulinen, deren Aminosäuresequenz dem vom menschlichen Körper produzierten Insulin entspricht oder mit Insulinanaloga. Die früher verwendeten Tierinsuline (Schweineinsulin, Rinderinsulin) werden heute für Neueinstellungen nicht mehr eingesetzt.

Die Einteilung der Insuline erfolgt nach Ihrer Wirkdauer:

6.1 Kurz wirkende Insuline

Kurz wirkende Insuline werden bei Stoffwechselentgleisungen, zur Ersteinstellung, bei der intensivierten konventionellen Therapie (ICT), bei Verwendung einer Insulinpumpe und perioperativ eingesetzt.

  • Normalinsulin (Altinsulin): Wirkeintritt nach 30-45 Minuten, Wirkdauer 4-6 Stunden
    • Insuman Rapid Höchst®
    • Actrapid® HM
    • Huminsulin®
  • Kurz wirkende Insulinanaloga: Wirkeintritt nach 15 Minuten, Wirkdauer ca. 3 Stunden
    • Insulin Lispro (Humalog®)
    • Insulin Aspartat (NovoRapid®)

6.2 Verzögerungsinsuline

Bei Verzögerungsinsulinen wird die Wirkung durch Verbindung des Insulins mit Protamin oder durch Verwendung von Proinsulin verzögert. Früher wurden auch Zink oder Surfen zur Verzögerung eingesetzt.

Verzögerungsinsuline dürfen nur subkutan injiziert werden. Sie werden u.a. zur Abdeckung des Basisinsulinbedarfs bei der ICT eingesetzt.

  • Intermediärinsuline: Wirkdauer 8-12 Stunden
    • NPH-Insuline
      • Insuman® basal
      • Insulin Protaphan®
      • Huminsulin® basal
      • Insulin Insulatard® Human
      • u.v.a.
  • Langzeitinsuline: Wirkdauer 12-36 Stunden
    • Ultratard® HM (Produktion 2006 eingestellt)
  • Lang wirkende Insulinanaloga: Wirkdauer 16-30 Stunden
    • Insulin Glargin (Lantus®)
    • Insulin Detemir (Levemir®)

6.3 Mischinsuline

Fixe Mischungen aus Normalinsulin und NPH-Insulinen werden zur 2-3x täglichen Injektion im Rahmen der konventionellen Insulintherapie eingesetzt.

  • Actraphane®
  • Insuman® Comb
  • NovoMix®
  • Humalog® Mix
  • u.v.a.

7 Verabreichung

7.1 Parenteral

Insulin kann subkutan, intravenös oder (selten) intramuskulär appliziert werden. Die 3 Applikationsarten besitzen eine sehr unterschiedliche Pharmakokinetik. Die Standardapplikation ist die subkutane Injektion, auf die sich auch die Angaben zum Wirkeintritt bzw. zur Wirkdauer beziehen. Intravenös darf Insulin nur mit äußerster Vorsicht gespritzt werden (oder durch Infusor oder Pumpe, die Kleinstmengen abgibt), weil ein unmittelbarer Wirkungseintritt erfolgt.

Die intramuskuläre Verabreichung bringt meist eine Wirkungsbeschleunigung von ca. 30-50%. Wenn jedoch in vernarbte Muskelareale gespritzt wird, kann die Wirkung sogar ganz ausbleiben.

7.2 Inhalativ

Eine weitere Darreichungsform stellt die Inhalation von Insulin mit anschließender Resorption über die Lungenkapillaren dar (siehe auch: inhalatives Insulin). Ein Nachteil der Methode ist, dass die Bioverfügbarkeit des Insulins nach Inhalation sehr unterschiedlich sein kann. Die Produktion des ersten inhalativen Insulins (Exubera®) wurde Ende 2007 vom Hersteller Pfizer eingestellt.

7.3 Oral

Ungeschützt wird oral gegebenes Insulin innerhalb von Minuten im oberen Gastrointestinaltrakt abgebaut. Deshalb ist bislang (2008) kein oral wirksames Insulin verfügbar. Es befinden sich jedoch neuere nanotechnologische Verfahren in der Entwicklung, mit denen das Problem der Deaktivierung ggf. gelöst werden kann. Ein Ansatz sind insulinbeladene Nanopartikel aus Chitosan. Entsprechende Zubereitungen werden zur Zeit in tierexperimentellen Studien geprüft[1].

8 Quellen

  1. Sarmento, B; et al. (2007). "Oral bioavailability of insulin contained in polysaccharide nanoparticles.". Biomacromolecules. 8 (10): 3054-60. 

siehe auch: Insulintherapie, Insulinanaloga, Insulinresistenz


modifiziert nach Wikipedia

Diese Seite wurde zuletzt am 19. April 2021 um 11:29 Uhr bearbeitet.

Das Leben ist halt kein Ponyhof.
#3 am 10.04.2018 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Der Erstentdecker des Insulins war der Rumäne Paulescu im Jahr 1916, die Veröffentlichung hierzu erfolgte 1921. Banting und Best kannten die Arbeiten des Rumänen. Wie so häufig im Leben bekommen andere den Ruhm und der tatsächliche Entdecker geht leer aus.
#2 am 14.11.2016 von Matthias Leister (Arzt | Ärztin)
Laut anderer Quellen ist die Wirkdauer von Lantus und Levemir um 24 St. identisch. Oder?
#1 am 09.06.2016 von Karel Bures (Arzt | Ärztin)

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