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Hypoglykämie

Version vom 2. Juni 2005, 18:52 Uhr von Lokman Ozkan (Diskussion | Beiträge)


Hypoglykämien (Unterzuckerungen) können bei allen Diabetespatienten auftreten, die Insulin spritzen oder ein Medikament einnehmen, das die Insulinausschüttung fördert. Grund ist eine Störung der hormonellen Gegenregulation, die den Körper normalerweise vor einer Unterzuckerung schützt.

Es ist inzwischen zwar wissenschaftlich bewiesen, dass bei Menschen mit Diabetes eine beinahe normale Einstellung des Zuckerstoffwechsels gesundheitlich sinnvoll und wichtig ist. Geschieht dies jedoch, wie bei einigen Typ 2- und den meisten Typ 1-Patienten mit Hilfe von Insulin bzw. Medikamente, die die Insulinausschüttung beeinflussen, besteht eine gewisse Gefahr, dass eine Unterzuckerung auftreten kann.

Das Risiko für diese auch Hypoglykämie genannte Komplikation der Therapie hängt von verschiedenen Faktoren ab. Es ist beispielsweise bei Patienten mit Typ 1-Diabetes, die eine intensivierte Insulintherapie (Basis-Bolus-Prinzip) erhalten, etwa dreimal so hoch wie bei Patienten mit einer konventionellen Insulintherapie, welche aus der zweimal täglichen Gabe von Kombinationsinsulin besteht. Oft wiederkehrende Hypoglykämien können demnach ein Problem darstellen bei der Bemühung, möglichst eine beinahe normale Stoffwechseleinstellung zu erreichen. Daher muss stets abgewogen werden, ob die normnahe Stoffwechseleinstellung zur Vermeidung von Spätkomplikationen das unter Umständen gefährlichere Risiko von Hypoglykämien (besonders bei Unawareness, d. h. fehlendem Bemerken) rechtfertigt oder zulässt.


Das Gehirn benötigt ständig Glukose

Doch was passiert bei einer Unterzuckerung? Im Gegensatz zu den meisten Körperzellen beziehen die Nervenzellen ihre Energie nahezu ausschließlich aus Glukose (Zucker), sodass sie auf Schwankungen der Zuckerwerte sehr empfindlich reagieren. Unter normalen Bedingungen werden diese Schwankungen im Gewebe gut ausbalanciert durch das Zusammenspiel von Insulin und seinen hormonellen Gegenspielern, insbesondere dem Hormon Glukagon, das wie Insulin in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird.

Bei fallendem oder fehlendem Glukoseangebot wirkt der Körper einer Unterzuckerung vor allem dadurch entgegen, dass das Glukagon eine weitere Freisetzung von Insulin und damit verbunden eine weitere Umsetzung der Glukose verhindert. Gleichzeitig steigert das Glukagon die Glukoseherstellung in der Leber und die Freisetzung von Glukose aus Glykogen, einem Glukosespeicher des Körpers. Auch Stresshormone, wie Adrenalin und Cortisol, die in der Nebenniere gebildet werden, tragen zu einer Erhöhung des Blutzuckers bei. Erst nachdem alle genannten hormonellen Gegenregulationsvorgänge abgelaufen sind, treten klinisch bemerkbare Hypoglykämie-Symptome auf, darunter auch neuroglykopenische, welche die gestörte Funktion von Zellen des Gehirns ausdrücken (z. B. Sehstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Sprachstörungen etc.).


Hormonelle Gegenregulation kann bei Diabetes gestört sein

Diese bei stoffwechselgesunden Mensch sehr uniform ablaufende hormonelle Gegenregulation bei Hypoglykämien ist bei vielen Diabetes-Patienten, vor allem mit Typ 1-Diabetes, nur eingeschränkt möglich. Vor allem fehlt die Möglichkeit des Stoffwechselgesunden, die eigene Insulinabgabe einzustellen, da der Patient entweder Insulin injizieren musste, das als Depot im Körper wirksam bleibt, oder er hat Medikamente eingenommen, welche die Insulinabgabe aus noch vorhandenen Beta-Zellen (Typ-2-Diabetes) stimulieren. Auch die Ausschüttung der hormonellen Gegenspieler kann deutlich reduziert sein, insbesondere die Glukagon-Antwort fällt bei Patienten mit Typ 1-Diabetes bereits in den ersten Jahren deutlich geringer aus.

In späteren Stadien der Stoffwechselstörung kann teilweise auch die Freisetzung des Adrenalins nachlassen. Weil dann die typischen, adrenergen Anzeichen einer Hypoglykämie fehlen, wird diese erst spät erkannt – es droht eine besondere Neigung zu schweren Hypoglykämien. Diese so genannten Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen sind wohl in den meisten Fällen auf die gestörte Adrenalinfreisetzung zurückzuführen, doch hier können auch andere Faktoren eine wichtige Rolle spielen: Bereits eine einzige schwere Unterzuckerung kann bei weiteren Hypoglykämien die hormonelle Antwort deutlich verringern, sodass in der Folge auch die Wahrnehmung dieser Hypoglykämien deutlich eingeschränkt ist. Es kommt also sehr darauf an, nach Auftreten einer Hypoglykämie in der Folgezeit weitere Unterzuckungen unbedingt zu vermeiden. Durch eine sorgfältige Blutzucker-Einstellung kann die Erkennung von Hypoglykämien jedoch meistens bereits innerhalb von Tagen, spätestens Wochen, wieder verbessert bzw. hergestellt werden.

Diese Seite wurde zuletzt am 10. September 2019 um 09:50 Uhr bearbeitet.

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