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Hyperreflexie: Unterschied zwischen den Versionen

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Als '''Hyperreflexie''' bezeichnet man eine gesteigerte [[Reflexbereitschaft]]. Sie drückt sich durch eine ungewöhnlich starke [[Reflexantwort]] bzw. eine leichtere Auslösbarkeit der Reflexe (Übererregbarkeit) aus. Als Beispiel äußert sich diese gesteigerte Reflexantwort in der Erweiterung der Reflexzone an einer anderen Stelle, so dass man z.B. den [[Patellarsehnenreflex]] auch mit einem Schlag auf das [[Schienbein]] auslösen kann und nicht nur auf die [[Patellarsehne]]. Diese gesteigerte Reflexbereitschaft beobachtet man allerdings an der gleichen Reflexauslösenden Stelle auch bei einer [[Hyperthyreose]].
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Als '''Hyperreflexie''' bezeichnet man eine gesteigerte [[Reflex]]bereitschaft. Sie drückt sich durch eine ungewöhnlich starke Reflexantwort bzw. eine leichtere Auslösbarkeit der Reflexe (Übererregbarkeit) aus.  
  
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Eine Hyperreflexie kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, z.B.:
 
Eine Hyperreflexie kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, z.B.:
* [[Rückenmarksverletzung]]en (Schädigung der [[Pyramidenbahn]])
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* [[Neurologisch]]e Störungen (Läsion des ersten [[Motoneuron]]s incl. [[Pyramidenbahn]]):
 
** [[Querschnittsyndrom]]
 
** [[Querschnittsyndrom]]
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** [[Syringomyelie]]
 
** [[Brown-Séquard-Syndrom]]
 
** [[Brown-Séquard-Syndrom]]
* [[Hirnverletzung]]en
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** [[Amyotrophe Lateralsklerose]]
* [[Medikament]]e
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** [[Neurodegeneration mit Eisenablagerung im Gehirn]]
* [[Stoffwechselstörung]]en bzw. -[[Stoffwechseldefekt|defekte]]
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** [[Multisystematrophie]]
** [[Hypoglykämie]]
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** [[Hereditäre spastische Spinalparalyse]]
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** [[Marchiafava-Bignami-Syndrom]]
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** [[Urämische Enzephalopathie]]
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** [[Hepatische Enzephalopathie]]
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** [[Funikuläre Myelose]] (Ausnahme: Maskierung durch gleichzeitig vorliegende [[Polyneuropathie]])
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* [[Medikament]]e:
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** [[Serotonin-Syndrom]]
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** [[Maligne Hyperthermie]]
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** [[Malignes neuroleptisches Syndrom]]
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** [[Lithium]]
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* [[Stoffwechselstörung]]en:
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** [[Hyperthyreose]]
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** [[Hypomagnesiämie]]
 
** [[Hypokalzämie]]
 
** [[Hypokalzämie]]
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** [[Hypoglykämie]]
 
** [[Lesch-Nyhan-Syndrom]]
 
** [[Lesch-Nyhan-Syndrom]]
 
** [[zerebrotendinöse Xanthomatose]]
 
** [[zerebrotendinöse Xanthomatose]]
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* [[hypertensive Schwangerschaftserkrankung]]en (z.B. [[Eklampsie]])
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* Lokaler [[Tetanus]]
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==Klinik==
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Eine Hyperreflexie äußert sich u.a. durch eine Verbreiterung der Reflexzone: In diesem Fall kann z.B. der [[Patellarsehnenreflex]] nicht nur durch einen Schlag auf die [[Patellarsehne]] sondern auch durch einen auf das [[Schienbein]] ausgelöst werden. Außerdem zeigt sich eine Hyperreflexie durch eine leichte Auslösbarkeit von normalerweise kaum sichtbaren [[Muskeleigenreflex]]en (z.B. [[Trömner-Reflex]]).
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Bei einer Läsion des ersten Motoneurons finden sich neben einer Hyperreflexie weitere neurologische Zeichen:
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* [[Spastik|spastische]] [[Muskeltonus|Tonuserhöhung]]
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* Beeinträchtigung der [[Feinmotorik]]
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* [[Massenbewegung]]en
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* [[Klonus|Kloni]]
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* [[Pyramidenbahnzeichen]] (z.B. [[Babinski-Reflex]])
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* keine [[Atrophie]]
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==Diagnostik==
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Muskeleigenreflexe sind individuell unterschiedlich stark auslösbar. Um eine Hyperreflexie zu beurteilen, vergleicht man die Reflexe der beiden Körperseiten, die Reflexe der unteren mit denen der oberen [[Extremität]] sowie alle mit dem [[Masseterreflex]]. Letzterer zeigt zuverlässig das grundsätzliche Reflexniveau des Patienten an.
 
[[Fachgebiet:Neurologie]]
 
[[Fachgebiet:Neurologie]]
 
[[Tag:Reflex]]
 
[[Tag:Reflex]]

Version vom 19. April 2020, 13:48 Uhr

Englisch: hyperreflexia

1 Definition

Als Hyperreflexie bezeichnet man eine gesteigerte Reflexbereitschaft. Sie drückt sich durch eine ungewöhnlich starke Reflexantwort bzw. eine leichtere Auslösbarkeit der Reflexe (Übererregbarkeit) aus.

2 Ursachen

Eine Hyperreflexie kann sehr unterschiedliche Ursachen haben, z.B.:

3 Klinik

Eine Hyperreflexie äußert sich u.a. durch eine Verbreiterung der Reflexzone: In diesem Fall kann z.B. der Patellarsehnenreflex nicht nur durch einen Schlag auf die Patellarsehne sondern auch durch einen auf das Schienbein ausgelöst werden. Außerdem zeigt sich eine Hyperreflexie durch eine leichte Auslösbarkeit von normalerweise kaum sichtbaren Muskeleigenreflexen (z.B. Trömner-Reflex).

Bei einer Läsion des ersten Motoneurons finden sich neben einer Hyperreflexie weitere neurologische Zeichen:

4 Diagnostik

Muskeleigenreflexe sind individuell unterschiedlich stark auslösbar. Um eine Hyperreflexie zu beurteilen, vergleicht man die Reflexe der beiden Körperseiten, die Reflexe der unteren mit denen der oberen Extremität sowie alle mit dem Masseterreflex. Letzterer zeigt zuverlässig das grundsätzliche Reflexniveau des Patienten an.

Tags:

Fachgebiete: Neurologie

Diese Seite wurde zuletzt am 8. Mai 2020 um 11:47 Uhr bearbeitet.

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