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* [[Hochdisperses]] [[Siliziumdioxid]]: Das Gelgerüst (Sphärokolloidgerüst) entsteht über Wasserstoffbrückenbindungen. Zur Gelbildung werden jedoch hohe Konzentrationen an SiO<sub>2</sub> benötigt (Ausnahme: Zusatz von nichtionogenen Tensiden, welche das Gelbildungsvermögen von Siliziumdioxid deutlich erhöhen). Durch Zugabe von [[Glycerol]] (Angleichung des Brechungsindex der wässrigen Phase auf den Brechungsindex des Siliziumdioxids) entstehen klare, stark [[Thixotropie|thixotrop]]e Hydrogele, die häufig in der [[Zahnheilkunde]] Anwendung finden.
 
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** [[Xanthangummi]]: Heteropolysaccharid, bestehend aus [[Glucose]], [[Mannose]] und [[Glucuronsäure]], das aus dem Mikroorganismus Xanthamonas campestris gewonnen wird.
** [[Guargummi]]: Endosperm der Guarbohne, bestehend aus einem Galaktomanan mit Mannose und [[Galaktose]].
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Gelatine und Galaktomanane bilden ihre Gelgerüste durch Ausbildung [[Helix|helikaler]] Strukturen durch zwei Polymerstränge. Es bilden sich Hydrogele, welche [[rheodestruktiv]] sind, d.h. ein durch Scherung irreversibel zerstörtes Gel kann ohne Temperatureinfluss nicht mehr in den Gelzustand zurückgeführt werden. Sie besitzen allerdings thermoreversible Sol-Gel-Übergänge.
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Alginate verfügen über eine ionotrope Gelbildung. Es kommt zur Quervernetzung von ionischen Molekülen durch mehrwertige Kationen. Im Falle des Alginats führen [[Calcium]]ionen zur sogenannten "Egg-Box"-Struktur.
  
 
==Eigenschaften==
 
==Eigenschaften==

Version vom 22. Januar 2021, 17:08 Uhr

Synonym: Hydrophiles Gel

1 Definition

Als Hydrogel bezeichnet man Gele mit einem hohen Wassergehalt. Sie bestehen aus hydrophilen, aber wasserunlöslichen Polymeren, die in Wasser unter weitgehender Formerhaltung beträchtlich aufquellen können.

2 Struktur

Hydrogele liegen als dreidimensionale Netzwerke vor. Die Fähigkeit von Hydrogelen Wasser zu absorbieren ergibt sich aus hydrophilen funktionellen Gruppen, die an das Polymergerüst gebunden sind, während ihre Beständigkeit gegen Auflösung aus Vernetzungen zwischen den Netzwerkketten resultiert. Das Polymermaterial kann also zu einem beträchtlichen Volumen quellen, ohne dass sich dabei der eigene stoffliche Zusammenhalt löst. Abhängig von den Eigenschaften des verwendeten Polymers sowie von der Art und Dichte der Netzwerkverbindungen können solche Strukturen unterschiedliche Mengen an Wasser binden.

Sie besitzen darüber hinaus einen hohen Grad an Flexibilität, der dem natürlichen Gewebe aufgrund ihres hohen Wassergehalts sehr ähnlich ist.

3 Zusammensetzung

Hydrogele enthalten neben dem Gelbildner und Wasser oft Feuchthaltemittel (z.B. Glycerol, Sorbitol, Propylenglycol). Diese schützen das Gel einerseits vor Austrocknung, zum anderen machen sie es streichfähiger. Da Hydrogele aufgrund des hohen Wasseranteils mikrobiell anfällig sind, enthalten sie oft Konservierungsmittel (z.B. Sorbinsäure, PHB-Ester).

Als Gelbildner von Hydrogelen werden folgende Substanzen verwendet. Man unterscheidet zwischen anorganischen und organischen Gelbildnern:

3.1 Anorganische Gelbildner

  • Bentonit („Quellton“): Besteht aus einem quellfähigen, kolloiden Aluminium-Schichtsilikat, das ein Laminarkolloidgerüst ausbildet. Dieses ist die Grundlage von Bentonitgelen.
  • Hochdisperses Siliziumdioxid: Das Gelgerüst (Sphärokolloidgerüst) entsteht über Wasserstoffbrückenbindungen. Zur Gelbildung werden jedoch hohe Konzentrationen an SiO2 benötigt (Ausnahme: Zusatz von nichtionogenen Tensiden, welche das Gelbildungsvermögen von Siliziumdioxid deutlich erhöhen). Durch Zugabe von Glycerol (Angleichung des Brechungsindex der wässrigen Phase auf den Brechungsindex des Siliziumdioxids) entstehen klare, stark thixotrope Hydrogele, die häufig in der Zahnheilkunde Anwendung finden.

3.2 Organische Gelbildner

Gelatine und Galaktomanane bilden ihre Gelgerüste durch Ausbildung helikaler Strukturen durch zwei Polymerstränge. Es bilden sich Hydrogele, welche rheodestruktiv sind, d.h. ein durch Scherung irreversibel zerstörtes Gel kann ohne Temperatureinfluss nicht mehr in den Gelzustand zurückgeführt werden. Sie besitzen allerdings thermoreversible Sol-Gel-Übergänge.

Alginate verfügen über eine ionotrope Gelbildung. Es kommt zur Quervernetzung von ionischen Molekülen durch mehrwertige Kationen. Im Falle des Alginats führen Calciumionen zur sogenannten "Egg-Box"-Struktur.

4 Eigenschaften

Hydrogele sind aufgrund ihres hohen Wassergehalts sehr streichfähig und feuchtigkeitsspendend. Sie sind in der Regel fettfrei und somit abwaschbar. Beim Auftragen auf die Haut kommt es zur Verdunstung des Wassers. Die dabei entstehende Verdunstungskälte schafft einen kühlenden Effekt. Hydrogele liegen in Form von Kompressen oder Tubengel vor.

5 Einteilung

Die Klassifikation der Hydrogele kann nach unterschiedlichen Kriterien erfolgen:

5.1 ...nach Herkunft

Man unterscheidet einerseits zwischen natürlich vorkommenden und synthetisch hergestellten Hydrogelen. Die natürlichen Hydrogele wurden v.a. in den letzten zwei Jahrzehnten schrittweise durch synthetische Varianten ersetzt, die eine lange Lebensdauer, eine hohe Wasserabsorptionskapazität sowie eine hohe Gelstärke aufweisen, die auch unter extremen Temperaturschwankungen stabil ist. Sie werden traditionell unter Verwendung chemischer Polymerisationsverfahren hergestellt.

5.2 ...nach Polymerzusammensetzung

Die verschiedenen Herstellungsmethoden führen zur Bildung unterschiedlicher Hydrogel-Klassen. Man unterscheidet in diesem Zusammenhang:

  • Homopolymer: Das Polymernetzwerk ist von einer einzelnen Monomerspezies abgeleitet. Es handelt sich also um eine grundlegende Einheit in der Struktur, die eine beliebige vernetzte Gerüststruktur aufweist.
  • Copolymerhydrogel: Besteht aus zwei oder mehr verschiedenen Monomerspezies mit mindestens einer hydrophilen Komponente, die in einer zufälligen Block- oder Wechselkonfiguration entlang der Kette des Polymernetzwerks angeordnet ist.
  • Multipolymer-interpenetrierendes polymeres Hydrogel (IPN): Besteht aus zwei unabhängigen vernetzten synthetischen und/oder natürlichen Polymerkomponenten. In einem semi-IPN-Hydrogel besteht eine Komponente aus einem vernetzten Polymer und die andere Komponente aus einem nicht-vernetzten Polymer.

5.3 ...nach Konfiguration

Die chemische Zusammensetzung der Hydrogele kann wie folgt klassifiziert werden:

  • Amorph: nicht kristallin
  • Teilkristallin: komplexe Mischung aus amorphen und kristallinen Phasen
  • Kristallin

5.4 ...nach Art der Vernetzung

Hydrogele können basierend auf der der Vernetzungsübergänge in zwei Kategorien unterteilt werden:

5.5 ...nach elektrischer Ladung

Hydrogele können auf der Grundlage der Anwesenheit oder Abwesenheit elektrischer Ladung an den vernetzten Ketten in vier Gruppen eingeteilt werden:

6 Indikation

Aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften werden Hydrogele in der Wundversorgung verwendet. Sie sind dabei insbesondere zum Feuchthalten oder zur Rehydrierung trockener Wunden (z.B. Nekrosen, seborrhoische Haut oder Wunden in der Granulations- oder Epithelisierungsphase) geeignet. Bei juckenden Hauterkrankungen spenden sie Linderung durch ihren kühlenden Effekt.

Je nach Indikation kann ein Hydrogel bestimmte Wirkstoffe enthalten, um den Heilungsprozess zu beschleunigen. Diese finden Anwendung bei:

7 Literatur

Diese Seite wurde zuletzt am 22. Januar 2021 um 15:39 Uhr bearbeitet.

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