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Humanes Herpesvirus 8

Version vom 20. Juli 2020, 11:50 Uhr von Dr. Frank Antwerpes (Diskussion | Beiträge)

Synonyme: Kaposi-Sarkom-Herpesvirus, KSHV

1 Definition

Das Humane Herpesvirus 8, kurz HHV-8, gehört zu der Subklasse der Gamma-Herpesviren und ist unter anderem assoziiert mit dem Kaposi-Sarkom (KS), einem differenzierten endothelialen Tumor. Ferner ist es ursächlich für das pirmäre Effusionslymphom (PEL), sowie für Morbus Castleman. Es infiziert neben Endothelzellen (im Falle des KS), auch dendritische Zellen und Monozyten. Die DNA der 120-150 nm großen Virionen umfasst 165 kb.

2 Epidemiologie

HHV-8 ist in Europa relativ selten. Die Seroprävalenz in der Normalbevölkerung wird mit maximal 3-5 % angegeben.[1] Die Häufigkeit des Antikörpernachweises steigt dabei linear mit zunehmendem Lebensalter. In Europa sieht man HHV-8 vor allem bei Patienten mit Immunsuppression (u.a. HIV) oder Kaposi-Sarkom.

In afrikanischen Ländern südlich der Sahara sowie in manchen Ländern der Mittelmeerregion liegt die Seroprävalenz höher. Dort hatten zwischen 10 und 40 % der Bevökerung Kontakt mit dem Virus. Regional können jedoch deutliche Unterschiede bestehen.

3 Nachweis

Die Virus-DNA lässt sich mittels PCR nachweisen und aus Zellen des Kaposi-Sarkoms gewinnen.

4 Pathogenese

In latenter Virusform exprimiert es mehrere Proteine, wie zum Beispiel das latenzassoziierte nukleäre Antigen (LANA), oder ein Clyclin D ähnliches Protein. Durch Expression dieser Gene beeinflusst es die Zellfunktion, indem es sowohl mit Tumorsupressorproteinen interagiert, als auch zur Apoptosehemmung verhilft, worin auch ursächlich die HHV8 assoziierte Tumorgenese begründet liegt. Weiter können in manchen Tumorzellen virale Gene nachgewiesen werden, die zur Angiogenese verhelfende Proteine (VEGF), oder zelluläre Zytokine (IL-6, IL-8) produzieren. Meist ist die virale DNA im Nukleus zu finden, ohne im Wirtsgenom integriert vorzuliegen.

Im Falle des primären Effusionslymphoms können man maligne B-Zellen in der Pleura und dem Abdominalraum nachgewiesen werden.

5 Übertragung

HHV8 wird vermutlich sexuell und durch Speichel übertragen, sodass es eine erhöhte Prävalenz für Homosexuelle Männer, Prostituierte, sowie andere Risikogruppen für sexuell übertragbare Krankheiten gibt.

6 Ätiologie

Da man in so gut wie allen KS-Zellen die Virus-DNA nachweisen kann, liegt ein ätiologischer Zusammenhang für die Entstehung des Kaposi-Sarkoms nahe. Ähnlich seinem nächsten Verwandten, dem Herpesvirus Samirii, welcher bei Primaten Leukämie hervorrufen kann, geht man davon aus, dass HHV8 durch dem Menschen ähnliche Gene den Zellzyklus, sowie die Apoptose beeinflusst. Ein Beispiel liefert das von HHV8 exprimierte bcl-2, welches mit zelleigenem bcl-2 ein Heterodimer bildet und somit den Gegenspieler Bax, das die Apoptose reguliert, unterdrücken kann.

7 Literatur

  • Dermatologie von C. Garbe und G. Rassner; Springer Verlag
  • Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie 8. Auflage von Suerbaum, Burchhard, Kaufmann, Schulz; Springer Verlag

8 Quellen

  1. Schulz TF. KSHV (HHV8) infection. Journal of Infection 2000; 41:125-9.

Fachgebiete: Virologie

Diese Seite wurde zuletzt am 4. Dezember 2020 um 15:11 Uhr bearbeitet.

Ich sollte mich auch häufiger loben. ;-)
#2 am 23.07.2020 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Gast
Ein bahnbrechender Artikel in der außerordentlich notwendigen Forschung des HHV-8; Ein riesiges Dankeschön an den Autor
#1 am 20.07.2020 von Gast (Student/in der Humanmedizin)

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