Herzkammer (Veterinärmedizin)

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Synonyme: Herzventrikel, Ventriculus cordis

1 Definition

Als Herzkammern bzw. Ventriculi cordis bezeichnet man die den Vorhöfen nachgeschaltenen Hohlräume des Herzens der Haussäugetiere.

2 Anatomie

Die Herzkammern bilden die zwei großen, zwischen den Segel- und Taschenklappen gelegenen Herzhöhlen. Man unterscheidet zwischen einer rechten und einer linken Herzkammer, die durch das Septum interventriculare voneinander getrennt sind:

2.1 Rechte Herzkammer

Die rechte Herzkammer steht über das Ostium atrioventriculare dextrum mit dem rechten Vorhof in Kontakt. In der Durchtrittsstelle ist eine Segelklappe - die Valva atrioventricularis dextra eingebaut. Diese Klappe sorgt für den sicheren Verschluss zwischen beiden Hohlräumen während den Herzaktionen. Die drei Segel sind blutgefäßfreie Endokardduplikaturen, die über Sehnenfäden (Chordae tendineae) mit den Papillarmuskeln (Musculi papillares) verbunden sind.

Die rechte Herzkammer kann in eine Einstrombahn und in eine Ausstrombahn unterteilt werden. Die Einstrombahn ist v.a. durch Fleischbalken (Trabeculae carneae) gekennzeichnet. Die Ausstrombahn formt sich zum Conus arteriosus, der wiederum in den Truncus pulmonalis übergeht. Am Übergang zwischen Conus und Truncus ist im Ostium trunci pulmonalis eine Taschenklappe, die Valva trunci pulmonalis eingebaut.

2.2 Linke Herzkammer

Die linke Herzkammer ist über das Ostrium atrioventriculare sinistrum mit dem linken Vorhof in direkter Verbindung. Das Ostium enthält eine Segelklappe - die Valva atrioventricularis sinistra - die für die koordinierte Füllung des linken Vorhofs bzw. der linken Herzkammer sorgt. Die freien Enden der Segelklappe sind ebenfalls über Chordae tendineae mit den in der Herzkammer ausgebildeten Musculi papillares verbunden.

Die linke Herzkammer kann ebenso in eine Ein- und eine Ausstrombahn unterteilt werden. Die Einstrombahn besitzt ebenfalls Fleischbalken (Trabeculae carneae), jedoch nicht so zahlreich wie in der rechten Herzkammer. Die Ausstrombahn formt sich zu einem rinnenförmigen Kanal, der in den Bulbus aortae führt. Diese Gefäßerweiterung stellt den Anfangsabschnitt der hier beginnenden Aorta dar. In der Aortenöffnung (Ostium aortae) ist eine Taschenklappe (Valva aortae) eingebaut, die für einen auswärtsgerichteten Blutstrom sorgt.

3 Klinik

3.1 Rechte Herzkammer

Da die rechte Herzkammer eine dünnere Wand als die linke hat, jedoch ein deutlich größeres Lumen besitzt, werden Herzpunktionen von rechts durchgeführt.

Einengungen im Bereich der Valva trunci pulmonalis (Pulmonalklappenstenose) sind in den meisten Fällen angeborene Fehlbildungen und treten gehäuft beim Beagle auf.

3.2 Linke Herzkammer

Fibrosierungen im Bereich der linken und rechten AV-Klappe treten verhältnismäßig häufig auf. Sie führen zu einem unzureichenden Klappenschluss (Klappeninsuffizienz). Beim Pferd betreffen solche Insuffizienzen meistens die linke, beim Rind die rechte Atrioventrikularklappe. Durch den inkompletten Verschluss der Ostien tritt ein Teil der Blutmenge während der Systole zurück in den jeweiligen Vorhof, wodurch dieser überdehnt wird.

Kongenitale Stenosen der Valva aortae sind beim Hund nicht selten. Eine Häufung kann v.a. beim Boxer und Neufundländer beobachtet werden. Degenerativ oder infektiös bedingte Aortenklappeninsuffizienzen treten insbesondere bei älteren Pferden auf.

Störungen des Verschlusses oder auch der Öffnung der Herzklappen (bedingt durch Stenosen oder Insuffizienzen) verursachen Veränderungen der Herztöne. Die entsprechende Herzklappenaktion sollte dabei an bestimmten Stellen, den Puncta maxima auskultiert werden. Auf diese Weise kann eine Zuordnung des pathologischen Geräusches der betroffenen Klappe erfolgen.

Herzklappe: Interkostalraum:
Valva atrioventricularis dextra 4. IKR, rechts
Valva trunci pulmonalis 3. IKR, links
Valva aortae 4. IKR, links
Valva atrioventricularis sinistra 5. IKR, links

4 Literatur

  • Salomon, Franz-Viktor, Geyer, Hans, Uwe Gille. Anatomie für die Tiermedizin. Enke-Verlag, 2005.
  • Nickel, Richard, August Schummer, Eugen Seiferle. Band III: Kreislaufsystem. Lehrbuch der Anatomie der Haustiere. Parey, 2004.

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