Bitte logge Dich ein, um diesen Artikel zu bearbeiten.
Bearbeiten

Herzinfarkt: Unterschied zwischen den Versionen

(Notfalltherapie)
Zeile 97: Zeile 97:
  
 
==Notfalltherapie==
 
==Notfalltherapie==
Gemäss den Leitlinien der [[AHA]] und der [[ERC]] muss man beim Herzinfarkt immer das [[MONA-Schema]], d.h. [[Morphium]], [[Sauerstoffgabe]], [[Nitrat]]e und [[Azetylsalizylsäure]] (ASS) anwenden, wobei die Sauerstoffgabe nach neuesten Erkenntnissen nicht mehr uneingeschränkt empfohlen wird. Die Gabe von Heparin ist umstritten und wird nicht von allen Autoren empfohlen. Morphium ist auch zur [[Vorlast]]senkung und nicht alleine zur Schmerzbekämpfung erforderlich. Nitrat senkt die [[Vorlast]] und Azetylsalizylsäure wird verwendet  um die Aggregation der immer weiter angeschwemmten [[Thrombozyt]]en zu verhindern. Der Patient sollte - sofern die Kreislaufsituation dies zulässt - mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden, um die [[Vorlast]] zu senken.
+
Gemäss den Leitlinien der [[AHA]] und der [[ERC]] muss man beim Herzinfarkt immer das [[MONA-Schema]], d.h. [[Morphium]], [[Sauerstoffgabe]], [[Nitrat]]e und [[Azetylsalizylsäure]] (ASS) anwenden, wobei die Sauerstoffgabe nach neuesten Erkenntnissen nicht mehr uneingeschränkt empfohlen wird. Die Gabe von Heparin ist umstritten und wird nicht von allen Autoren empfohlen. Morphium ist auch zur [[Vorlast]]- und leichten [[Nachlast]]senkung und nicht alleine zur Schmerzbekämpfung erforderlich. Nitrat senkt die [[Vorlast]] und Azetylsalizylsäure wird verwendet  um die Aggregation der immer weiter angeschwemmten [[Thrombozyt]]en zu verhindern. Der Patient sollte - sofern die Kreislaufsituation dies zulässt - mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden, um die [[Vorlast]] zu senken.
  
 
==Therapie==
 
==Therapie==

Version vom 29. Oktober 2018, 13:12 Uhr

Synonyme: Myokardinfarkt (MI), Herzmuskelinfarkt
Englisch: myocardial infarction

1 Definition

Herzinfarkt, kurz HI, bezeichnet den regionalen Untergang von Herzmuskelgewebe (Myokard) aufgrund einer lokalen Durchblutungsstörung. Ursächlich dabei ist die Verengung des Lumens eines Astes der Koronargefäße.

2 Ursachen

Ein Herzinfarkt entsteht in der Regel auf dem Boden einer koronaren Herzkrankheit (KHK). Atheromatöse Plaques verengen das Gefäßvolumen. Kleine Einrisse der Fibrinschicht an der Oberfläche instabiler, "vulnerabler" Plaques können zu einer Aktivierung der Thrombozyten führen. Es kommt zur intravasalen Gerinnung mit Bildung eines Thrombus, der das Gefäß verlegt und die Durchblutung der abhängigen Gewebebereiche zum Erliegen bringt (Koronarthrombose). Nach einer Zeitspanne von 15-30 Minuten stirbt das betroffene Myokard ab. Abhängig von der Lokalisation und Dauer des Koronarverschlusses kommt es zur typischen Infarktsymptomatik.

Seltener entstehen Herzinfarkte durch Spasmen der Koronargefäße (Prinzmetal-Angina), allergische Reaktionen (Kounis-Syndrom) oder Embolien.

3 Risikofaktoren

Klassische Risikofaktoren für die Entstehung des Herzinfarkts und der Arteriosklerose sind insbesondere Rauchen, Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte, Diabetes sowie falsche Ernährung, erhöhter Alkoholkonsum, Bewegungsmangel, chronische Entzündungsherde (z.B. Parodontitis) und Stress. Als Mitverursacher vieler Herz-Kreislauf-Erkrankungen treten zunehmend auch erbliche Faktoren in den Fokus.

4 Epidemiologie

Der Herzinfarkt ist eine der häufigsten Todesursachen in den reichen Ländern: In Deutschland erleiden rund 280.000 Menschen jährlich einen Herzinfarkt, 90.000 von ihnen überleben ihn nicht.

5 Einteilung

5.1 ... nach Ausbreitung in den Wandschichten

siehe auch: Prinzip der letzten Wiese

5.2 ... nach dem Versorgungsgebiet der entsprechenden Koronararterien

Das Infarktareal entspricht dem Versorgungsgebiet der stenosierten Koronararterie, wobei fast immer das linke Herz betroffen ist.

5.3 ... nach EKG-Veränderungen

  • STEMI (ST-elevation myocardial infarction)
  • NSTEMI (Non-ST-elevation myocardial infarction)

6 Symptome

Etwa 20% der Infarkte sind asymptomatisch (stummer Infarkt). Das Ausmaß und die Qualität der Symptomatik sind interindividuell sehr variabel.

Klassisches Leitsymptom ist die Angina pectoris mit akut auftretendem retrosternalem Schmerz, unter Umständen als "referred pain" ausstrahlend in den linken Arm, Hals, Unterkiefer, Rücken oder Oberbauch. Der Schmerz kann als sehr bedrohlich empfunden werden (Vernichtungsschmerz) und mit Todesangst einhergehen. Er ist nicht atem- oder lageabhängig.

Betroffene empfinden Dyspnoe, sind häufig kaltschweissig und blass. Die Akren können als Ausdruck eines Blutdruckabfalls bei versagender Pumpleistung zyanotisch sein. Häufig bestehen Arrhythmien, meistens tachykard, bei Hinterwandinfarkten häufiger bradykard. Weiterhin bestehen häufig Schwindel (auch Bewusstlosigkeit) und Übelkeit (u.U. mit Erbrechen).

7 Pathohistologie

Bereits 4 bis 6 Stunden nach dem Infarkt zeigen sich mikroskopisch Koagulationsnekrosen der Kardiomyozyten mit Hypereosinophilie der Zellen. In den Gefäßen reichern sich neutrophile Granulozyten an. Ein weiteres Zeichen der Myozytenschädigung sind Hyperkontraktionsbänder der Myofibrillen sowie gewellte Muskelfasern ("myocytic waving"). Im Zeitraum von 6 bis 24 Stunden nimmt die Infiltration durch neutrophile Granulozyten zu und es kommt zur Bildung eines hyperämischen Randsaums.

3 bis 7 Tage nach dem Infarkt beginnt die Bildung von Granulationsgewebe. Vom Rand der Nekrose sprossen Kapillaren ein. Nekrotische Gewebsreste werden durch einwandernde Makrophagen entfernt. Parallel beginnen Fibroblasten damit, durch Produktion von Kollagenfasern eine Narbe zu bilden. Nach etwa 6 Wochen ist der Ersatz der Nekrose durch Narbengewebe abgeschlossen.

8 Komplikationen

Die Komplikationen nach einem Herzinfarkt lassen sich in Früh- und Spätkomplikationen einteilen. Die frühen Komplikationen treten i.d.R. innerhalb der ersten Woche nach dem Infarktgeschehen auf.

8.1 Frühkomplikationen

8.2 Spätkomplikationen

Durch akinetische Wandbezirke erhöht sich die Gefahr einer intrakardialen Thrombenbildung mit nachfolgenden kardiogenen Embolien.

9 Diagnostik

9.1 Basisdiagnostik

9.2 EKG-Diagnose

Bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sollte sofort ein Ruhe-EKG abgeleitet werden, bei Verdacht auf Hinterwandinfarkt können die Ableitungen nach Nehb hilfreiche Zusatzinformation geben. Als Infarktzeichen gelten unter anderem ST-Hebungen, ein R-Verlust und das sogenannte Erstickungs-T.

siehe auch: EKG-Infarktzeichen

9.3 Labordiagnostik

Beim Herzinfarkt gelangen vermehrt Enzyme aus den geschädigten Herzmuskelzellen in das Blut und sind dort in erhöhter Konzentration nachweisbar

Dabei muss zwischen herzmuskelspezifischen Enzymen (Troponin T, Troponin I und CK-MB) und herzmuskelunspezifischen Enzymen (Myoglobin, Gesamt-CK, AST, ALT, LDH unterschieden werden. Am frühesten (2-3 h) sind Myoglobin und Troponin T nachweisbar, erhöhte Werte für CK-MB, AST und ALT sind 4-8 Stunden nach Infarkt nachweisbar, ein LDH-Anstieg nach 24-60 Stunden.

siehe auch: Labordiagnostik beim Herzinfarkt

9.4 Zusatzdiagnostik

10 Notfalltherapie

Gemäss den Leitlinien der AHA und der ERC muss man beim Herzinfarkt immer das MONA-Schema, d.h. Morphium, Sauerstoffgabe, Nitrate und Azetylsalizylsäure (ASS) anwenden, wobei die Sauerstoffgabe nach neuesten Erkenntnissen nicht mehr uneingeschränkt empfohlen wird. Die Gabe von Heparin ist umstritten und wird nicht von allen Autoren empfohlen. Morphium ist auch zur Vorlast- und leichten Nachlastsenkung und nicht alleine zur Schmerzbekämpfung erforderlich. Nitrat senkt die Vorlast und Azetylsalizylsäure wird verwendet um die Aggregation der immer weiter angeschwemmten Thrombozyten zu verhindern. Der Patient sollte - sofern die Kreislaufsituation dies zulässt - mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden, um die Vorlast zu senken.

11 Therapie

11.1 Akuttherapie

Ein akuter Herzinfarkt erfordert die umgehende stationäre Aufnahme in ein Krankenhaus und eine intensivmedizinische Betreuung. Durch den Rettungsdienst bzw. in der Notaufnahme eines Krankenhauses wird in aller Regel zunächst Heparin i.v. (meist 5.000 iE) und ASS i.v. (meist 150-300 mg) verabreicht. Sofern kein Heparin verfügbar ist, kann auch Bivalirudin (seltener auch Enoxaparin) zum Einsatz kommen.

Die Akuttherapie umfasst des Weiteren:

11.2 Revaskularisierende Therapie

Als revaskularisierende Therapie bezeichnet man Maßnahmen, die darauf ausgerichtet sind, die Perfusion des Herzmuskels wieder zu verbessern. Dazu zählen:

11.3 Reinfarktprophylaxe

Die Reinfarktprophylaxe dient der Verhinderung eines erneuten Herzinfarkts.

12 Weiterführende Informationen

Diese Seite wurde zuletzt am 20. April 2021 um 18:40 Uhr bearbeitet.

Aber nicht generell, sondern nur bei PTCA: "Based on the current available evidence, early administration of i.v. beta-blockers at the time of presentation followed by oral beta-blockers should be considered in haemodynamically stable patients undergoing primary PCI."
#3 am 18.02.2021 von Dr. Frank Antwerpes (Arzt | Ärztin)
Ist es nicht auch schon als Akuttherapie (außer bei kardiogenem Schock) indiziert Beta-Blocker zu geben? Manche Studien zeigen einen Benefit und auch in der ESC Leitlinie wird es bei kardial stabilen Patienten empfohlen (https://academic.oup.com/eurheartj/article/39/2/119/4095042, S.151)
#2 am 18.02.2021 von Horst Antonio Piontek (Student/in der Humanmedizin)
Gast
Schöner Betrag, zeigt sich mal wieder dass Doccheck deutlich bessere Artikel als Wikipedia schreibt.
#1 am 15.06.2014 von Gast (Nichtmedizinischer Beruf)

Um diesen Artikel zu kommentieren, melde Dich bitte an.

Klicke hier, um einen neuen Artikel im DocCheck Flexikon anzulegen.

Artikel wurde erstellt von:

Letzte Autoren des Artikels:

139 Wertungen (3.63 ø)

888.484 Aufrufe

Copyright ©2021 DocCheck Medical Services GmbH | zur mobilen Ansicht wechseln
DocCheck folgen: