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Herpes zoster: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und tritt meist sporadisch auf. Die [[Inzidenz]] beträgt etwa 400/100 000, die [[Prävalenz]] 80/100 000 Einwohner. Der [[Erkrankungsgipfel]] liegt etwa zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, ohne Geschlechtsunterschied. Die Infektion führt in der Regel zu einer lebenslangen [[Immunität]]. Ein erneuter Ausbruch ist jedoch möglich.<ref>Yawn BP, Wollan PC, Kurland MJ, St Sauver JL, Saddier P.:[http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21220354 Herpes zoster recurrences more frequent than previously reported] Mayo Clin Proc. 2011 Feb;86(2):88-93. doi: 10.4065/mcp.2010.0618. </ref>
 
Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und tritt meist sporadisch auf. Die [[Inzidenz]] beträgt etwa 400/100 000, die [[Prävalenz]] 80/100 000 Einwohner. Der [[Erkrankungsgipfel]] liegt etwa zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, ohne Geschlechtsunterschied. Die Infektion führt in der Regel zu einer lebenslangen [[Immunität]]. Ein erneuter Ausbruch ist jedoch möglich.<ref>Yawn BP, Wollan PC, Kurland MJ, St Sauver JL, Saddier P.:[http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/21220354 Herpes zoster recurrences more frequent than previously reported] Mayo Clin Proc. 2011 Feb;86(2):88-93. doi: 10.4065/mcp.2010.0618. </ref>
  
In den letzten Jahren (Stand 2019) ist beim Herpes zoster ein Trend zu einem jüngerem Erkrankungsalter zu beobachten. Die Gründe dafür sind noch unklar.
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In den letzten Jahren (Stand 2019) ist beim Herpes zoster ein Trend zu einem jüngerem Erkrankungsalter zu beobachten. Die Gründe dafür sind noch unklar.<ref>[https://www.webmd.com/skin-problems-and-treatments/shingles/news/20180904/shingles-on-the-rise-among-younger-people Shingles on the Rise Among Younger People, Web MD Health, abgerufen am 24.6.2019</ref>
  
 
== Ätiologie ==
 
== Ätiologie ==

Version vom 24. Juni 2019, 08:33 Uhr

Synonyme: Gürtelrose, Zoster, Zona, Zona ignea
Englisch: herpes zoster, shingles

1 Definition

Der Herpes zoster ist die Zweitmanifestation einer Infektion mit Varizella-Zoster-Viren (VZV), die nach erfolgter Erstinfektion (Windpocken) in den Neuronen und Gliazellen der Spinalganglien lebenslang persistieren.

ICD10-Code: B02.-

2 Epidemiologie

Die Erkrankung ist weltweit verbreitet und tritt meist sporadisch auf. Die Inzidenz beträgt etwa 400/100 000, die Prävalenz 80/100 000 Einwohner. Der Erkrankungsgipfel liegt etwa zwischen dem 50. und 70. Lebensjahr, ohne Geschlechtsunterschied. Die Infektion führt in der Regel zu einer lebenslangen Immunität. Ein erneuter Ausbruch ist jedoch möglich.[1]

In den letzten Jahren (Stand 2019) ist beim Herpes zoster ein Trend zu einem jüngerem Erkrankungsalter zu beobachten. Die Gründe dafür sind noch unklar.[2]

3 Ätiologie

Der Herpes zoster wird durch eine endogene Reaktivierung neurotroper Varizella-Zoster-Viren bei bestehender, oder neu aufgetretener Immundefizienz (beispielsweise bei Tumorleiden, AIDS, immunmodulierende Therapie), ausgelöst. Die Erstinfektion durch Varizella-Zoster-Viren führt zu Windpocken (Varizellen). Nichtimmunisierte Kinder oder Erwachsene können sich beim Kontakt mit Zoster-Erkrankten durch Tröpfcheninfektion mit Varizellen infizieren. Die Exposition von Varizellen begünstigt auf der anderen Seite die Entwicklung eines Zosters.

4 Pathophysiologie

Die Erkrankung bricht dadurch aus, das Viruspartikel in den Ganglien aus dem lysogenen Zyklus in ihren lytischen Zyklus übergehen. Im Gegensatz zum Herpes-simplex-Virus (HSV) ist über Latenz des VZV noch wenig bekannt. Auch in der Ruheperiode werden in geringem Umfang Virus-spezifische Proteine (u.a. ORF-Protein 4, 21, 29, 62 und 63) von der Zelle produziert, so dass keine "echte" Latenz vorliegt. Welche zellulären bzw. immunologischen Faktoren das Virus reaktivieren, ist Gegenstand der Grundlagenforschung. Bislang (2019) konnte das Virus noch nie aus latent infizierten menschlichen Nervenzellen angezüchtet werden.

5 Symptome

Die Erkrankung beginnt mit einem Prodromalstadium, das etwa 3-5 Tage dauert. Die Symptome in dieser Periode sind meist unspezifisch. Die Patienten klagen zum Beispiel über Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Kopf- und Gliederschmerzen sowie leichtes Fieber, seltener über Nackensteifigkeit.

Nach einiger Zeit treten dumpfe, ziehende, manchmal heftige Schmerzen im Versorgungsgebiet des betroffenen Ganglions auf. Sie können von Parästhesien wie Kribbeln und Ameisenlaufen begleitet sein. In den betroffenen Arealen lässt sich dann meist auch eine Sensibilitätsminderung feststellen. Die Symptome werden zu diesem Zeitpunkt meist falsch eingeordnet und zum Beispel als Bandscheibenvorfall oder Cholezystitis fehlgedeutet.

Im Anschluss entwickeln sich dann die typischen Hauteffloreszenzen, die das klinische Bild vervollständigen:

In der Folge kommt es zu einer Konfluenz und Eintrübung der Bläschen, die schließlich aufbrechen. Nach etwa 7-12 Tagen trocknen die Bläschen unter Bildung gelb-brauner Krusten ab. Der gesamte Krankheitsverlauf dauert in der Regel 2-4 Wochen. Bei nekrotischen Verläufen (Zoster gangraenosus) oder Sekundärinfektionen verbleiben nach der Abheilung Narben und Pigmentstörungen.

6 Lokalisation

Die Hauterscheinungen sind meist halbseitig und auf ein bis drei benachbarte Dermatome begrenzt (Zoster segmentalis). Am häufigsten (50-60% der Fälle) sind die Thorakalsegmente betroffen ("Gürtelrose"). Weitere bevorzugte Lokalisationen sind die Versorgungsgebiete des Nervus trigeminus sowie die unteren Zervikalsegmente. Für den Befall einiger Areale sind eigene Krankheitsbezeichnungen gängig:

Bei sehr schwerer Immundefizienz kann ein Zoster das gesamte Nervensystem einbeziehen. Man spricht dann von einem Zoster generalisatus, bei zusätzlicher Virämie von einem Zoster disseminatus.

7 Diagnose

7.1 Klinik

Das klinische Bild aus typischen Effloreszenzen, in Verbindung mit Parästhesien und Schmerzen, führt zur Diagnose.

7.2 Labor

Bei zentraler Beteiligung ist die Lumbalpunktion zur Liquordiagnostik indiziert.

7.3 Serologie und Erregernachweis

Aufgrund der hohen Durchseuchung mit Varizella-Zoster-Viren ist die Serologie wenig aussagekräftig. Der Erregernachweis per PCR und Virusisolation ist möglich, aber kein Routineverfahren.

8 Differentialdiagnose

9 Komplikationen

10 Kontagiosität

Während der frühen exanthematischen Phase können Personen, die über keine VZV-Antikörper verfügen, durch Kontakt mit den Erkrankten infiziert werden. Infektiös ist der Inhalt der Vesikel, der eine hohe Viruskonzentration aufweist, und durch Schmierinfektion übertragen wird. Die Infizierten erkranken dann an Windpocken - der Herpes zoster selbst kann nicht weitergegeben werden.

11 Therapie

In erster Linie sollen bei der Zosterbehandlung die Schmerzen des Patienten soweit wie möglich gelindert werden. Des Weiteren ist es wichtig systemisch zu behandeln, damit die Ausdehnung und Dauer der Hautveränderungen begrenzt wird und eine postzosterische Neuralgie und andere akute sowie chronische Komplikationen (z.B. Meningitis) verhindert oder abgemildert werden.

11.1 Symptomatische Therapie

Lokal wird abhängig vom Stadium des Exanthems entweder austrocknend und antiseptisch z.B. mit feuchten Umschlägen (Bläschenstadium), mit Lotio alba, Vioform-Zinkschüttelmixtur oder krustenlösend behandelt. Bisher (2019) existiert keine zufriedenstellende Lokaltherapie mit nachgewiesener antiviraler Wirksamkeit.

Die begleitende Schmerztherapie erfolgt durch adäquate Gabe von Analgetika.

11.2 Antivirale Therapie

Bei jungen Personen ohne Risikofaktoren heilt der umschriebene Zoster der Haut am Stamm und an den Extremitäten in der Regel auch ohne spezifische antivirale Therapie komplikationslos aus. Die antivirale Behandlung verkürzt jedoch den Heilungsverlauf und ist besonders wichtig, wenn mit einem komplizierten Verlauf des Zosters gerechnet werden muss.

Eine Indikation zur antiviralen Therapie besteht bei:

Als Medikamente kommen folgende Wirkstoffe in Frage:

Die Behandlungsdauer beträgt bei immunkompetenten Patienten in der Regel 7 Tage, bei immunsupprimierten Patienten kann eine längere Behandlungsdauer notwendig sein.

11.3 Zusätzliche Therapie

Bei schweren Verläufen kommen zusätzlich Hyperimmunglobulin und Interferon-beta zum Einsatz. Die postzosterische Neuralgie kann durch Gabe von Koanalgetika (z.B. Antikonvulsiva, trizyklische Antidepressiva) beinflusst werden.

12 Prognose

Bei Immunkompetenten ist die Prognose gut. Bei Risikopatienten ist der Verlauf schwerer, es besteht eine erhöhte Letalität.

13 Prophylaxe

Seronegative Personen der Risikogruppe und deren Kontaktpersonen, können mit einem Lebendimpfstoff geimpft werden; eine Postexpositionsprophylaxe ist ebenfalls möglich.

Seit Dezember 2018 empfiehlt die STIKO Personen ab 60 Jahren die Impfung gegen Gürtelrose als Standard. Bei Immunschwäche und anderen Erkrankungen besteht schon ab 50 Jahren eine Empfehlung. Es handelt sich dabei um einen Totimpfstoff, der aus zwei Dosen besteht. Sie sollten im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten gegeben werden.

14 Quellen

  1. Yawn BP, Wollan PC, Kurland MJ, St Sauver JL, Saddier P.:Herpes zoster recurrences more frequent than previously reported Mayo Clin Proc. 2011 Feb;86(2):88-93. doi: 10.4065/mcp.2010.0618.
  2. [https://www.webmd.com/skin-problems-and-treatments/shingles/news/20180904/shingles-on-the-rise-among-younger-people Shingles on the Rise Among Younger People, Web MD Health, abgerufen am 24.6.2019

Fachgebiete: Dermatologie, Virologie

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